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Dieser Pulli wird wohl schnell ein Grinsen auf die Gesichter begeisterter Disturbed-Fans zaubern. Der große Druck auf dem Rücken des Pulli zeigt neben dem Disturbed-Logo das typische Grinsen von Bandmaskottchen The Guy. Auf der Brust des Pulli ist eine silberne Plakette in angeschraubter Optik zu sehen.
Interview

von Ben Foitzik (30.06.2010)Eure letzten drei Alben stiegen in den Staaten allesamt auf Platz eins in die Charts ein. Was treibt euch überhaupt noch an weiterzumachen?
"Alben aufzunehmen ist für uns nur ein Mittel zum Zweck: Im Prinzip dreht sich alles nur darum live zu spiele...
WeiterlesenEure letzten drei Alben stiegen in den Staaten allesamt auf Platz eins in die Charts ein. Was treibt euch überhaupt noch an weiterzumachen?
"Alben aufzunehmen ist für uns nur ein Mittel zum Zweck: Im Prinzip dreht sich alles nur darum live zu spielen. Die direkte Reaktion und die Energie, die du vom Publikum bekommst, ist die größte Sucht, die du dir vorstellen kannst. Wenn du einmal vor 80.000 Leuten gespielt hast, die gleichzeitig ihre Fäuste in die Luft strecken, dann ist das das Größte, was dir je passieren kann. Keine Droge ist damit vergleichbar, noch nicht mal Sex kann mit diesem Erlebnis mithalten."
Auch in Deutschland strecken viele Leute bei Disturbed die Faust in den Himmel.
"Deutschland ist großartig - du musst ein Land einfach lieben, in dem Manowar mit einem neuen Album auf Platz eins in die Charts einsteigt! Ihr habt hier eine perfekte Heimat für Hardrock und Heavy Metal geschaffen, das sieht man auch bei den überschwänglichen Live-Shows - da kann sich das amerikanische Publikum noch eine Scheibe von abschneiden!"
Manowar, gutes Stichwort: Auch bei euch dreht sich viel um die "Warrior"-Mentalität, oder? So heißt schließlich auch ein Song eures neuen Albums.
"Stimmt, unsere Musik sollte schon immer ein Gefühl der Macht und Stärke transportieren. Sie soll dir bewusst machen, dass du viel mehr erreichen kannst, als du dir selber zutraust. Wir wollen die Menschen befreien und ihnen einen Soundtrack geben, der sie durch schwierige Phasen ihres Lebens leitet."
Euer fünftes Album dieser Art heißt "Asylum" - inwieweit fasst dieser Begriff die Essenz des Albums zusammen?
"Der Titeltrack handelt davon, eine geliebte Person zu verlieren und durch die Erinnerung an sie wahnsinnig zu werden. Gleichzeitig jedoch ist diese Erinnerung auch ein Ort der Sicherheit, an den du dich zurückziehen kannst. Darin besteht ja auch die Dualität des Wortes ,asylum': Es kann eine Irrenanstalt sein, aber auch bedeuten, dass man jemandem Asyl gewährt. Das ist das einende Element des Albums: Es beschreibt das Chaos der Welt, in der wir leben - da es aber auch die einzige Welt ist, die wir haben, müssen wir versuchen, einen Ort zu finden, an dem wir uns sicher fühlen."
Die Songs auf dem Album haben textlich viele unterschiedliche Ansätze.
"Einige sind politisch motiviert: ,Another way to die' handelt vom Klimawandel, ,Never again' vom Holocaust, den meine Großeltern noch am eigenen Leibe erfahren haben. In anderen Songs wie ,Asylum' geht es um persönliche Beziehungen, während ,Serpentine' einen bösen, teuflischen, manipulativen Succubus von einer Frau beschreibt, die mit ihrer Schönheit Männer hörig macht und sie wieder ausspuckt, wenn sie alles aus ihnen rausgesaugt hat. Glücklicherweise war ich länger nicht mehr in solch einer Beziehung."
Du hast die globale Erwärmung erwähnt. Viele mag es verwundern, dass sich Disturbed diesbezüglich engagieren.
