EMP Redaktion
von Andreas ReissnauerCradle Of Filth feiern den Beginn einer neuen Epoche und haben ihr eigenes Label AbraCadaver gegründet. Erster Release ist das neue Cradle Of Filth Album, welches jedoch nicht als vollständig neuer Longplayer angesehen werden sollte. Auf der Scheibe befinden sich vier neue Songs, ein Intro, drei ältere, aber neu eingespielte Stücke und eine Coverversion von Sisters Of Mercy ("No time to cry"). Keine Frage, für Fans der Band ist diese CD essenziell, die neuen Songs sind keine Überbleibsel aus anderen Sessions, zumindest klingen sie nicht so, sondern absolute Highlights in typischer Cradle Manier. Auch die Coverversion wurde angemessen umgesetzt. Ob die Neueinspielungen von "Summer dying faster", "Principle of evil made flesh" und "Black goddess rises" unbedingt nötig gewesen sind, sei mal dahingestellt. Auch wenn sich die Stücke von den Originalen unterscheiden bleiben es letztendlich ja die selben Songs. Dennoch: Für Cradle Of Filth Fans stellt die CD aufgrund der neuen Songs einen Pflichtkauf dar!
Interview
Geteiltes Leid ist doppeltes Leid!
von Nicko Emmerich (07.09.2012)Auf nur wenige Black Metal-Formationen ist in ähnlicher Weise Verlass, wie auf die britischen Düsterheimer von Cradle Of Filth: Auch in diesem Jahr kann man sich wieder voll auf Kreischmeister Dani Filth und seine Leute verlassen, die auch diesen Her...
WeiterlesenAuf nur wenige Black Metal-Formationen ist in ähnlicher Weise Verlass, wie auf die britischen Düsterheimer von Cradle Of Filth: Auch in diesem Jahr kann man sich wieder voll auf Kreischmeister Dani Filth und seine Leute verlassen, die auch diesen Herbst wieder mit einem brandneuen Studioalbum verdunkeln! Auf den viel versprechenden Titel "The manticore and other horrors" hört das mittlerweile 10. Werk der längst zur Kultband avancierten Formation aus dem Südosten Englands. Innerhalb von nur acht Wochen haben Cradle Of Filth mit Producer Scott Atkins insgesamt elf neue Songs eingeprügelt; allzu weit musste zumindest Frontmann Dani dafür diesmal nicht fahren - lagen die beiden Aufnahmestudios doch lediglich ein paar Minuten entfernt von seiner kleinen Heimatstadt Ipswich in der britischen Grafschaft Suffolk. "Wir sind diesmal extrem fokussiert vorgegangen", erklärt Mr. Filth höchstpersönlich den Arbeitsprozess am neuen Material. "Paul (Allender) hat sich in dem einen Studio um die Aufnahmen der Gitarren und Martin (Skaroupka) um die von Bass, Keyboard sowie Orchestrierung gekümmert, während ich in einem anderen Studio die Texte eingesungen habe." Einzige Ablenkung während des Entstehungsprozesses: Die zurückliegende Fußball-Europameisterschaft. Wenn auch mit nicht wirklich befriedigenden Ergebnissen. "Wir sind regelmäßig tief enttäuscht von unserer Mannschaft. Doch bekanntlich supporten wir England, da kann man eigentlich nichts anderes erwarten. Es ist immer das Gleiche: Zuerst schlagen wir uns ganz gut, doch in letzter Minute versauen wir uns es selbst. Fast wie das deutsche Team..." Sprichwörtlich "geteiltes Leid", was Fußball und auch was Dark Metal angeht. Diesmal jedoch ohne Stamm-Bassist Dave Pybus, der COF kurz vor Beginn der Recordings auf eigene Entscheidung in Richtung der Industrial Metaller von Prong verlassen hat. "Wir haben das Zeug im Grunde als Trio eingespielt, mit zeitweise Mithilfe unseres neuen Tieftöners", fährt Dani fort. "Trotzdem ist es in meinen Augen ein klassisches Cradle-Album geworden. Und vielleicht sogar noch einen Tick besser! Man kann deutlich diese neue Energie spüren, das frische Blut, welches neu dazu gekommen ist. Alles ist diesmal noch eingängiger, hat aber auf der anderen Seite diese extreme Punk-Power. Fast könnte man beim Hören auf die Idee kommen, es wäre ein Live-Album!" Rein thematisch drehen sich Killersongs wie die erste Single "Frost on her pillow", "For your vulgar delectation" oder "Succomb to this" um Monster, persönliche Dämonen, Chimären, literarische Unholde und die Welt versklavende Fabelwesen, wie man erklärt. "Es gibt diesmal kein festes Konzept, sondern nur eine ganze Horde wild gewordener Schattenkreaturen. Inhaltlich erinnert diese Sammlung von buchstäblichen Horrorgeschichten ein wenig an unser 2000er Album ,Midian' - nur, dass diese Wesen diesmal ziemlich wütend sind und über die Menschen herfallen..."
