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Abgesehen von Avantasias großartigem "Scales of justice" präsentieren Charred Walls Of The Damned auf ihrem zweiten Album den strahlenden Tim "Ripper" Owens, den man sich immer gewünscht hatte: Erhabener technischer Power Metal mit Killer-Vocals.
EMP Redaktion
von Björn Thorsten Jaschinski(21.09.2011)Anderthalb Jahre nach dem selbstbetitelten, viel zu wenig beachtetem Debut, holt die Prominentenkapelle um Drum-Gott Richard Christy zum zweiten Schlag aus. Vergessen wir die beiden düsteren Priest-Alben, die Iced Earth-Durststrecke, die Yngwie-Egomanie oder seine missglücktes Soloalbum: Hier darf Tim "Ripper" Owens seine Stimme im passenden Milieu richtig entfalten. Er kann schneidige Screams vibrieren lassen, voluminöse Aggroattacken reiten und auch viel Gefühl zeigen. Manche der Kompositionen gäben von der musikalischen Grundstruktur, Jason Soucofs rabiaten Riff- und Shred-Einlagen sowie Steve DiGiorgos kniffeligen Bassläufen, auch patenten technischen Melodic-Death Metal ab. Rippers Hooklines sorgen für den entscheidenden Drall zum anspruchsvollen Power Metal. "Zerospan" vereint beide Welten und führt brutale Rhythmen mit einem Mitsing-Chorus und positiv gefärbten Soli zusammen. Wer "Ripper" nach diesem Hörgenuss noch mit "Aufschneider" übersetzt, hat keinen Plan von der Materie.
Interview
Aecht Schlenkerla Eiche
von Björn Thorsten Jaschinski (19.09.2011)Neben seiner Tätigkeit als Comedian in der "Howard Stern-Show" findet Drumgott Richard Christy (u. a. Death, Acheron, Burning Inside) immer wieder Zeit und Muße, in einem Allstarteam - Jason Suecof (Gitarre), Bassmonster Steve DiGiorgio und Scheidbre...
WeiterlesenNeben seiner Tätigkeit als Comedian in der "Howard Stern-Show" findet Drumgott Richard Christy (u. a. Death, Acheron, Burning Inside) immer wieder Zeit und Muße, in einem Allstarteam - Jason Suecof (Gitarre), Bassmonster Steve DiGiorgio und Scheidbrennerstimme Tim "Ripper" Owens - feinsten US-Power Metal zu zelebrieren. Mit "Cold winds on timeless days" hat das Quartett soeben seinen Zweitschlag veröffentlicht. "Auf dem Demo dazu habe ich alle Instrumente gespielt und Pilotspuren eingesungen", verrät Christy. "Davon haben wir gut 85% auch bei den eigentlichen Aufnahmen genutzt - der Rest der Hooklines entstand in Zusammenarbeit von Jason, Tim und mir. Tim hat zwölf Songs in nur sechs Tagen eingesungen, inklusive Harmonien!" Gitarristen nehmen ja gerne ihre Sechssaitige wie eine Geliebte mit ins Bett - auf dem Debut schrieb Richard einen Song über seine Liebe zum Schlagzeugspiel. "Als Kind habe ich nur meine Drumsticks mit unter die Decke genommen - aber es ist für alles irgendwann das erste Mal. Allerdings könnte es ziemlich schmerzvoll sein, über einer Bass-Drum zusammengerollt zu pennen. Die neuen Texte sind wieder ein Mix aus persönlichen Beobachtungen und Stories aus meinem Leben. Der Titel ,Lead the way' entstand, nachdem die Musik fertig war und die Worte passen einfach dazu, ohne eine spezifische Bedeutung zu haben. Ein Teil des Textes könnte auf einen Vampir zutreffen. ,Avoid the light' handelt von meiner sensiblen Haut. Ich bekomme schnell einen Sonnebrand und muss mich täglich mit Cremes einschmieren, da ich sehr anfällig für Hautkrebs bin. ,Bloodworm' ist über eins meiner Haustiere. Ernie war ein Bettafisch und ich habe ihn immer mit Mückenlarven gefüttert. Der Text entstand, nachdem er verstorben war und handelt vom Verlust von jemanden, der einem viel bedeutet." Daher also die Fotocollage mit einigen Tieren und Menüs im Booklet des selbstbetitelten Erstlings. "Wir nehmen unsere Musik ernst, aber uns selbst nicht zu sehr. Ich wollte einfach zeigen, wie viel Spaß wir in der Band haben. Jason und ich lieben Tiere, also wollten wir einige von unseren Mitbewohnern zeigen. Und Jasons Mitbewohner Ronn hat uns als großartiger Koch während der Aufnahmen verpflegt." Nicht nur mit fester Nahrung, wie es scheint. Zum einen klingt ein Riff im neuen Opener "Timeless days" entfernt an "Empty tankard" unserer Frankfurter Kampftrinker. Zum anderen pflegt Richard als Genießer selbst eine Seite mit seinen Lieblingsbieren - die (welch Frevel) aber keinen deutschen Gerstensaft lobpreist. "Das ist ein gewichtiges Argument, ich muss die Liste unbedingt aktualisieren. Eins meiner Lieblingsbiere ist ein rauchiges aus Deutschland namens Aecht Schlenkerla Eiche Doppelbock - ich hoffe, ich hab es richtig buchstabiert. Ich würde nur zu gerne aufs Oktoberfest gehen und freue mich unheimlich, bald mit Charred Walls Of The Damned in Europa zu spielen. Ich war seit der 2002er Tour mit Iced Earth nicht mehr bei euch."