"Es ist unverzeihlich, was wir diesem Planeten angetan haben. Wir reiten uns immer tiefer in die Scheiße! Deswegen versuchen auch wir, verantwortungsvoller zu handeln: Wir limitieren unseren Spritverbrauch, indem wir unsere Konzertproduktion in nur einen Truck stopfen und den Fans damit trotzdem eine gigantische Show bieten. Im Zuge der ,Another way to die'-Kampagne bringen wir zudem eine recycelte T-Shirt-Linie heraus, deren Erlöse zum Teil an Greenpeace gehen. Im Gegensatz zu anderen reden wir nicht nur drüber, dass sich etwas ändern muss, wir schreiten auch zur Tat."
Das große Kotzen
von Marcel Anders (25.03.2008)Richtig wohl in seiner Haut fühlt sich David Draiman nicht. Der 35jährige ist in Kuwait - zum ersten Mal in seinem Leben - und gibt ein Konzert für ein paar Tausend amerikanische Soldaten. Natürlich unter allerstrengsten Sicherheitsauflagen und mit ...
WeiterlesenRichtig wohl in seiner Haut fühlt sich David Draiman nicht. Der 35jährige ist in Kuwait - zum ersten Mal in seinem Leben - und gibt ein Konzert für ein paar Tausend amerikanische Soldaten. Natürlich unter allerstrengsten Sicherheitsauflagen und mit absolutem Fluch- und Schimpfverbot. "Ich unterstütze unsere Truppen am Golf. Einfach, weil ich Respekt vor jedem habe, der sich das antut und der immer noch an die gerechte Sache glaubt. Auch, wenn ja mittlerweile klar ist, dass dieser Krieg völliger Blödsinn ist." Womit der kahlköpfige, Ganzkörper gepiercte Mann aus Chicago eine klare Unterscheidung zwischen Patriotismus (der OK ist) und den Machenschaften der Bush-Regierung (die nicht OK sind) macht und sich auf seinem neuen, vierten Album "Indestructible" so richtig auskotzt: Da schießt er gegen die unheilvolle Allianz aus Politik, Wirtschaft und Religion, prangert blinde Gottesfürchtigkeit, skrupellose Geldgier, mediale Manipulation und geballte Inkompetenz an - unterlegt mit den härtesten, wütendsten und bedrohlichsten Songs, die der Vierer aus Chicago je geschrieben hat. "Das ist der Grund, warum ich nicht zum Psychiater muss: Weil ich alles, was mir stinkt, in meinen Texten verarbeiten kann. Ich lasse da also richtig Dampf ab und werde zum regelrechten Tier, das seinen blanken Hass auslebt." Was Disturbed zu einer besten und erfolgreichsten neuen Metal-Bands der Gegenwart macht. Allein in den USA haben sie von ihrem letzten Epos "Ten thousands fists" über neun (!) Millionen CDs verkauft, die größten Arenen und Stadien gefüllt und sogar Platz 1 der Billboard-Charts geknackt. Was in Europa absolut undenkbar erscheint, doch Draiman & Co. arbeiten daran. "Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir bei euch immer noch verhältnismäßig wenig selten auftreten, während wir Zuhause eigentlich ständig und überall spielen. Aber das wollen wir in Zukunft ändern. Einfach, indem wir unsere Präsenz steigern. Ich meine, ich habe kein Problem damit, in Clubs aufzutreten. Das ist mir eigentlich sogar lieber als irgendwelche Festivals. Und ich weiß ja, dass ihr auf harte Musik steht. Also wird das irgendwann schon klappen. Da bin ich mir ganz sicher." Die Disturbed-Offensive startet am 30. Mai mit der Veröffentlichung von "Indestructible", gefolgt von Auftritten bei Rock Am Ring/Rock im Park. "Macht euch auf was gefasst", fügt Draiman lachend hinzu. "Wir werden euch plätten. Wie ein Panzer, Mann." Ein denkwürdiger Vergleich - gerade für einen erklärten Pazifisten!
