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"Icarus" ist wie schon alle Vorgängeralben, ein formidables, lupenreines Thrash Album, ganz in der Tradition des Thrash Genres, das Dew-Scented in Deutschland nachhaltig mitgeprägt haben. Mit einem satten, vollen Sound ausgestattet, ist "Icarus" ein mörderischer Nackenbrecher!
EMP Redaktion
von Jürgen Tschamler(18.06.2012)Satte 20 Jahre haben Dew-Scented 2012 auf dem Buckel. Nicht viele Bands können sich rühmen ihre musikalischen Vorlieben so lange am Plus der Zeit kompromisslos ausgelebt zu haben. Dew-Scented sind jedenfalls alles andere als müde. Dabei war Ende 2011 die Kacke förmlich am dampfen, wie man so schön sagt. Resultierend daraus ist nur noch Shouter Leif Jensen als Original-Member in der Band, der Rest rekrutiert sich aus hochwertigen, technisch versierten neuen Muckern, die Dew-Scented neues Leben einhauchen. "Icarus" ist wie schon alle Vorgängeralben ein formidables, lupenreines Thrash-Album, ganz in der Tradition des Thrash-Genres, das Dew-Scented in Deutschland nachhaltig mitgeprägt haben. Hauptsächlich geprägt vom unnachahmlichen "Gesang" von Leif Jensen, hämmert, wütet und rifft sich der Fünfer gnadenlos in die Gehörgänge. Kompromissloser Thrash Metal mit räudigen Vox und rasiermesserscharfen Riffs dominieren das Album. Allen voran ICE-mäßige Knochenbrecher wie "The fall of man", "Thrown to the lions" oder das krachende, geschwindigkeitsschwankende "A final procession", das äußerst fies rüberknallt. Mit einem satten, vollen Sound ausgestattet, ist "Icarus" ein mörderischer Nackenbrecher!
Interview
20 Jahre ehrlich zu sich selbst
von Jürgen Tschamler (02.07.2012)Dew-Scented gehören zur Speerspitze der deutschen Thrash Metal-Szene und das schon satte 20 Jahre lang. Auf ihrem aktuellen Longplayer "Icarus" fährt man die bewährte Tradition fort - trotz massiver Schwierigkeiten Ende letzten Jahres. Wir klopften b...
WeiterlesenDew-Scented gehören zur Speerspitze der deutschen Thrash Metal-Szene und das schon satte 20 Jahre lang. Auf ihrem aktuellen Longplayer "Icarus" fährt man die bewährte Tradition fort - trotz massiver Schwierigkeiten Ende letzten Jahres. Wir klopften bei Fronter Leif Jensen an, der bereitwillig Auskunft gab: Leif, Ende letzten Jahres haben sich Dew-Scented praktisch neu erfunden. Du bist der einzige, der vom alten Line-Up noch übrig ist. Warum, wieso, weshalb? "Naja, ich könnte es jetzt zusammenfassend beantworten mit ,Es ging nicht anders und war so eh besser für die Band', aber du brauchst sicher mehr Details, oder?! Wir haben auf jeden Fall bereits während der Tour mit Nile Anfang 2011 gemerkt, dass das ,Invocation'-Line-Up zerbröckelt und einige Mitglieder die Band verlassen werden, teils aus persönlichen, teils aus musikalischen Gründen. Während wir dann in einer lange geplanten Live-Pause mit Marvin als neuen Gitarristen/Songwriter anfingen ,Icarus' zu schreiben merkten wir, dass auch der Rest der Jungs nicht mit der richtigen Einstellung am Start ist, also stellten wir uns komplett neu auf und haben jetzt hoffentlich ein musikalisch fokussiertes und menschlich harmonischeres Set-Up. Ich denke, man kann ,Icarus' den Biss und die Frische dieser Veränderungen anhören. Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden mit der jetzigen Situation." Wäre es nicht besser gewesen einen neuen Bandnamen anzunehmen? "Nein, warum auch!? Die musikalische Ausrichtung der Band hat sich ja nicht verändert und ich denke, wir werden der Tradition von Dew-Scented mehr als gerecht und machen sogar einen Schritt weiter in unserer stetigen Entwicklung. Beim vorherigen Line-Up der Band waren ja auch sonst keine Gründungsmitglieder mehr am Start und nur weil andere Leute keine Lust bzw. keine Energie mehr für Dew-Scented aufbringen konnten oder wollten, muss ich ja nicht die Band sein lassen!" Auf dem Album befinden sich einige Gäste u.a. Dan Swanö oder Rob Urbinati. Waren das eher spontane Gastauftritte oder hattest du das vor der Produktion schon geplant? "Es waren Ideen, die während der Produktionsphase entstanden sind, also relativ spontan! Wir hatten auf jeden Fall keine Parts extra für sie komponiert, sondern fanden es interessant, gerade bei der aufgekommenen Umstrukturierung der Band, einige Künstler zum Mitwirken einzuladen, die eine Inspiration für mich bzw. uns darstellen und die auf eine gewissen Art und Weise bereits zum Schaffensweg der Band gehörten. Dew-Scented hat ja 1999 auf "Ill-natured" bereits mal Sacrifice gecovert und Rob gehört zu meinen absoluten Faves unter den Thrash-Shoutern. Bei Dan Swanö ist es so, dass wir bereits 1996 gemeinsam mit seiner Band Edge Of Sanity auf Tour waren und seither mal mehr, mal weniger konstant in Kontakt geblieben sind. Wir sind stolz auf diese Gastauftritte, denn sie erweitern das ,Kollektiv-Gefühl' dieses Albums und geben der Musik eine schicke weitere Färbung, die das Hören hoffentlich interessant gestaltet!" Die Band feiert dieses Jahr eigentlich 20-Jähriges. Was ist das heutzutage für ein Gefühl 20 Jahre zurückblicken zu können und immer seinen Roots treu geblieben zu sein? "Das erfüllt mich schon irgendwie mit viel Stolz und Genugtuung! Ich hätte mir auch nie träumen lassen, dass Dew-Scented mich so einen langen Teil des Lebens begleiten würden und habe mich auch nie wirklich nostalgisch mit Jubiläumsterminen auseinandergesetzt. Aber wow, 20 Jahre seit der ersten Dew-Scented-Probe und 10 Jahre seit dem ,Inwards'-Album...die Zeit vergeht scheinbar doch sehr schnell, wenn man Spaß hat! Es war ja kein leichter Ritt bis hierher, aber ich denke, die Ausdauer und vor allem die Ehrlichkeit zu uns selbst hat uns in all den Jahren immer wieder den Weg aufs Neue geebnet."
Steilvorlagen am Fließband
von Björn Thorsten Jaschinski (24.03.2010)Nach erneuten Besetzungswechseln im eigenen Lager, wollten die niedersächsischen Thrash-Könige ihr neustes Pfund "Invocation" ganz ohne Gastmusiker wuchten. Dew-Scented haben es trotz ihrer perfekten Vernetzung in der Szene nach 15 Jahren voller star...
WeiterlesenNach erneuten Besetzungswechseln im eigenen Lager, wollten die niedersächsischen Thrash-Könige ihr neustes Pfund "Invocation" ganz ohne Gastmusiker wuchten. Dew-Scented haben es trotz ihrer perfekten Vernetzung in der Szene nach 15 Jahren voller starker Album-Veröffentlichungen auch nicht nötig, mit fremden Lorbeeren hausieren zu gehen.
Frei nach dem Motto "Rock 'n' Roll war mal", nötigt das einzig übriggebliebene Gründungsmitglied den Interviewer um 9:00 Uhr morgens ans Telefon. Merke: Wer Pflichtbewusstsein und Kreativität unter einen Hut bringen kann, der schläft abends besser.