Cradle meets Klassik
von Nicko Emmerich (13.03.2012)Erst im vergangenen Herbst haben die britischen Black Metaller die ohnehin schon dunkle Jahreszeit mit ihrer Raritätensammlung "Evermore darkly" noch ein wenig mehr verdunkelt, da hexen Cradle Of Filth auch schon den nächsten Longplayer aus dem Ärmel...
WeiterlesenErst im vergangenen Herbst haben die britischen Black Metaller die ohnehin schon dunkle Jahreszeit mit ihrer Raritätensammlung "Evermore darkly" noch ein wenig mehr verdunkelt, da hexen Cradle Of Filth auch schon den nächsten Longplayer aus dem Ärmel: Mit dem lange angekündigten Remake-Album "Midnight in the labyrinth" legen Frontmann Dani Filth und Co. ihre Sammlung symphonischer Versionen großer COF-Hits vor! Von Irrgarten zwar keine Spur, dafür wird's aber umso finsterer: Auf zwei CDs präsentieren sich Frontkreischer Dani Filth, die Gitarristen Paul Allender und James McIlroy, Bassist Dave Pybus sowie Drummer Martin Skaroupka endlich so, wie man die englischen Schauergestalten eigentlich schon immer einmal hören wollte: Rein instrumental, atmosphärisch und in epischem Orchestral-Breitwandsound! Wer die ausufernden Intros und klassischen Miniscores vergangener Longplay-Meisterwerke mochte, der wird "Midnight in the labyrinth" lieben! "Innerhalb der Band haben wir diese Idee schon seit einiger Zeit diskutiert, aber zwischen den Arbeiten zu unseren regulären Alben und den ausgedehnten Touren nie wirklich die Kapazitäten dafür gehabt, sie auch in die Tat umzusetzen. Im Grunde ist es für uns nur ein logischer Schritt, ein reines Instrumentalalbum zu veröffentlichen: Wir alle sind riesige Fans von Soundtrackkomponisten wie Danny Elfman, Jerry Goldsmith oder Hans Zimmer. Und auch unsere Songs waren schon von Anfang an sehr von diesen Größen beeinflusst, sehr bildreich und sehr score-lastig. Während man Cradle Of Filth bisher hauptsächlich nur von der Metal-Seite kannte, konzentrieren wir uns hier auf den zweiten wichtigen Pfeiler unseres Sounds: die Klassik und die Instrumentals." Albträume sind also wieder garantiert. Mit bombastischen Chören, orchestralen Streichern, der Gänsehautstimme von Gothic Metal-Matrone und Erzählerin Sarah Jezebel Deva (Covenant, Therion, Mortiis...) sowie ein paar "ziemlich merkwürdigen Stimm-Noises" von Dani Filth höchstpersönlich laden Cradle Of Filth ein zur Mitternachtsvorstellung zwischen Erwachsenenkopfkino, Horror-Hörspiel und (Folter-)Kammerkonzert Deluxe ein. So befinden sich ausgesuchte Songs der ersten vier Alben wie "A gothic romance (Rred roses for the devil's whore)", "The forest whispers my name", "Dusk and her embrace", "Cruelty brought thee orchids" und das brandneue, knapp 13-minütige Opus "Goetia (Invoking the unclean)", das laut Dani "bizarrste Stück, welches wir jemals aufgenommen haben", in der schauerlichen Tracklist. Ob, wie und wo das Material vielleicht einmal zur Liveaufführung kommt, steht noch in den dunklen Sternen. "Ein guter Bekannter von mir, der ungarische Komponist und Nachfahre der Blutgräfin Elisabeth Báthory, Dennis Báthory-Kitsz, hat kürzlich eine sehr seltsame Oper geschrieben und uns gefragt, ob wir das ,Midnight in the labyrinth'-Material im Zuge dessen in seinem Schloss performen wollen. Doch momentan bin ich völlig mit meinem Nebenprojekt Temple Of The Blood Moon und dem nächsten regulären COF-Album beschäftigt, das voraussichtlich an Halloween erscheint..."
