Man darf Bullet For My Valentine getrost als die Band der Stunde bezeichnen. Die vier Jungs aus Wales tauchten aus dem Nichts heraus auf und legten mit ihrer EP "Hand of blood" ein gnadenloses, modernes Metalbrett ab und schossen damit direkt in die ...
Man darf Bullet For My Valentine getrost als die Band der Stunde bezeichnen. Die vier Jungs aus Wales tauchten aus dem Nichts heraus auf und legten mit ihrer EP "Hand of blood" ein gnadenloses, modernes Metalbrett ab und schossen damit direkt in die deutschen Charts. Was steckt hinter dem neuen Phänomen? Der noch anhaltende Metalcore Boom dürfte den Jungs gelegen kommen, dennoch hebt man sich von Genre Kollegen wie Killswitch Engage oder Trivium wohlwollend ab. Was Bullet For My Valentine auszeichnet, ist der drastische, packende Gegensatz aus Melodie und Härte. Nun steht mit "The poison" das Debutalbum in den Läden. Wenige Tage vor der Veröffentlichung unterhalten wir uns mit Leadsänger Matthew "Matt" Tuck und gehen der Frage nach, warum die Szene gerade auf Bullet For My Valentine gewartet hat.
"Ich denke, dass unsere Musik einfach erfrischend rüberkommt. Wir verpacken musikalische Elemente aus dem Thrash und Heavy Metal in ein neues Gewand. Möglicherweise hat dies den Leuten lange Zeit gefehlt und sie warteten auf etwas neues und frisches."
In der sonst eher kritischen, englischen Presse werden Bullet For My Valentine bereits als die neuen Metallica bezeichnet und ihnen eine ähnliche Zukunft vorausgesagt. Die Freude ist dem Frontman anzuhören.
"Das ist natürlich eines der höchsten Komplimente die man bekommen kann. Wir sind natürlich nicht die neuen Metallica, aber wenn wir eine ähnliche Karriere wie sie erleben dürfen, dann freue ich mich darauf. Wir wollen noch viele Alben veröffentlichen und uns auf der ganzen Welt eine große Fangemeinde erspielen."
Die Ambitionen und die Wünsche sind groß, aber durchaus realistisch. Noch nie ist es einem Metalact gelungen, ohne ein Album im Rücken, sich über mehrere Monate in den Single-Charts zu halten.
"Diesen Erfolg haben weder wir erwartet, noch unser Label, unser Management oder sonst wer. Als wir die EP aufgenommen haben, waren wir in dieser Form gerade mal ein halbes Jahr zusammen. Wir wollten nicht gleich ein Album machen, sondern etwas in den Händen haben und die Resonanz abwarten. Unsere Erwartungen lagen bei 5.000 Einheiten, nun sind wir bereits im sechsstelligen Bereich. Es ist natürlich verrückt, aber wir freuen uns auf die Zukunft."
Bevor die Welle zu uns rüberschwappte, eroberten die vier jungen Musiker die britische Insel, wo "Hand of blood" bereits ein halbes Jahr eher erschien. Auch hier kam der Erfolg quasi über Nacht.
"Wir haben im Dezember vergangenen Jahres eine Tour mit Atreyu gespielt und hatten die EP gerade mal vier Wochen auf dem Markt. Unsere Erwartungen waren nicht groß, wir dachten noch nicht einmal, dass uns die Fans überhaupt kennen. Doch sie sind förmlich ausgerastet, was uns angespornt hat alles zu geben. Von da an wussten wir, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben."
Von diesem Zeitpunkt an ging alles sehr schnell, es folgten Festival Auftritte auf dem Rock am Ring und Rock im Park, ehe es ins Studio ging und der erste Longplayer eingespielt werden musste. Von Erfolgsdruck will Matt jedoch nichts wissen.
"Es gab noch einige Nummern, die wir nicht auf die EP nehmen wollten, um nicht gleich alle unsere Trümpfe auszuspielen. Zudem hatten wir einen ganzen Monat Zeit, wo wir uns ausschließlich ums Songwriting kümmerten. Die letzte Nummer haben wir schließlich noch im Studio geschrieben, und dies wird unsere erste Single werden!"
Sagt es und freut sich selbst über den wirklich märchenhaften Lauf der Dinge. Besagter Track ist "Suffocating under the words of sorrow" (Wird nur in England veröffentlich, Anm. d. V.), eines der zahlreichen Highlights auf der grandiosen CD.