"Ich kann auf Knopfdruck kreativ sein und dieser Knopfdruck ist mit Zeitdruck verbunden. Ich glaube, das geht den meisten so, die mit Musik zu tun haben. Man kommt dann mehr auf den Punkt und das tut der Sache gut", lacht Leif Jensen, der ehrlich zugibt, dass er nur anständig brüllen, aber gar nicht richtig singen kann. "In der Band reagiere ich nur, weil ich die Musik nicht schreibe. Insofern bin ich auf eine Steilvorlage angewiesen und dann lässt es sich sehr leicht texten". Genau von diesen Steilvorlagen hat er für den Metal Blade-Einstand reichlich bekommen - neben den zwölf regulären Songs und einem Strauß an Coverversionen von DRI, Genocide Superstar und Powermad als Bonus für das Digipak und Japan sind sogar noch weitere Kompositionen, möglicherweise heiliges Vinyl, übrig geblieben. "Bei mir steht nie ein Text, zu dem wir dann einen Song schreiben, so wie man es vielleicht im Pop-Bereich macht. Die Phonetik ist teilweise auch wichtiger als das einzelne Wort. Wenn der Song gut ist, dann ist den Fans auch der Text egal. Auch wenn ich das jetzt nicht unbedingt gutheißen will. Das ist wie beim Fußball: Wenn Du ein hässliches Spiel 1:0 entscheidest, hast du trotzdem gewonnen." So knapp ist der Vorsprung von "Invocation" nicht - das Album nimmt nicht nur in der Bandgeschichte eine herausragende Stellung ein. Während andere Musiker immer einen großen Aufstand darum machen, wie "total persönlich" ihre Texte sind, hat Leif stärker darauf geachtet, andere Perspektiven einzunehmen. Gemeinsamer Nenner vieler Texte ist aber dennoch Gesellschaftskritik. "Wobei ich denke, dass ich da durchaus in derselben Falle sitze, wie andere Leute auch. Bei ,Slaves of consent' geht es zum Beispiel darum, dass wir eine zustimmende, nickende Gesellschaft sind. Wir setzen uns gerne in kleiner Runde zusammen und reden darüber, was alles scheiße ist und was man anders machen würde - laufen aber in der Schlange mit, in der es schneller vorwärts geht. Ich würde nicht sagen, dass das typisch Deutsch ist, aber es passiert hier eher, als in vielen anderen Ländern. Zivilisation bedeutet ja nicht immer, dass es in die richtige Richtung geht. Was ich kritisieren möchte ist, dass wir oft den vermeintlich einfacheren Weg gehen, statt dem Urinstinkt oder dem eigenen Herzen zu folgen." Worte, die zeigen, dass Leifs Herz im Gegensatz zu dem auf dem letzten Artwork ("Incinerate", 2007) noch nicht verkohlt ist.
One step ahead
von Jürgen Tschamler (01.07.2005)Bei Deutschlands Vorzeige-Thrashern Dew-Scented steht mit "Issue VI" ein neues Album an, das sechste eben, wie der Titel schon andeutet. Die Band um Höllenshouter Leif Jensen hat wiederum ein edles Stück härtesten Stahls abgeliefert, das Thrashfans i...
WeiterlesenBei Deutschlands Vorzeige-Thrashern Dew-Scented steht mit "Issue VI" ein neues Album an, das sechste eben, wie der Titel schon andeutet. Die Band um Höllenshouter Leif Jensen hat wiederum ein edles Stück härtesten Stahls abgeliefert, das Thrashfans in jeder Minute zufrieden stellen wird. Eines fällt allerdings auf, man gibt den Kritikern die Dew-Scented immer wieder mit Slayer verglichen haben, weniger Angriffsfläche, da man auf "Issue VI" nicht mehr so offensichtlich nach den Masters of Thrash klingt. Wie auch immer, Dew-Scented sind dem Rest der Szene wieder ein Stück voraus mit diesem Album. Wir läuteten bei Leif Jensen an, der gerade eine knackig kalte Flasche Bier geköpft hat, um sich vom Interviewmarathon des laufenden Tages etwas zu erholen.Leif, bei Dew-Scented hat es parallel zu den Aufnahmen zum neuen Album Verschiebungen im Line up gegeben. Klär uns bitte mal auf!
