Vor Tourbeginn!
von Peter Sight (22.01.2013)Die Tour startet, nachdem du sie aufgrund eines Mountain Bike-Unfalls verschieben musstest. Kannst Du kurz schildern, was genau die Verletzung war und was der aktuelle Stand ist?
"Die eigentliche Verletzung zog ich mir schon vor 2 Jahren bei einem M...
WeiterlesenDie Tour startet, nachdem du sie aufgrund eines Mountain Bike-Unfalls verschieben musstest. Kannst Du kurz schildern, was genau die Verletzung war und was der aktuelle Stand ist?
"Die eigentliche Verletzung zog ich mir schon vor 2 Jahren bei einem Mountainbike-Unfall zu. Ich brach mir den Unterarm mehrfach, dazu 2 Rippen, ich prellte mir die Schulter, zog mir ein paar unschöne Kopfverletzungen zu und biss mir ein paar Zähne kaputt. Der Kieferorthopäde freute sich und im Unterarm wurden mir sechs Schrauben und eine Metallplatte eingesetzt. In den letzten Monaten machte mir der Arm unter Belastung Probleme, ich hatte Schmerzen und Taubheitsgefühle in den Fingern. Erst habe ich die Symptome erfolgreich ignoriert, während der Proben und den Aufnahmen zu "W III", aber dann wurde es immer schlimmer, so schlimm, dass ich die Notbremse ziehen musste und mich unters Messer begab. Seit der OP habe ich keine Schmerzen und vor allem keine tauben Fingerkuppen mehr. Bis zum Tourstart bin ich wieder ganz der Alte."
Das Album "III" ging direkt auf Platz 2 der Charts! Inwieweit ist dir ein solcher Erfolg wichtig? Es gibt ja genügend Bands, die keine Chartplatzierungen vorzuweisen haben und dennoch eine sehr treue Fanbase haben, auf die sie blicken.
"Die meisten Bands, die ich liebe, haben keine Charterfolge vorzuweisen. Ich würde mich also auch ohne Top100-Platzierung in guter Gesellschaft befinden. Aus rein künstlerischer Sicht betrachte ich Chartplatzierungen als keinen maßgeblichen Indikator und schon gar nicht als Qualitätsmerkmal. Trotzdem müsste ich lügen, würde ich behaupten, Charts wären mir egal. Egal wie Indie oder Anti, ich kenne keine Band, keinen Künstler die/der sich nicht darüber freuen würde, ein Album in den Top Ten seines Landes zu haben. 'III' war unter kommerziellen Aspekten kein einfaches Album, der 2. Platz eine echte Überraschung und deshalb besonders wertvoll."
Täuscht der Eindruck oder hast du nach der versöhnlichen "Autonomie" mit "III" wieder auf Angriffsmodus umgeschaltet? Bist du wieder mehr auf Krawall gebürstet?
"Ich fand ,Autonomie' gar nicht so versöhnlich, experimentell ja, aber versöhnlich? ,Fleisch' oder ,Machsmaulauf' sind keine Lovesongs. Ich ordne meine Lieder weder in Kategorien ein, noch denke ich beim Schreiben über ihren Härtegrad nach. Das ,III' rougher und organischer klingt, gebe ich gerne zu."
Auf deiner Releaseparty waren u.a. Sammy von den Broilers und Micha von In Extremo zu Gast. Wie kam denn das zustande? Ist da eine Allianz für deutschsprachigen Rock in Sicht?
"Von einer Allianz möchte ich jetzt nicht sprechen, aber man schätzt sich und trinkt eben gerne ein Bier zusammen. Ich habe mich über ihren Besuch jedenfalls tierisch gefreut."
Hast du Lust, deinen Horizont künftig noch ein bisschen zu erweitern und noch mal mit anderen Künstlern etwas zusammen zu machen?
"Natürlich! Mit wem ich gerne an was arbeiten möchte, behalte ich aber noch für mich."