"Wir waren bis spät in die Nacht noch im Studio und waren schließlich ziemlich betrunken. Dann entstand die Songidee und wir schrieben die Nummer spontan innerhalb von zehn Minuten. Wir waren begeistert und unser Produzent fluchte vor Freude am nächsten Tag. Druck hatten wir wirklich keinen, denn wir nehmen die Dinge wie sie kommen."
Produziert wurde das "The poison", wie schon die EP mit Starproduzent Colin Richardson, der bereits Meisterwerke von Machine Head oder Chimaira veredelt hatte. Die Chemie stimmte von Anfang an.
"Er ist ein grandioser Produzent und war für uns die erste und beste Wahl. Man bekommt von ihm nicht gesagt was zu tun ist, sondern er lässt einen machen und holt dabei das Maximum aus einem heraus. Colin hat ein enormes Gespür für Details und hört Dinge, an die du selber gar nicht denken würdest. Zwischen ihm und uns hat sich in der Zwischenzeit auch eine tolle Freundschaft entwickelt. Er ist sehr stolz auf uns und gibt uns wirklich jegliche Unterstützung. Vor einigen Tagen hat er mich angerufen, da er extra früh aufgestanden ist und zum Kiosk rannte, um sich den Kerrang zu kaufen, wo wir auf dem Titelbild sind."
Die Musik ist definitiv ansteckend und verbreitet sich so rasch wie ein Virus. Der Albumtitel "The poison" spricht demnach Bände.
"Wir hatten den Eindruck, dass nach der EP und den Live-Shows jeder von uns infiziert wurde. Da sich unser Name wie eine Seuche verbreitete, hielten wir 'The poison' für einen angemessenen Titel."
Das Geheimrezept ist die Mischung aus Altem und Neuem. Man hört Melodien heraus, die man von Acts wie Iron Maiden kennt und schätzt, jedoch nie von einem Metalcore Act vermuten würde.
"Acts wie Iron Maiden oder Metallica waren unsere Jugendhelden. Wir wollten den Sound dieser grandiosen Bands in einen aggressiven Mantel verpacken. Die Fans können jede Nummer mitsingen und bekommen trotzdem Thrash Riffs um die Ohren geblasen. Für uns ist das eine natürliche Sache."
Doch gehen wir noch weiter zurück in die Vergangenheit von Matt.
"Ich war 14 als ich zum ersten Mal Metallica auf MTV gesehen habe",
erinnert er sich mit einer spürbaren Begeisterung in seiner Stimme zurück.
"Ich saß auf dem Stuhl und konnte es gar nicht fassen, dass es so etwas begnadetes geben kann. Von diesem Moment an war mir klar, was ich werden möchte. Ich habe mir kurz darauf eine Gitarre gekauft und habe jeden einzelnen Metallica Song zu spielen gelernt. Metallica sind der Grund warum ich bin, was ich bin."
Zum damaligen Zeitpunkt gab es in Wales keine aktive Metal-Szene, weshalb Matt seine erste Gruppe Jeff Killed John ins Leben rief, wo bereits Gitarrist Michael Padge und Drummer Michael Thomas mitspielten. Der Erfolg hielt sich in Grenzen, während die Lostprophets und Funeral For A Friend immer größer und erfolgreicher wurden.
"Ich möchte diese Zeit nicht vermissen, wir hatten sehr viel Pech, aber um so mehr Erfahrungen gesammelt und gelernt an eine Sache zu glauben und zu kämpfen. Wir haben das acht Jahre lang gemacht, aber es ging nicht wirklich voran."
Die Musik veränderte sich jedoch nachdem Bassist Jason James in die Band einstieg und wenig später der Name in Bullet For My Valentine geändert wurde.
"Wir spielten die zweite Show unter dem neuen Namen, die Fans sind durchgedreht und am nächsten Tag meldeten sich die ersten Labels bei uns. Auf einmal hat sich all die Mühe ausgezahlt und unser Glaube an die Band und unsere Musik wurde belohnt."
Sicher ist, dass wir noch viel Freude mit Bullet For My Valentine haben werden und "The poison" schon jetzt eine der wichtigsten Metal Scheiben des Jahres ist. Vier neue Rockstars sind geboren.