Chronisch im Arbeitswahn!
von Thomas Clausen (14.09.2011)Des Rätsels Lösung - welche Kreativität beflügelnden Stimulanzien sich wohl im Trinkwasser der südost-englischen Grafschaft Suffolk nachweisen lassen - ist bisher zwar noch weitgehend unbeantwortet, fest steht jedoch eines: Angesichts der enormen Ver...
WeiterlesenDes Rätsels Lösung - welche Kreativität beflügelnden Stimulanzien sich wohl im Trinkwasser der südost-englischen Grafschaft Suffolk nachweisen lassen - ist bisher zwar noch weitgehend unbeantwortet, fest steht jedoch eines: Angesichts der enormen Veröffentlichungslust der britischen Dark Metaller von Cradle Of Filth, dürfte sich die Dosis mittlerweile im kritischen Bereich bewegen! Mit steigender Tendenz! "Bäh, Wasser!" schüttelt sich COF-Frontkreischer Dani Filth sichtlich angeekelt bei der Frage nach der Quellenangabe für den fast beunruhigenden Tatendrang im Hause des Schmutzes. "Leitungswasser benutze ich einzig zum Zähneputzen oder zum Spülen auf dem stillen Örtchen. Natürlich würde ich mir buchstäblich den Arsch abfreuen, wenn mein tägliches Geschäft der Schlüssel zum Erfolg wäre. Das könnte tatsächlich einiges erklären..." Wie zum Beispiel das brandneue CD & DVD-Package "Evermore darkly", mit dem die überbeschäftigte Blutsbande die Wartezeit zwischen dem letztjährigen Longplay-Epos "Darkly, darkly venus aversa" und ihrem nächsten Fulltime-Release überbrückt. Düstere Grüße aus der Schattenwelt, in der Chef-Workaholic Dani, die Gitarristen Paul Allender und James McIlroy, Basser Dave Pybus, Drummer Martin Skaroupka sowie Tastenqueen Ashley Ellyllon scheinbar zum ewigen künstlerischen Irrlichtern zwischen metaphorischem Badezimmer und Aufnahmestudio verdammt sind. Mit beeindruckendem Ergebnis: Während sich manch andere Formation nach Feierabend faul auf den Lorbeeren räkelt, legen Cradle Of Filth mit schöner Regelmäßigkeit noch einen drauf. Neben einem Mini-Album mit acht unveröffentlichten Songs, Demos und Remixen enthält "Evermore darkly" eine DVD mit dem vollständigen Livemitschnitt der Konzertperformance auf dem Graspop Festival 2011 plus 45-minütiger Tourdokumentation "You can't polish a turd but you can roll it in glitter". Womit man wieder beim Thema wäre. Dani grinst diabolisch. "Im ersten Augenblick mag unsere spezielle Art von Humor vielleicht gewisse fäkale Untertöne haben, zugegeben. Doch schließlich sind wir Männer, jedenfalls die meisten von uns. Und wir sind Metaller!" Egal ob Metallmeister aus der Hölle oder Höllenmeister aus Metall - kaum haben die unheiligen Krippenhüter des Drecks die Arbeiten an "Evermore darkly" pressfrisch abgeschlossen, widmet man sich schon wieder neuen Plänen: So darf man nach aktuellen Aussagen bereits im März dem Erscheinen des Klassikalbums "Midnight in the labyrinth" mit ausschließlich symphonischen Versionen älterer COF-Tracks und dem für Valentinstag 2012 geplanten Dani Filth-Gedichtband entgegenfiebern, bevor die Briten hierzulande erstmalig wieder im kommenden Sommer auf dem Wacken Open Air zu erleben sind. Das wäre dann auch fast alles. Aber nur fast, wie Herr Filth ergänzt: "Nicht zu vergessen das Debut meiner Allstarband Temple Of The Blood Moon, mit der wir voraussichtlich ab April/Mai den Planeten terrorisieren werden. Und ganz nebenbei haben wir kürzlich mit den ersten Songwriting-Sessions zur nächsten regulären Cradle-Platte begonnen..." Ein 666-faches Cheers auf die unerforschten Nebenwirkungen der südost-englischen Trinkwasserversorgung!