Du engagierst dich weiterhin gegen Rechts. Wie sieht dein Engagement im Moment aus und warum kannst gerade du da was erreichen?
"Mein Engagement in dieser Richtung beschränkt sich zurzeit auf Patenschaften für Schulen ohne Rassismus. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, zukünftig auch in anderen Anti-Rassismus-Projekten aktiv zu werden. Ob ein solches Engagement erfolgreich sein kann, muss die Zukunft zeigen. Ich habe nicht vor, mit erhobenem Zeigefinger den Weltverbesserer raushängen zu lassen. Wenn ich anhand meines Beispiels und meinen Erfahrungen zum Nachdenken anregen kann, will ich das gerne tun."
Was können die Fans auf deiner Tor erwarten? Und warum keine Onkelz-Songs?
"Das Beste aus drei Der W-Alben und eine hochmotivierte Band. Warum ich keine Onkelz-Songs spiele? Weil ich finde, dass sie bis auf ,Regen' den Onkelz gehören und ich sie nur von Gonzo, Pe, Kevin und mir hören möchte."
Durch Aussagen der einzelnen Onkelz - auch von dir - bekommt man den Eindruck, dass der Abwehrwall gegen ein Comeback bei euch bröckelt. Was müsste passieren, dass es noch Neues oder Altes von den Onkelz gibt?
"Ich glaube, darüber wurde genug geredet und spekuliert. Ich weiß nicht, ob sich die Onkelz einen Gefallen täten noch einmal zurückzukommen. Es ist viel Porzellan zerschlagen worden und klar bestünde ein gewisser Reiz darin, das zu korrigieren, allein schon Kevin zu liebe. Mir persönlich fehlt die Sensibilität eines Teils der Band im Umgang mit ihrem Erbe. Ein wenig mehr Achtung, Bedauern und Feinfühligkeit würde manchem gut zu Gesicht stehen. Mein Wertesystem und das vieler Fans, erwarten solche Signale. Solange ich die nicht in ausreichendem Maße empfange, verschwende ich keinen Gedanken an was auch immer."
Freunde fürs Leben
von Markus Wosgien (17.09.2012)Stephan Weidner ließ im Vorfeld der neuen, mittlerweile dritten Scheibe von Der W - treffend mit "Der W III" betitelt - einige Superlative fallen und setzt die Meßlatte entsprechend hoch an. Etwas Großes soll es werden, abermals brisant, mutig und in...
WeiterlesenStephan Weidner ließ im Vorfeld der neuen, mittlerweile dritten Scheibe von Der W - treffend mit "Der W III" betitelt - einige Superlative fallen und setzt die Meßlatte entsprechend hoch an. Etwas Großes soll es werden, abermals brisant, mutig und innovativ. Wo Der W drinsteckt, ist der Wahnsinn nicht weit. Lest hier das ausführliche, ungekürzte Gespräch mit dem Chefdenker.
EMP: Ihr habt unter 26 neuen Tracks eure 12 Favoriten ausgewählt und verkündet: 12 Killer, no filler. War es schwer am Tag X den Deckel draufzumachen und zu sagen: "Fertig, das isses"?
Stephan Weidner: "Angefangen haben wir mit etwas über 50 Songfragmenten, Demos, Riffs und guten Ideen. Aus denen haben wir 26 Tracks generiert und aufgenommen. 15 kamen ins Finale und da wird bekanntermaßen die Luft dünn. Es fiel uns verdammt schwer, die 12 zu benennen, die es dann auf ,Der W III' geschafft haben."
EMP: Ihr habt eure Fans von Beginn an durch zahlreiche Folgen von W-TV sowie der W-Radioshow an der Entstehung und euren Gedanken teilhaben lassen. Liebt ihr schlichtweg den Umgang mit den neuen Medien bzw. legt ihr Wert darauf, dass die Fans ihre Infos aus erster Hand bekommen?
