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Videodrom: Ein mehr als gelungener Auftakt in Sachen Screamo/ Metalcore.
EMP Redaktion
von Adam Weishaupt(22.03.2010)Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass Callejon mit ihrem neuen, dritten Album "Videodrom" den Durchbruch schaffen werden. Mit "Zombieaction Hauptquartier" haben sich die Jungs aus dem Pott bereits vom Metalcore der Anfangstage gelöst und ihre Grenzen ausgelotet, die es auf "Videodrom" in der Form gar nicht mehr gibt. Die Weiterentwicklung sorgt auch für eingängigere, fast schon kommerzielle Songs. Allen voran das harte, aber melodische "Kinder der Nacht", dem lupenreinen Hit auf "Videodrom". Der Mix aus cleanen Vocals und Kreischgesang, derben Riffs und kernigen Melodien, samt den spannenden Themen und klugen Refrains ist es, der Callejon so einzigartig und anders macht. Mit Samples, Intros, Effekten und der Liebe zum Detail wird jeder Track aufgemotzt und spannend gemacht. Das Ganze wird mit einer Wucht und einem Soundbrett vorgetragen, dass es einem die Kinnlade in Richtung Boden zieht. "Videodrom" ist ein modernes Massaker und das innovativste Album einer deutschen Nachwuchscombo, seit den ersten Farmer Boys und Apokalyptischen Reiter Werken. Da Callejon Live ohnehin eine Macht sind, wird mit "Videodrom" im Gepäck so manche Bühne brennen!
Interview

Zwischen Texas Chainsaw Massacre und Bauer sucht Frau!
von Nicko Emmerich (28.12.2012)Schon immer haben Callejon auf ihren Alben die Abwechslung gesucht und sich so über die Jahre hinweg ihre eigene Nische in der heimischen Heavy-Landschaft gemeißelt. Nun bekommen Frontmann BastiBasti und seine Leute allerdings ernstzunehmende Konkurr...
WeiterlesenSchon immer haben Callejon auf ihren Alben die Abwechslung gesucht und sich so über die Jahre hinweg ihre eigene Nische in der heimischen Heavy-Landschaft gemeißelt. Nun bekommen Frontmann BastiBasti und seine Leute allerdings ernstzunehmende Konkurrenz aus der eigenen Sippschaft: Unter dem Namen Kallejon treten nun die "missratenen Zwillingsbrüder" der westfälischen Metalcore-Senkrechtstarter an, um der Familie auf "Man spricht Deutsch" mal ordentlich den Marsch zu blas(t)en. So haben sich der hauptberufliche Schweinebauer GeorgGeorg und Co. ihre peinlichsten deutschsprachigen Lieblingssongs der letzten 20 Jahre zur Brust genommen und ein solides Metalcore-Outfit verpasst. Dass Kallejon dabei verdächtig wie ihre Hitparaden-stürmende Verwandtschaft mit C klingen, muss selbst BastiBasti zugeben. "Eigentlich wollten wir es geheim halten, aber bei Kallejon handelt es sich tatsächlich um unsere hässlichen, unbegabten Geschwister, bei denen irgendwas schief gelaufen ist", erklärt man grinsend. "Bisher wurden sie auf irgendwelchen schmierigen Bauernhofsdachböden unter Verschluss gehalten. Doch natürlich würden wir es ihnen gönnen, wenn sie mit ihrem Album ebenso großen Erfolg hätten, wie wir mit Callejon. Wir stehen ihnen ja auch mit Rat und Tat zur Seite." Musikalisch sollte man sich bei "Man spricht Deutsch" auf eine schwer metallisierte Partymischung irgendwo zwischen dem "Texas Chainsaw Massacre" und "Bauer sucht Frau" einstellen, wenn C(K)allejon auf Remakes von Blümchens "Boomerang", Sidos "Mein Block" oder Fettes Brots "Schwule Mädchen" die Fetzen fliegen lassen. Nachdem man schon mit den Running Gag-Songs "Porn from Spain" auf den letzten beiden regulären Alben seine humoristische Seite hat durchscheinen lassen, gibt's nun die konsequente Fortsetzung mit dem Spaß-Longplayer "Man spricht Deutsch". Aus der ursprünglichen Idee einer kurzen EP wurde Stück für Stück ein 11 Tracks starkes Party-Album "mit Songs, auf die wir einfach Bock hatten und die wir selbst gerne als Metal-Version gehört hätten! Alle gecoverten Songs waren