Zurück zu längst ausgerissenen Wurzeln
von Thomas Clausen (20.09.2010)Ein waschechtes Metal-Album haben COF-Frontkreischer Dani Filth und seine verwegene Blutsaugercrew im Veröffentlichungsvorfeld ihres ungeduldig erwarteten, neunten Studiowerkes vollmundig angekündigt - und sie halten nun mit "Darkly darkly venus aver...
WeiterlesenEin waschechtes Metal-Album haben COF-Frontkreischer Dani Filth und seine verwegene Blutsaugercrew im Veröffentlichungsvorfeld ihres ungeduldig erwarteten, neunten Studiowerkes vollmundig angekündigt - und sie halten nun mit "Darkly darkly venus aversa" nicht nur Wort, sondern überraschen selbst erfahrene Fans einmal mehr von Grunde auf mit mehr Härte, mehr Bombast, mehr Atmosphäre. "Ich weiß selbst am besten, dass man es als Künstler niemals allen recht machen kann", erklärt Mister Filth in brandneuem Outfit und mit frisch zerzauselter Struwelfrisur süffisant lächelnd. "Bei diesem Album sind wir die Dinge grundlegend anders angegangen. Extrem auf uns selbst fokussiert, fast schon ein wenig autistisch. Wir haben versucht, das Beste aus allen Cradle Of Filth-Phasen unter einen Hut zu bekommen und zu einer feuerfesten Einheit zu verschmelzen: Schnelle Parts, heavy Parts und natürlich auch die eingängigen Bestandteile. Ich denke, wir haben es für unsere Verhältnisse ganz gut hinbekommen..." Nur eine einzige von unzähligen schamlosen Untertreibungen der chronisch zu tiefschwarzem, typisch britischen Grabeshumor neigenden Horrormetal-Gallionsfigur aus der ex-Hexenverbrennungshochburg, heute jedoch eher unauffälligen Grafschaft Suffolk. Nach ihrem 2008er Höllenbraten "Godspeed on the devil's thunder" legen Stimmband-Wunder Dani Filth, die Gitarristen Paul Allender und Charles Hedger, Bassist Dave Pybus, Drummer Martin Skarupka und Keyboarderin Ashley Jurgemeyer mit "Darkly darkly venus aversa" die selbst geschnitzte Messlatte nun noch ein gutes Stück höher. Für sich selbst und für ihre Konkurrenz. Nachdem man sich in der Vergangenheit bereits konzeptionell an zwielichtigen Un-Persönlichkeiten wie der siebenbürgischen Blutgräfin Elisabeth Bathory oder jüngst am französischen Edel-Ketzer Gilles de Rais zu schaffen gemacht hat, widmen sich COF auf ihrem aktuellen Epos kollektiv der sagenumwobenen (Alb)Traum-Engels/Dämonengestalt Lilith, deren zweifelhafter Ruf seit Erfindung der Rechtschreibung fast omnipräsent durch sämtliche Religionen, Kulte und anderweitige spirituellen Vereinigungen geistert. Ein wenig Okkultismus, ein bisschen Sex, Leid, Tod und Verderben. Und nicht zu vergessen, ein paar sorgsam ausgewählte historische Fakten; verpackt in elf Hymnen an Danis momentan liebstes Pin Up-Model aus der Zwischenwelt. "Auf dem Longplayer sind ganz bewusst exakt elf Songs - Elf ist die magische Zahl Liliths! Die Platte behandelt den Werdegang der Lilith vom Guten zum Bösen; eine halb-wahre Geschichte über diesen Jahrtausende alten Mythos. Eine Art Dark Fantasy-Story gemischt mit tatsächlichen Ereignissen. Ich habe mich schon immer für sie interessiert und mir einiges angelesen. Sie ist einfach eine faszinierende Gestalt, die schon lange ein eigenes Album verdient hat! Eigentlich hatte ich mir nach dem letzten Konzeptalbum geschworen, mich erst einmal von irgendwelchen übergeordneten Themen fern zu halten. Doch letztendlich hat Lilith mir den Kopf verdreht..."