SW: "Der Umgang mit den neuen Medien, in erster Linie mit der eigenen Webpage, war schon zu Onkelz-Zeiten die Kommunikationsplattform für mich schlechthin. Für Der W ist der eigene Webauftritt vielleicht noch unverzichtbarer. Ich habe nach wie vor nicht die Möglichkeit, mich großartig anderer Medien bedienen zu können. Das Stigma ,Onkelz' (ich trage es gerne und voller Stolz), öffnet leider immer noch keine Türen. Das ist einerseits schade, auf der anderen Seite bringt es mich nicht in die Verlegenheit, mit der Verblödungsindustrie Händchen zu halten. Die Möglichkeiten, die das Netz bietet, versuche ich natürlich so gut es geht zu nutzen. Bei allen Vorzügen empfinde ich die neuen Medien irgendwie als Fluch und Segen zugleich. Sie bieten mir zwar unverzichtbare Kommunikationswege, öffnen aber auch jeglicher Form von Spam und frustriertem Geblogge die Tür."
EMP: Das Wir-Gefühl schimmert an vielen Stellen gravierend durch; wie viel Freiraum gönnst du deinen Mitmusikern beim Komponieren bzw. wie wichtig ist dir ihr Input und deren Vision bei einzelnen Tracks?
SW: "Es wäre ja sträflich von mir gewesen, das kreative Potenzial meiner Mitmusiker nicht auszuschöpfen und nur mein Ding durchziehen zu wollen. So eine Gelegenheit lässt man nicht einfach am Straßenrand stehen. Versteht mich nicht falsch, hier ist immer noch Der W am Start, und das nicht zu knapp, aber mit Musikern die mich inspirieren und beflügeln und das nicht nur musikalisch. Ihre Meinung und Input ist gewünscht hat Gewicht. Wir diskutieren viel über Songstrukturen, Arrangements, Spielweise und Sound. Jedes Bandmitglied hat mindestens einen Song auf diesem Album geschrieben. Also Maximum Freiraum von meiner Seite."
EMP: Du bist das Gesicht und das Aushängeschild bei Der W. Ist die Band eine Art demokratische Diktatur? Sprich, ihr arbeitet die Songs gemeinsam aus, aber das letzte Wort hast du?
SW: "So in etwa. Die Jungs haben damit glücklicherweise kein Problem. Trotz dieser Tatsache, treffen wir Entscheidungen gemeinsam. Nur wenn wir gar keinen gemeinsamen Nenner fänden, zöge ich diesen Trumpf."
EMP: Zwischen euren ersten beiden Alben gab es gravierende Unterschiede und ihr seid mutig neue Wege gegangen. Wie beschreibst du die Entwicklung und den Schritt zur neuen CD?
SW: "Der wichtigste Schritt war der hin zur Band. Einer Band, die in den letzten Jahren durch 3 Tourneen und lange Studio-Sessions zu einer Einheit zusammengewachsen ist und ihren eigenen Sound gefunden hat. Glaubt mir, wer wochenlang in Nightlinern, muffigen Backstage-Räumen und stressigen, ewig lang erscheinenden Studio-Sessions miteinander auskommt, der hat Freunde fürs Leben gefunden. Ich habe nicht mehr das Gefühl, ein Solo-Künstler zu sein. Das sagt alles."
EMP: Musikalisch schränkt ihr euch nicht ein und geht stets innovative, unvorhersehbare und mutige, neue Wege. Nummer sicher gibt es nicht. Ist das der Ausdruck eurer musikalischen Freiheit?
SW: "Ja sicher. Ich muss euch aber warnen. Das Album ist keine leicht verdauliche Kost, liegt aber auch nicht allzu schwer im Magen. Wir schielen nicht auf Charts und nicht auf Radiotauglichkeit. Es gibt keine Elektronik und keine Experimente. Wir machen einfach unsere eigene Schublade auf. Wir machen das, was ich von jedem Künstler erwarte: Wir gehen nicht auf Nummer sicher, legen keinen Wert auf Trends, wollen es keinem Recht machen, nur uns selbst. Wir gehen damit bewusst ein Risiko ein, auch auf die Gefahr hin, dass wir den eigenen Fans vor den Kopf stoßen könnten."