schon früher super! Für meine Generation war zum Beispiel Blümchen damals der Inbegriff von Techno und hat sich heute zu einer Art Zeitdokument entwickelt. Man erinnert sich gerne an die Zeiten, in denen die Love Parade noch in Berlin war, knallbunte Videos auf VIVA liefen und an all das, was man damals noch so alles als zehnjähriger Knirps mitbekommen hat. Heute ist der Song eine Art Retro-Partyklassiker, der einfach nur stumpf vor sich hin ballert und extrem gute Laune macht!" Trotz aller guten Laune haben C(K)allejon auf "Man spricht Deutsch" auch eine unmissverständliche Botschaft verpackt, wie auch schon die erste Single, das Die Ärzte-Cover von "Schrei nach Liebe", verdeutlicht. "Uns ist ebenso wichtig, als Musiker klar Stellung gegen Gewalt und Rassismus zu beziehen! In unserem Videoclip wird der stumme Schrei nach Liebe ja am Ende mit der Art von Zuwendung beantwortet, die manche Leute brauchen. Jemand, dem es grundsätzlich gut geht, hat dann keinen Grund mehr zu hassen..."
Callejon polarisieren mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein!
von Peter Kupfer (08.05.2012)Callejon hasst man oder man liebt sie! Das war komischerweise immer schon so und daran wird auch das neue Album "Blitzkreuz" nichts ändern. Bernhard, seines Zeichen Gitarrist der Band und einer der beiden kreativen Köpfe, ist sich darüber auch im Kla...
WeiterlesenCallejon hasst man oder man liebt sie! Das war komischerweise immer schon so und daran wird auch das neue Album "Blitzkreuz" nichts ändern. Bernhard, seines Zeichen Gitarrist der Band und einer der beiden kreativen Köpfe, ist sich darüber auch im Klaren, kümmert sich aber nicht darum. Man hat Callejon schon einiges vorgeworfen: Zu glatt, zu angepasst, aber auch zu quer und nicht einzuordnen. Da kann man sich wohl als Musiker winden, quälen und aufopfern, aber gewissen Leuten wird man es wohl nie recht machen können. "Ich denke, wir haben schon immer polarisiert", so Bernhard in der Retroperspektive. "Wir werden wohl immer eine Band sein, die nicht von allen gemocht wird, aber das interessiert uns letztendlich nicht. Die Leute, die uns mögen, sind treu und so können wir sagen, dass wir eine sehr treue Fanbase haben." Dem kann man nur beipflichten und das wird auf jeder Tour auch bestätigt. Die seit Jahren fast schon bedingungslose Liebe der Fans zu der Band unterstreicht die Aussage. Was aber hat nun diese Band, was anderen anscheinend fehlt? Wieso hat selbst ein großer Musikkonzern wie Sony nun Interesse an einer Metal-Band und alte Weggefährten gehen leer aus? Besondere Zutaten oder eine bestimmte Magie? "Letztendlich kochen auch wir nur mit Wasser", so Bernhard. "Wir sind sicherlich in vielen Punkten Perfektionisten, aber unter dem Strich doch eine Metal-Band im weiteren Sinne." Metal im weitesten Sinne? "Blitzkreuz" ist das erste Album bei einem Major und besiegelt den Weggang von Nuclear Blast, der Institution in Sachen Metal! Kann man noch Metal erwarten? Vielmehr ist man sogar bei Four Music unter Vertrag, einem Sub-Label der Sony, auf dem sich auch Casper und Co. tummeln. Aber keine Sorge: "Blitzkreuz" ist mehr Metal, als viele andere Bands jemals Metal sein werden. Hier wird gerockt, gerotzt, gebollert und gerumpelt und letztendlich ist auf "Blitzkreuz" all das wieder vorhanden, was man vielleicht auf "Videodrom" vermisst hat. Vielmehr noch: "Blitzkreuz" verbindet all das, was die Band immer ausgezeichnet hat und brennt sich in die Gehörgänge, dass man stets die Melodien im Ohr hat und sich fragt, wie die Herren das mit solcher Leichtigkeit schaffen. Das Album wirkt nicht nur frisch, nein, es ist es auch! "Blitzkreuz" kann einiges und noch viel mehr, wenn man sich die Mühe macht, das Album mehrmals anzuhören um in die Tiefen der Band abzusteigen.