Härter, schneller, höher, weiter!
von Thomas Clausen (26.09.2008)Auf ihrem letzten Album sorgten die britischen Dark Metaller von Cradle Of Filth mit Gastvocals von Schmusebarde Ville Valo oder der umstrittenen Coverversion "Temptation" von der 80ies Wave-Legende Heaven 17 im Jahre 2006 für mehr als gemischte Gefü...
WeiterlesenAuf ihrem letzten Album sorgten die britischen Dark Metaller von Cradle Of Filth mit Gastvocals von Schmusebarde Ville Valo oder der umstrittenen Coverversion "Temptation" von der 80ies Wave-Legende Heaven 17 im Jahre 2006 für mehr als gemischte Gefühle innerhalb ihrer zwiegespaltenen Fangemeinde. Mit ihrem insgesamt achten Studioalbum "Godspeed on the devil's thunder" melden sich Bandchef Dani Filth nun wieder aus der kreativen Pause zurück - und präsentieren sich umso härter, aggressiver und dreckiger denn je zuvor! "Ich glaube, mit dem Vorgänger haben wir uns selbst erfolgreich von unseren Rock-Dämonen exorziert. ,Thornography' war definitiv ein sehr rockiges Album - beziehungsweise so rockig, wie eine Platte von Cradle Of Filth eben maximal sein kann. Es war für uns höchste Zeit, wieder einmal richtig durchzuatmen. Diese völlig neu gewonnene Brutalität fühlt sich heute einfach sehr gut und sehr richtig an!" Frisch, fromm, fröhlich und frei prügelt man sich auf dem Konzeptalbum "Godspeed on the devil's thunder" zu Ehren des berühmt-berüchtigten, französischen Feldherren, bekennenden Satanisten und blutrünstigen Massenmörders Gilles de Rais (1404-1440) durch 13 neue, schwarz glänzende Perlen des gepflegten Horrors und erzählt seine ganz eigene Version des Märchens vom furchtbaren König Blaubart und seiner schrecklichen Geheimniskammer. "Aus meiner Sicht war General de Rais definitiv einer der ersten Popstars: Er kämpfte im 100-jährigen Krieg Seite an Seite mit Jeanne D'Arc, besaß unendlich viel Geld und Macht, und er kam aus der Sicht des damaligen Volkes Gott wahrscheinlich so nahe wie kaum ein anderer Mensch! Und trotzdem zog es ihn irgendwann ganz langsam auf die dunkle Seite" - die den angesehenen Vaterlandsverteidiger erst sein Vermögen, später seinen Ruf und nicht zuletzt auch den desorientierten Kopf kostete. Dani Filth lacht. "Hört sich doch nach einer typischen Celebrity-Karriere an, auch wenn wir uns in den Texten weitestgehend an überlieferte Tatsachen über diese höchst faszinierende Persönlichkeit gehalten haben! ,Godspeed...' könnte man als kleinen Bruder unseres '98er Albums ,Cruelty and the beast' ansehen - nicht nur musikalisch haben diese beiden Platten viel gemeinsam. Auch inhaltlich gibt es zwischen dem Leben der Blutgräfin Elisabeth Bathory und Graf de Rais viele Parallelen. In meinen Augen gehören die beiden Personen auch irgendwie zusammen. Und seien wir mal ehrlich: Wie viele mittelalterliche europäische Serienkiller von diesem Format sind uns denn bekannt?" Dem einen oder anderen von uns durch "Godspeed on the devil's thunder" ab sofort eventuell ein Name mehr - dank Cradle Of Filth und ihrem etwas anderen Verständnis von Geschichtsunterricht!
Ein stockdunkles Märchen
von Markus Eck (29.09.2006)Die erfolgreichen britischen Grusel-Erotiker um Dani Filth befinden sich zum Interview-Zeitpunkt gerade im fernen Estland, wo ein dortiges Musikfestival von der symphonischen Black Metal-Gruppe bestritten wird. Bei dem nun erscheinenden neuen Studioa...