EMP: Euer Zitat "Wir rocken uns von der Seele was raus muss" trifft sowohl den Stilmix, also auch die emotionalen Texte sehr gut. Ist "Der W III" im gewissen Sinne eine Art Eigentherapie?
SW: "Eines vorweg, ich bin weder depressiv, traurig noch bemitleide ich mich selbst, auch wenn man beim Hören von ,Der W III' einen anderen Eindruck bekommen könnte. Ich mag es einfach, wenn mich ein Text traurig macht und seine Tiefe mich berührt. Wenn ich durch die Arbeit an einem Text verletzlich, besonders sensibel, mitfühlend oder melancholisch werde. In der realen Welt bin ich oft das Gegenteil. Der Prozess des Schreibens hilft mir, meine Gedanken zu sortieren und zu ordnen. Ich lerne mich selbst und die Menschen um mich herum dadurch besser kennen. Das Texten befreit mich von meinem Gedankenmüll. Das Schreiben und die damit verbundene Reflektion haben eine reinigende Wirkung. Am Ende fühlt es sich an, als hätte mein Gehirn gefastet."
EMP: In vielen Vorab-Statements geht ihr auf Konfrontationskurs. Ihre sprecht vom "sich selbst kopierendem Deutschrocktümpel" und der Track "Kampf der Kopien" lässt auf die entsprechende Thematik schließen. Was brennt dir dabei besonders auf der Seele?
SW: "Deutschrock oder Rock mit deutschen Texten ist für mich im Ansatz total okay und wichtig als härteres Gegenstück zum ,Wischi Waschi-Pop Punk und der an Arroganz nicht zu überbietenden Alternative-Szene. Die Onkelz haben diesem Genre den Weg bereitet und lange dafür kämpfen müssen, diesen Sound zu etablieren. Es ehrt mich und die Onkelz, für viele in dieser Szene, Motivation und Inspiration gewesen zu sein. Ich habe auch überhaupt kein Problem mit Onkelz-Coverbands. Wenn Leute mit unseren Songs immer noch Spaß haben und damit das Erbe der Onkelz pflegen, ist das nur begrüßenswert. Der Deutschrock, den ich kritisiere, ist mir eine Spur zu Deutsch und scheint aus der Historie der Onkelz nichts gelernt zu haben. Im Gegenteil, er orientiert sich ausschließlich an der Frühphase der Onkelz, ist extrem stumpf und prollig und lockt das entsprechende Klientel an. Ich will jetzt aber gar nicht so auf der Politschiene rumreiten. Meine Kritik richtet sich genauso an die Bands, die sich so offensichtlich und dreist bei den Onkelz bedienen, dass sie fast schon Urheberrechte verletzen. Und schlimmer noch, die versuchen die komplette Geschichte der Onkelz noch einmal zu schreiben. Sie adaptieren, kopieren und klauen so auffällig, das ich mich frage, wie groß die Verzweiflung nach einem Onkelz-Nachfolger, wie groß das Loch, das die Onkelz hinterlassen haben, wohl sein muss, dass billige Kopien so abgefeiert werden? Das sind ja alles nette Jungs, die hoffentlich Kritik abkönnen und meine Worte zum Anlass nehmen, schnellsten ihren eigenen Stil zu entwickeln und den zu kultivieren. Ich kritisiere in erster Linie also Einfallslosigkeit und mangelnde Eigenständigkeit. Mir fehlt die Substanz und ich beobachte ganz viel aufgesetztes Härtnertum. Das, was bei den Onkelz noch echt, gelebt und nicht vorhersehbar war, wirkt an der Speerspitze der Szene gestellt, gewollt und geforced. Es wirkt gemanagt und geplant und wird jetzt sogar monopolisiert. Das alles muss ich nicht gut finden, ich will aber auch keinen Kreuzzug daraus machen. Deutschrock ist für mich nicht per se Scheiße und ich will auf keinen Fall alle Bands dieses Genres über einen Kamm scheren, denn es gibt auch richtig gute. Aber wem der Schuh passt, der soll ihn sich anziehen. Ach ja, und aus eigener Erfahrung weiß ich noch, wie wichtig, manch einem ein Feindbild ist. Ein gemeinsamer Feind schweißt Band und Fans noch mehr zusammen. Vielleicht hat meine Kritik dann doch noch etwas Gutes und ich diene dem Plagiat auf seinem Weg zur Spitze. Der Thron ist allerdings besetzt."