"Das Album war für uns ein gewisser Befreiungsschlag", so auch Bernard. "Wir sind selbstbewusst mit dem Album rausgegangen, da wir wussten, dass wir ein gutes Album gemacht haben. Wir gehen quasi auf eine neue Reise und letztendlich gab es viele Veränderungen innerhalb der Band und in Sachen Songwriting". Was passierte aber genau? Die Band löste den Vertrag bei Nuclear Blast auf und widmete sich dem Songwriting des neuen Albums. Sicherlich flossen hier auch einige Erfahrungen ein und nach perfektionierter Arbeit standen letztendlich die Songs. Man schnappte sich diese und machte sich auf die Suche nach einem neuen Label. "Wir überlegten sogar eine Zeit lang, ob wir uns nicht nur einen Vertrieb suchen und das Label selbst machen wollten." Der Gedanke wurde verworfen, da - und spätestens hier sollte man die "Ausverkauf"-Vorwürfe fallen lassen - man nicht ohne Weiteres ein Label mit solchem Erfolg aufstellen kann, wie ein bestehendes Label die Arbeit übernehmen kann. Major hin, Ausverkauf her: Schwachsinn, da man am Ende des Tages keinem Künstler den Vorwurf machen kann, sein mit Herzblut gemachtes Album maximal zu streuen. "Four Music verstanden, was Callejon ist und was wir erreichen wollen", so Bernhard zu der Wahl. Die Argumente waren am überzeugendsten und letztendlich - so hart es nun klingen mag - hat ein Major auch gewisse Vorteile. Der Ausverkauf ist vom Tisch und die Band macht sich eh keinen Kopf darüber. Das Label stand, die Songs standen und man konnte "Blitzkreuz" aufnehmen. Letztendlich als Band, aber dennoch als Duo. Basti als Sänger und Bernhard an der Gitarre sind der Kopf der Band und machen auch keinen Hehl daraus. "Wir haben die Band gegründet und beide haben hart und konstant an der Band gearbeitet. Es gab einige Wechsel in der Bandbesetzung und letztendlich waren es wir beide, die immer dabei waren und die Sachen voran getrieben haben. Daraus entwickelte sich eben diese Struktur, dass wir beide uns um die meisten Dinge kümmern und damit fahren wir ganz gut". Der Rest der Band wird aber ebenfalls in Entscheidungen mit einbezogen und gewisse Dinge werden auch im Kollektiv diskutiert. Unter dem Strich sind 11 Songs entstanden, die selbst gestandene Metaller staunen lassen. So ist Mille von Kreator überzeugter Fan und hält Lobeshymnen auf die Jungs. "Das freut uns wirklich sehr, wenn jemand wie Mille, der ja quasi die Metal-Institution aus Deutschland ist, uns toll findet", gibt Bernhard stolz, aber auch leicht verlegen zu. In der Tat ist Mille Fan und besuchte die Jungs auch im Studio. So verwundert es nicht, dass man ihn auch auf dem Song "Porn from Spain 2", welcher die erste Single darstellen wird, hören kann. Neben Mille sind auch Nico von K.I.Z. und Sebastian Madsen auf dem Song zu hören, der alleine durch seine Hip Hop-Elemente hervorsticht und gleichzeitig wieder Zündstoff für Grundsatzdiskussionen geben wird, was man im Metal darf und was nicht. Dennoch, oder gerade deshalb, wählte man den Song als erste Single aus. "Es ist untypisch im Metal mit einer Single zu arbeiten, die auch physisch im Handel erhältlich ist", so die Band. Aber vielleicht ist es das, was die Band ausmacht. Die festgefahrenen Dinge und Schemata des Metals abzuwerfen und neue Wege zu gehen. "Für mich", so Bernhard, "bedeutet Metal offen zu sein und das ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Ich denke, wir werden die Sache solange noch machen, wie wir können". An Ideen und Kreativität scheitert es nicht, an treuen Fans ebenfalls nicht und so wird man noch einiges von Callejon hören. Nun aber erst mal "Blitzkreuz".