WeiterlesenDie erfolgreichen britischen Grusel-Erotiker um Dani Filth befinden sich zum Interview-Zeitpunkt gerade im fernen Estland, wo ein dortiges Musikfestival von der symphonischen Black Metal-Gruppe bestritten wird. Bei dem nun erscheinenden neuen Studioalbum "Thornography", handelt es sich laut Dani um ein stockdunkles Märchen für Erwachsene.
"Der thematisch überdachende Titel der Scheibe repräsentiert die Besessenheit der Menschheit mit Sünde und von sich selbst", legt der Sänger gleich los. "Die Scheibe kommt Mitte September auf den Markt. Derzeit sind wir schwer am Touren, diverse Sommerfestivals werden von uns beackert. Eigentlich kann die CD als Retro-Album betitelt werden, denn sie tendiert auf musikalische Art und Weise ziemlich zu unseren Anfängen - sozusagen ein Mix aus den ersten Alben von uns sowie unserem blutigen Konzeptwerk ,Cruelty and the beast'." Gleichzeitig geht die englische Schwarztruppe auf "Thornography" aber auch einen ganzen Schritt weiter als bisher, da ist sich Dani ganz sicher. "Die neuen Stücke sind eingängiger als je zuvor gehalten, dazu haben wir bereits diverse neue interessante Ideen ausprobiert wie neuartige Orchestrierungen beispielsweise oder stark Darkwave-artige Keyboard-Arrangements." Klanglich hochqualitativ aufbereitet wird das Album dann von Produzenten-Bekanntheit Andy Sneap, so Dani. "Sogar vereinzelte Anklänge an Horror-Rock-Altmeister Alice Cooper sind auf ,Thornography' herauszuhören, was uns während der Umsetzung der Einfälle dazu wirklich sehr viel Freude bereitet hat. Wir wollten ein horrorartiges und rhythmisch stark pulsierendes Rock'n'Roll-Feeling erzeugen, wie man es in dieser Form noch bisher noch nie gehört hat. Und das ist uns auch gelungen. Eine ganz besondere Überraschung wird unsere spezielle Cover-Version des wohl unvergessenen 1983er Heaven 17-Chartbreakers ,Temptation' sein - dieser absolute Klasse-Song war eigentlich seit jeher perfekt auf uns und unsere Musik zugeschnitten, wir lieben ihn. Und nun endlich haben wir uns drangemacht, das Stück auf unsere eigene Art neu aufzunehmen. Geplant ist zudem auch noch ein aufwändiger Video-Clip - entsprechende Ideen visueller Natur dazu existieren bereits haufenweise bei uns; na, mal sehen, ob und wie sie sich alle umsetzen lassen. Wir sind auf alle Fälle schon verdammt gespannt auf den kommenden Videodreh, das wird wieder eine super Sache." Ganz besonders begeistert zeigt sich der ungewohnt erzählfreudige Cradle Of Filth-Frontmann vom nagelneuen Album-Frontcover: "Dieses hypergeniale Bild sieht einfach nur noch fantastisch aus - in unheimlich leuchtenden Grüntönen gehalten, verkörpert es auf betont symbolische Weise den ganzen dunklen und gruseligen Spirit sowie die diversen Konzeptionen des kommenden Studioalbums ,Thornography'. Zu sehen ist darauf ein ziemlich diabolisch dreinblickendes Mädchen, welches den abgetrennten Kopf von Jesus Christus in ihren Händen hält - in einer sehr düsteren und beklemmenden Umgebung, einer Art gruftiger Kammer mit tiefmorbidem Flair der Umgebung. Ein ebenso typisches wie entsprechend eindeutiges Cover mit einem gezielt angesteuerten Schockeffekt, also wirklich bestens passend für die künstlerischen Intentionen von Cradle Of Filth."
Feuer Frei
von Markus Wosgien (01.10.2005)Cradle Of Filth sind nicht nur musikalisch einer der populärsten Vertreter der Black Metal Szene. Wer die Briten um Frontmann Dani Filth einmal Live gesehen hat, der weiß, dass ihm ein Horror Szenario der obersten Güteklasse geboten wird. Entertainme...
