Death Angel
Götterdämmerung hinterm Duschvorhang
von: Patrick Schmidt
vom: 20 April 2004
Unglaublich, aber wahr! Seit Death Angels letztem Meisterwerk "Act
III" sind satte 14 Jahre ins Land gezogen. Zwar unterhielten die einzelnen
B...
Death Angel
Götterdämmerung hinterm Duschvorhang
von: Patrick Schmidt
vom: 20 April 2004
Unglaublich, aber wahr! Seit Death Angels letztem Meisterwerk "Act
III" sind satte 14 Jahre ins Land gezogen. Zwar unterhielten die einzelnen
Bandmitglieder in der Zwischenzeit Projekte wie Swarm oder The Organization,
aber an die große Klasse von Death Angel reichten sie allesamt nicht
heran. Die San Francisco-Philippinos haben Metal-Geschichte geschrieben, und
es tut gut zu wissen, dass sie sich nun mit "The art of dying" zurückmelden.
Der vierte Longplayer der Todesengel hat alles, was ein gutes Metal-Album braucht:
Härte, Power, Melodie und Abwechslungsreichtum! Eben typisch Death Angel.
Wir unterhielten uns mit Gitarrero Rob Cavestany, der noch immer
von der Ende 2003 abgelaufenen Headliner-Tour mit Disbelief, Darkane,
Mnemic und Mystic Prophecy schwärmt.
"Wir hatten eine großartige Zeit mit allen Bands. Es war unsere erste Headliner-Tour
seit 1990, und was soll ich sagen, die Leute haben Death Angel scheinbar
noch nicht vergessen. Jeden Abend haben wir unsere klassischen Songs gespielt
und das Publikum ist ausgetickt; einfach nur geil. Leider war die Tour auch
eine Tour der Leiden, denn so ziemlich alle Beteiligten ereilte entweder die
Magen-Darm-Grippe oder eine fette Erkältung. Mich hat's in der letzten Tour-Woche
erwischt, aber sobald ich auf der Bühne stand und die Begeisterung spürte, die
mir aus der Menge entgegenschlug, war ich geheilt."
Die neuen Songs, allen voran "Five steps of freedom", sind live gut
angekommen. Bist du nervös gewesen, als ihr das neue Material erstmals dem europäischen
Publikum präsentiert habt?
"Natürlich haben wir uns vorher Gedanken gemacht, ob unsere Fans die neuen
Songs auch annehmen. Aber sobald die ersten Takte aus der PA krachten, waren
wir völlig in der Musik drin und die Nervosität war verflogen. Die Reaktionen
waren so überwältigend, dass wir schnell an Selbstvertrauen gewannen und gleichzeitig
wussten, dass sich die neuen Songs gut in das Set einfügen können."
Direkt nach den Shows seid ihr meistens im Tourbus verschwunden und habt
an den neuen Songs gearbeitet. Sind Death Angel keine Party-Animals?
"Es war das erste Mal in unserer Karriere, dass wir während einer Tour an neuen
Songs gearbeitet haben, weil wir die Kreativität nutzen wollten. Es hatten sich
viele Ideen angesammelt, und wir wollten bereits im Dezember ins Studio. Party
machen ist eine coole Sache, aber wenn du wochenlang auf Tour bist, musst du
mit deinen Kräften haushalten. Zudem wollten wir auf dieser Tour auch abseits
der Bühne produktiv sein. Die Umgebung eines fremden Landes und der Umstand,
dass man weit von zu Hause und von seinen Liebsten entfernt ist, können unheimlich
inspirierend sein."
Während eure Kumpels von Exodus mit "Tempo of the damned"
einen wahren old school-Brocken rausgehauen haben, setzt ihr mit "The art
of dying" mehr auf experimentelle Freiheit, ein Umstand, der Death Angel
schon immer ausgezeichnet hat.