Absolute Power
von Björn Thorsten Jaschinski (22.12.2010)Bei Supergroups denkt man heutzutage automatisch Retortenprojekte zum schnellen Cash-In, bei denen sich die Musiker oft - die ach so wunderbare moderne Technik macht es möglich - nicht einmal mehr im Proberaum und später im Studio begegnen. Charred W...
WeiterlesenBei Supergroups denkt man heutzutage automatisch Retortenprojekte zum schnellen Cash-In, bei denen sich die Musiker oft - die ach so wunderbare moderne Technik macht es möglich - nicht einmal mehr im Proberaum und später im Studio begegnen. Charred Walls Of The Damned sind zwar ein musikalisches Elite Bataillon, das selbstbetitelte Debutalbum dieser alten Seilschaft klingt allerdings äußerst homogen und authentisch. Initiator ist Über-Drummer Richard Christy (u.a. ex-Death und Iced Earth), der hier die beiden musikalischen Herzen, die in seinem Brustraum pochen, in Einklang bringt: Hymnischer Heavy/Power Metal, der instrumental immer mal wieder in Death Metal Gefilde wechselt. Mit einem Bass Genie wie Steve DiGiorgio (u.a. Sadus, ex-Testament, Death,...) und Gitarrist Jason Suecof (Produzent von Trivium und vielen Death Metal Bands) kein Problem.
Dass aber gerade dieses Team Tim "Ripper" Owens die geilsten Gesangslinien seiner bisherigen Karriere auf den Leib schreibt, ist schon erstaunlich. "Tim ist ein super sympathischer Typ, der von unseren Songs absolut begeistert war. Anderenfalls hätte er sie nicht innerhalb von nur fünf Studiostagen so perfekt einsingen können." Bislang litt Owens vor allem darunter, dass er als Notnagel in etablierte Bands beordert wurde und dort mit schwachem, stilistisch oft unschlüssigem Material konfrontiert wurde. "Ich mag wirklich jedes Album, auf dem Tim bislang gesungen hat", relativiert Christy, der eine Weile mit ihm auf den Iced Earth Schleudersitzen gesessen hat. "Er hat eine Karriere, auf die jeder Sänger stolz sein kann. Tim stammt wie ich aus dem Mittleren Westen der USA und bei seiner Lieblingsband Judas Priest einsteigen zu können, war die Erfüllung eines Musikertraums für ihn. Ich bin stolz, wieder mit ihm arbeiten zu dürfen."
Das kreative Talent des Rippers als Komponist wurde dafür allerdings nicht abgerufen. "Die Gesangslinien sollten gleichzeitig eingängig und heavy sein. Obwohl ich alle Texte verfasst habe, stammen nur ca. 30% der Gesangsmelodien von mir, den Rest hat Jason beigesteuert - darin ist er ein Genie! Mir gefällt die große Bandbreite an Schreien und hohem Gesang, aber auch entspannteren Momenten, da ich sowohl seinen aggressiven Gesang, als auch seine hymnischen Qualitäten sehr schätze. Die Texte behandeln allerlei persönliche Erfahrungen: ,Blood on wood' beschreibt meine Liebe zum Schlagzeugspiel, ein anderer meine Flugangst und ein dritter meine Furcht vor dem Sterben. Meine persönlichen Favoriten sind ,Voices within walls' wegen des Refrains und ,The darkest eyes', weil ich in dem Song richtig Gas geben kann."
Ein weiterer Kracher bleibt vorerst Käufern der Japan-CD vorbehalten. "Als obligatorischen Extratrack für den Markt, haben wir einen Song meiner Lieblings-Thrash-Band interpretiert: ,Nice dreams' von den viel zu unbekannten Powermad. Ich habe die Jungs als Teenager geliebt und will durch diese Geste auf ihre großartige Musik aufmerksam machen."