Paradoxon von Leben und Tod
von Tony Lutz (26.09.2008)Callejon sind die Band der Stunde. Mit ihrem sehr energischen Mix aus Screamo, peitschendem Metal und originellen deutschen Texten werden die Kölner schnell im Oberhaus der Szene etablieren können. Ihr zweites Album "Zombieactionhauptquartier" ist ei...
WeiterlesenCallejon sind die Band der Stunde. Mit ihrem sehr energischen Mix aus Screamo, peitschendem Metal und originellen deutschen Texten werden die Kölner schnell im Oberhaus der Szene etablieren können. Ihr zweites Album "Zombieactionhauptquartier" ist eine Perle harter Tonkunst geworden. Gitarrist Bernhard Horn hat alle Gründe entspannt zu sein. Callejon sind auf dem Sprung in große Gewässer, das Album ist eine Bombe geworden und auch sonst ist alles wunderbar im Bandcamp. "Im Kontext der Callejon-Releases kann man mit Sicherheit sagen, dass das neue Album unser bester, frischester, abwechslungsreichster, anspruchsvollster und am besten produzierter Output ist. Wir haben sehr intensiv an dieser Platte gearbeitet, von den Songs bis hin zur Tracklist. Es ist die erste Veröffentlichung in dieser Besetzung, die definitiv die bisher am besten funktionierende ist. Wir sind jedenfalls vollkommen zufrieden." Zudem entstehen die Callejon-Songs in echter Teamarbeit. "Grundsätzlich sind alle Mitglieder am Songwriting beteiligt, Alleingänge sind bei uns die absolute Ausnahme. In der Regel bringen Buschi (Gitarrist Thomas Buschhausen) oder ich einige Riffs von zu Hause mit in den Proberaum, stellen sie den anderen vor, und dann wird daran gefeilt, bis alle damit zufrieden sind. Das hat den Vorteil, dass niemand einen Kompromiss eingehen muss und wir uns wirklich intensiv mit jedem einzelnen Song beschäftigen." Auffällig ist die unglaubliche Bandbreite, die Callejon auf "Zombieactionhauptquartier" an den Tag legen. Von klirrenden Black Metal-Abfahrten über balladeske Töne ist alles vorhanden, was Spaß macht. Zombies scheinen der Band ebenfalls Spaß zu machen, sind sie doch großer Bestandteil des Albums. "Wir haben einige Verehrer von Zombiefilmen und -Literatur in der Band. Außerdem passt die Thematik gut zur Band, weil ein Zombie das Paradoxon von Leben und Tod in einer Person verkörpert. Bei Callejon drehen sich fast alle Songs um die Zerrissenheit zwischen Verzweiflung und Lebensbejahung, zwischen Reflexion und Betäubung. Auch wenn unsere Texte oft eine auf den ersten Blick negative Botschaft vermitteln, sehen wir doch immer auch die Ironie darin, das Licht am Ende des Tunnels. Außerdem solltest du uns mal nach einer durchzechten Nacht sehen, da sehen wir schlimmer aus als manche Film-Zombies, haha." Nun, da dürften Callejon nicht alleine sein. Zum Glück gibt es jetzt das "Zombieactionhauptquartier" - also ab nach Hause!