Der dritte Streich
von Marcel Anders (01.08.2005)Chicago im Sommer 2005: In der City herrschen 35 Grad im Schatten. Und im Proberaum von Disturbed, der zwischen den Wolkenkratzern des Finanzdistrikts liegt, sind es glatt noch ein paar mehr. Denn nach sechs Millionen verkaufter CDs von "The sickness...
WeiterlesenChicago im Sommer 2005: In der City herrschen 35 Grad im Schatten. Und im Proberaum von Disturbed, der zwischen den Wolkenkratzern des Finanzdistrikts liegt, sind es glatt noch ein paar mehr. Denn nach sechs Millionen verkaufter CDs von "The sickness" (2000) und "Believe" (2002) leisten sich die Amis zwar ein monströses Loft mit allem Schnickschnack, aber keine Klimaanlage. Dabei wäre die genau so sinnvoll wie Billardtisch, Bar, Basketball-Court, Trampolin und plüschiges Separée: Man hat das Gefühl im Backofen zu stehen, und alles, was man an Flüssigkeit zu sich nimmt, rinnt einem wenige Sekunden später als Schweiß durch die Poren. Wobei die Disturbed-Jungs ganz andere Probleme haben: Die Cops sind da, weil sich mehrere Anwohner über den Krach zur Mittagszeit beschweren, und es jetzt heißt, wahlweise leiser zu sein, oder aber Strafe zu zahlen. Was Sänger David Draiman mit einem Grinsen kommentiert:
"Das Problem ist, dass hier jede Menge Restaurants sind. Deswegen beschwert sich ständig irgendwer, aber es hat noch niemand die Bullen gerufen. Das ist das erste Mal."
Was ihn nicht daran hindert, eine kleine Darbietung von fünf neuen Songs zu geben: Live im Proberaum, bei voller Lautstärke und einer Band, die nach dem Ausstieg von Bassist Fuzz (Ersatz: John Moyer) eine ganze Spur tighter geworden ist. So feuert Gitarrist Dan Donegan ein Solo nach dem anderen ab, Schlagzeuger Mike Wengren verprügelt seine Schießbude, als hätte sie Mutti beleidigt, und David gibt eine Kostprobe von vier Jahren Gesangsunterricht - er trifft selbst die höchsten Töne.
"Damit habe ich nach der Sickness-Tour angefangen, aber es hat ewig gedauert, bis ich die Technik drauf hatte",
spricht's und verfällt in einen Endlos-Monolog über Atemtechnik, Sport und Ernährung. Doch bevor unsereins ein schlechtes Gewissen bekommt, holt er eine lauwarme Flasche Jägermeister hervor, schüttet zwei Gläser ein und stößt mit den Worten an:
"Das hilft natürlich auch."
Ein Scherzkeks. Wobei der Yul Brynner des Nu Metal auch anders kann: Im Interview lässt er ein großkotziges Zitat nach dem anderen ab. Kostprobe:
"Es gibt kaum noch vernünftige Rock-Bands. Nimm nur diese Deppen von Lamb Of God, Shadows Fall oder Killswitch Engage - das sind alles Copycats, die keine eigene Identität haben."
Oder:
"Ich sehe uns als klassische Metal-Band in der Tradition von Maiden und Priest."
Noch Fragen? Dabei ist ihr drittes Album "Ten thousand fists" vor allem eins: Ein Mix aus dem knallharten Debut und dem vergleichsweise poppigen Nachfolger.
"Wir haben uns nicht neu erfunden", gibt David zu. "Aber schon versucht, das Ganze etwas spannender zu machen."
Worunter er epische Gitarren-Soli in bester '80er Manier, einen ekstatischen Gesang und vor allem einen lyrischen Rundumschlag gegen alles und jeden versteht. Angefangen bei der Bush-Administration über den punkpoppenden Nachwuchs bis hin zum Vorgehen der US-Armee im Irak.
David: "Die haben da nichts zu suchen und sollten endlich abziehen, bevor es noch schlimmer wird."
Deutliche Worte aus dem Mund eines Mannes der nach eigenem Bekunden so viel Wut in sich hat, dass er "noch zehn weitere Alben füllen könnte." Hoffentlich!