EMP: Den Song "Kafkas Träume" beschreibst du als "schwer und dunkel"; ebenso besitzt er etwas Fesselndes, Mystisches und sehr Persönliches. Was war dabei deine Initialzündung?
SW: "Da gab es diese Zeile in meinem Kopf: ,Mit müdem Mund, Wörter bastelnd, ich rede ohne die Zunge zu bewegen'. Die Intensität dieses Satzes beflügelte mich, meinen vielleicht besten Text auf dem Album zu schreiben. Ich erwähnte ja schon, dass ich diese Momente, diese tiefe Niedergeschlagenheit und Traurigkeit sehr inspirierend finde. Der Text ist natürlich sehr persönlich, aber ebenso inspiriert von geliebten Menschen. Und es ist ja nicht so, dass ich das Leben nur vom Hörensagen kenne. Trauer, Schmerz, Krankheit und Tod sind meine ständigen Begleiter. Der Refrain macht den Song versöhnlich und bietet die Option, sich irgendwann losgelöst und frei zu fühlen."
EMP: Grundsätzlich scheinen die Texte unheimlich persönlich zu sein, allerdings intellektuell verpackt und mit vielen Metaphern versehen. Du scheinst es förmlich auszukosten, solch grandiose Schöpfungen wie "Mordballaden" zu kreieren. Was sind deine Motivation oder dein Antrieb dabei?
SW: "Ich liebe einfach Worte! Ihre Schönheit genauso wie ihre Brutalität. Sie können dich schlimmer verletzen als jede Waffe, dir schmeicheln oder helfen. Sie haben eine wahnsinnige Kraft. Und ich liebe ganz besonders die, die mir neu sind, die jungfräulichen und natürlichen, die eigenen Wortschöpfungen."
EMP: Welchen persönlichen Stellenwert würdest du "Der W III" momentan, in Bezug auf deine gesamte Karriere einräumen?
SW: "Einen sehr hohen. Ich habe das späte und unerwartete Glück, Menschen getroffen zu haben, die mit mir auf einer Wellenlänge liegen und zu Freunden geworden sind. Männer, die wie ich, für die Musik leben und von ihr besessen sind. Mit 49 Jahren bekomme ich das Gefühl zurück, wieder in einer wirklichen Band zu spielen. Ich will wieder Songs teilen, im Proberaum mit Freunden Bier trinken und mit meinen Buddies jammen und abhängen. Besser geht's doch nicht. Dementsprechend ist dieses Album sowohl für mich, als auch für die Band schon jetzt ein Erfolg."
von (20.10.2010)Ende des Jahres erscheint mit "Autonomie!" das zweite Album von Stephan Weidner, der sich solo DER W nennt und auch weiterhin nicht daran interessiert ist, kleine Brötchen zu backen. So hat der ex-Onkel nicht nur vor, auf dem kommenden Album "die Ess...
WeiterlesenEnde des Jahres erscheint mit "Autonomie!" das zweite Album von Stephan Weidner, der sich solo DER W nennt und auch weiterhin nicht daran interessiert ist, kleine Brötchen zu backen. So hat der ex-Onkel nicht nur vor, auf dem kommenden Album "die Essenz meines Könnens" zu präsentieren, sondern hat sich für seine im kommenden Frühjahr stattfindende Tour die legendäre Westfalenhalle in Dortmund buchen lassen.