WeiterlesenCradle Of Filth sind nicht nur musikalisch einer der populärsten Vertreter der Black Metal Szene. Wer die Briten um Frontmann Dani Filth einmal Live gesehen hat, der weiß, dass ihm ein Horror Szenario der obersten Güteklasse geboten wird. Entertainment wird dabei groß geschrieben. Was in den vergangenen zwei Jahren im Lager von Cradle Of Filth passiert ist, dokumentiert der neue DVD Release "Peace through superior firepower" auf über 200 Minuten Spielzeit, inklusive einer kompletten Live-Show, mitgeschnitten auf der "Nymphetamine"-Tournee im ausverkauften Elysee Montmartre in Paris.
Es ist nach "Heavy left-handed and candid" (2001) und "PanDaemonAeon" (2002) die dritte DVD von Cradle Of Filth. Dani Filth erklärt, warum "Peace through superior firepower" etwas Außergewöhnliches ist.
"Das Besondere daran ist die Masse an Material, das es zu sehen gibt. Wir haben die 90-minütige Show von Paris mit neun Kameras mitgeschnitten und wir sind mit dem Ergebnis höchst zufrieden. Zudem erwartet die Fans Dokumentationen über unseren Studioaufenthalt zu 'Nymphetamine', inklusive der Orchesteraufnahmen in Ungarn, sowie einen Tourreport über das Ozzfest. Des Weiteren gibt es sechs Video-Clips und kleinere Extras."
Das Material, welches es nicht auf die DVD geschafft hat, will man zudem in Kürze auf die Band-Homepage stellen. Der Wahl die Live-Show in Paris mitzuschneiden, lag die Tatsache zu Grunde, dass man aufgrund der starken Nachfrage gleich zwei Shows in der französischen Metropole spielte. Wäre es zu unerwarteten Problemen gekommen, hätte man laut Dani noch eine zweite Option gehabt, die man letztendlich jedoch nicht nutzen musste.
"Die Show war großartig und wenn einer von uns kein gutes Bild abgab, konnte man immer noch auf eine andere Kameraeinstellung wechseln",
scherzt der gut gelaunte Sänger.
"Wer unsere Konzerte besucht, der bekommt einen gerechten Gegenwert für das Eintrittsgeld. Es genügt uns nicht in Jeans und einem T-Shirt bekleidet auf der Bühne zu stehen und eine Standard-Show zu spielen. Unsere Musik soll zwar für sich sprechen, aber unsere Fans haben die beste Show verdient. Ich bin sehr stolz, wenn ich mir den Auftritt in Paris betrachte."
Neben Gastsängerin Sarah Jezebel Deva gehören somit eine Menge Akteure in den verschiedensten Kostümen zu der Bühnenpräsenz des Black Metal Quintetts. Ebenso wie die Live-Show ein in sich stimmiges Bild abgibt, verhält es sich mit den stets sehr aufwendig produzierten Video-Clips. Unter anderem gibt es auf der DVD "Babylon A.D.", "Her ghost in the fog" und "Nymphetamine" zu bewundern. Auch hier überlässt Dani nichts dem Zufall.
"Wir setzen uns stets mit den Produzenten zusammen und ergänzen unsere Ideen und Vorstellungen der Clips. Was viele nicht wissen ist, dass ein jeder Clip enorm teuer ist und manchmal nicht alles realisiert werden kann, das man gerne haben möchte. Ich denke jedoch, dass wir stets das bestmöglichste kreieren konnten und die Stimmung des entsprechenden Tracks perfekt visualisiert haben."
Cradle Of Filth kennen keinerlei Grenzen, somit gab es auch keine Berührungsängste in der MTV-Show Viva la Bam aufzutreten, wovon einige Ausschnitte auf der DVD zu sehen sind.
"Ich habe absolut kein Problem damit in einer Skateboard-Show aufzutreten. Wir hatten jede Menge Spaß dabei und wie man sehen kann, ging dabei einiges kaputt."
Ganz ähnlich verhält es sich mit dem dokumentierten Tour-Alltag, doch
"wenn die wirklich verrückten Sachen passieren, ist die Kamera leider meist schon wieder ausgeschaltet",
resümiert Dani. Ebenso spannend wie die DVD ist die nahe Zukunft der Band. Denn neben der Veröffentlichung des Buchs "The gospel of filth - The midian book", steht bereits der Studiotermin für den nächsten Longplayer an. An Kreativität mangelt es definitiv nicht.