"Ich denke, wir sind die progressivste Thrash-Band, die jemals aus der San
Francisco-Bay Area entsprungen ist. Der Musikgeschmack der einzelnen Bandmitglieder
ist unheimlich breit gefächert, und das hat sich schon immer auf unsere Musik
ausgewirkt. Jedes Album, das wir nach 'The ultra-violence' aufgenommen haben,
hatte stets Unerwartetes zu bieten. Es ist ein Trademark von uns, immer wieder
mit etwas Neuem anzukommen. Als ich das fertige Album das erste Mal hörte, wusste
ich, dass 'The art of dying' den traditionellen Death Angel-Weg
fortführt."
Wie schwer war es, die richtige Balance zu finden zwischen klassischem Thrash-Stoff
und eher experimentellen Songs?
"Nicht sonderlich schwer, das Ganze hat sich sehr natürlich entwickelt. Wir
haben einfach einen Song nach dem anderen geschrieben und jedes Mal kam etwas
anderes dabei heraus. Wir waren selbst überrascht, wie sehr sich die einzelnen
Songs voneinander unterscheiden und trotzdem alle nach Death Angel klingen."
Erstaunlich ist die Tatsache, dass bei Death Angel nicht nur euer
Sänger Mark Osegueda den Lead-Gesang übernimmt, sondern auch Bassist
Dennis Pepa, Drummer Andy Galeon und du selbst komplette Songs
singen. Wurde euch allen das Singen in die Wiege gelegt?
"Jeder einzelne in der Band ist musikalisch sehr begabt, und wir alle sind
mit Musik aufgewachsen. Außerdem singen wir überdurchschnittlich viel unter
der Dusche, haha. Zu unseren Favoriten zählen Bands wie die Beatles,
Queen und Kiss und bei all diesen Bands steht der Gesang im Vordergrund.
Wir mögen mehrstimmigen Harmoniegesang und so hat jeder einzelne im Laufe der
Zeit seinen Gesang weiterentwickelt. Jedes Bandmitglied kann bei Death Angel
seinen eigenen Song bekommen, sofern er was zu sagen hat."
Aber wie sieht's mit eurem neuen Gitarristen Ted Aguilar aus? Er
ist auf dem neuen Album nicht zu hören.
"Ehrlich gesagt, ich habe Ted noch nie singen hören, hahaha. Ich glaube,
das liegt ihm nicht so und vier Lead-Sänger sind wohl genug in einer Band, oder?"
Das stimmt. Dafür soll Ted der größte Death Angel-Fan überhaupt
sein, richtig?
"Ja, das ist richtig, er verfolgt uns quasi seit den ganz frühen Demo-Tagen.
Ich kann mich an keine einzige Show in San Francisco erinnern, wo Ted
nicht zugegen war. Er beherrscht die Songs besser als wir und ist die ideale
Ergänzung an der zweiten Gitarre."
Du selbst bist ein klassischer Lead-Gitarrist und machst jedes Solo zu etwas
ganz Speziellem. Welche Gitarristen bewunderst du am meisten?
"Ich habe einige Favoriten aus verschiedenen Bereichen. Einmal Uli Jon Roth,
er ist mein absoluter Lieblingsgitarrist. Aber auch Matthias Jabs und
Michael Schenker finde ich klasse. In den Anfangstagen spielten auch
Stevie Ray Vaughn und Randy Rhoads eine große Rolle in meinem
Gitarrenleben. Ein guter Song braucht nicht unabdingbar ein Solo, aber bei Death
Angel schon."
Welche Ziele habt ihr noch mit Death Angel?
"Glaub mir, eine Menge! Wir sind wieder richtig heiß und wollen es der ganzen
Welt noch einmal beweisen. Diesmal haben wir mit Nuclear Blast ein Label hinter
uns stehen, das bedingungslos an die Band glaubt. Wir werden immer alles geben,
egal wo, wann und wie wir auftreten. Zu dem Song 'Thicker than blood'
ist ein Video abgedreht worden, wir geben unendlich viele Interviews und es
sind bereits eine Menge Live-Auftritte bestätigt. Es tut sich was und unsere
ganze Energie fokussiert sich momentan nur auf ein Thema: Death Angel!"