"Alexander Pahl (B) von Obscenity ist nun ein echtes Bandmitglied. Er war ja bei uns eher ersatzmäßig schon seit 2002 tätig und hat auch schon auf "Impact" gespielt. Nach der Hälfte der Aufnahmen haben wir uns von Florian Müller (G) getrennt, der seit der zweiten Platte "Innoscent" bei uns war. Es hat einfach zusammen nicht mehr so gut geschmeckt und wir waren der Meinung, dass die Band in einer neuen Struktur besser funktionieren würde. Mit Marvin Vriesde (Blo.Torch, Severe Torture) haben wir wieder einen alten Bekannten in die Band geholt. Soweit ist die Line up Kiste auch gelöst."
Nach mehreren Durchgängen komme ich zu dem Schluß, dass die früher angebrachten Slayer Vergleiche bei "Issue VI" nicht mehr so schwerwiegend sind. Habt ihr bewusst darauf hingearbeitet, dass dieser Vergleich nun nicht mehr so treffend ist?
"Schön dass du das so siehst. Aber wir hören genauso viel oder wenig Slayer auf dem Album wie schon bei den Alben davor. Es ist eben Thrash Metal und da sind die Spielräume begrenzt. Wir haben nur Geschwindigkeitsmäßig mehr variiert, ohne zu sehr darauf fixiert zu sein, einfach nur eine schnelle Platte zu machen."
Ihr habt mit "Evil dead" eine Coverversion von Zeke auf dem Album. Eine ungewöhnliche Wahl muss ich sagen, denn Zeke sind nicht gerade sehr populär und in Metalkreisen eine relativ unbekannte Band!
"Stimmt. Wir stehen einfach auf die Band. Sie sind das dreckigste und coolste was es im Punk gibt. Sie bewegen sich teilweise ziemlich nah am Metal und sind von Motörhead eben auch noch sehr, sehr beeinflusst. Ein Track der eigentlich ganz in der Tradition unserer früheren Coversongs steht. Das kam aus einer Bierlaune heraus und hätte eigentlich nur der Bonustrack sein sollen. Aber er hat uns letztendlich so gefallen, dass wir ihn als letzten Track auf das Album mit draufgepackt haben."
Auch ihr lasst euch bei der Erstauflage des Albums nicht lumpen und packt eine DVD mit dazu. Was befindet sich auf der DVD?
"Eine Menge Bands veröffentlichen DVDs die keine Sau braucht und greifen dafür knapp 20 Euro ab. Wir haben uns gedacht, wir durchstöbern unsere Archive und Sammlungen und haben so 17 Songs von verschiedenen Shows und Festivals zusammengetragen, die sich Qualitativ hören und sehen lassen können. Es sind knapp eineinhalb Stunden Material zusammengekommen, die recht gut vermitteln was wir live so anstellen."
Wie sieht es an der Live Front für den Rest des Jahres bei Dew-Scented aus?
"Erst einmal ein paar Wochenendgigs um die neue Platte zu promoten, dann Festivals und ein Zweiwochen-Trip nach Japan steht an. Dann geht es auf eine Tour in die USA, wahrscheinlich mit Vader, weil wir bisher dort immer nur vereinzelte Festival Shows gespielt haben. Für Europa haben wir auch einige Offerten vorliegen, wobei wir uns noch nicht entschieden haben. Es geht noch eine Menge dieses Jahr."