Stephan, was wird das Besondere an der Show in der Westfalenhalle sein?
Also erstmal hoffe ich natürlich, dass die Schüssel schön voll ist und die Atmosphäre wieder so unvergleichlich wird, wie ich es nur aus der Westfalenhalle kenne. Das wollen und werden wir dann im Rahmen einer DVD-Produktion hoffentlich einfangen können. Das wird ein außergewöhnlicher Abend, auf den ich mich schon sehr freue.
Außer der Dortmund-Show stehen noch 27 weitere Konzerte auf deinem Tourplan 2011. Was erwartest du dir denn?
Ich erwarte nichts weniger, als dass es nochmal eine fette Steigerung zum letzten Mal wird. Ha, ha... Aber Spaß beiseite. Bei aller Bescheidenheit stimmt das sogar, auch wenn es 2009 schön überwältigend war, was ich mit den Leuten auf einer durchgängig ausverkauften Tour teilen durfte. Dieses Mal erwarte ich aber noch ein bisschen mehr, weil wir diesmal ein Album mehr im Gepäck haben und nicht mehr jeden Song spielen müssen, den wir im Repertoire haben. Das wird die Shows noch intensiver werden lassen. Und wenn es mit dem Vorverkauf so weiter geht, wird es auch diesmal wieder überall schön voll, eng und schwitzig.
Was hat es dir bedeutet, dass ein prominenter Musiker wie Mikkey Dee wieder etwas zu deinem Album beigesteuert hat?
Nachdem ich die Tour mit Motörhead und vor allem deren positives Feedback auf unsere Musik, Performance und meine Person schon als eine Art Ritterschlag empfand, setzt das dem Ganzen die Krone auf. Klar bin ich stolz darauf, dass Mikkey den Weg nach Frankfurt fand und sich auf ,Autonomie!' verewigt hat. Dabei ging es mir weniger um dessen Prominenz, sondern darum, dass ich vor Mickey Dee und Motörhead den Hut ziehe und es kaum eine Band gibt, die ich mehr respektiere.
Warum wird deine neue Platte anders und besser als der Vorgänger?
Weil ich das wollte, haha. Nein, wer sagt denn, dass sie besser wird? Es ist mir schon fast peinlich, diese Art Fragen zu beantworten, ist die Antwort doch immer die gleiche. Ich kann nur warnen, kauft das Ding nicht. Ist viel zu abwechslungsreich, zu lang, zu soft, zu hart, zu assi, zu klug, zu groß, zu viele Gitarren, Trompeten, Gäste und viel zu teuer!
Stillstand bedeutet bekanntlich Rückschritt, aber nach 30 Jahren Karriere kann es ja eigentlich nicht immer und immer wieder was Neues, Besseres, Erfolgreicheres geben. Oder?
Warum nicht? Aber darum geht es mir eigentlich auch gar nicht. Es geht nur um Emotionen. Meine, die meiner Band und die derer, die sich unsere Musik am Ende in die Ohren stecken.
Auch auf die Gefahr hin doch noch 5 Euro ins Phrasenschwein werfen zu müssen: Ich liebe dieses Album und noch mehr den ganzen Entstehungsprozess. Ich durfte mit großartigen Musikern und Menschen spielen, komponieren und viel ausprobieren. Ich habe während dieser Produktion eine Menge gelernt und meinen musikalischen Horizont weiter verschoben. Da ist richtig was zusammengewachsen und dementsprechend organisch klingt dieses Album. Vielleicht ist das der große Unterschied zum Vorgänger: Das Organische, Lebendige und die Freude darüber, wieder in einem Bandgefüge kreativ sein zu dürfen. Ob das letztendlich genügt, kommerziell erfolgreich zu sein, entscheidet der Hörer und das ist auch okay so. Ich lehne mich mit der Gewissheit, das Beste gegeben zu haben, entspannt zurück und harre der Dinge, die da kommen.