Lange genug hat der gemischtgeschlechtliche britische Söldnertrupp sich im Hinterland verschanzt, nur sporadisch Ausfälle gewagt und ansonsten im Übungscamp fleißig an neuen Kampftechniken gefeilt. Wieder unter Drill-Instructor Karl Willets Kommando-...
Lange genug hat der gemischtgeschlechtliche britische Söldnertrupp sich im Hinterland verschanzt, nur sporadisch Ausfälle gewagt und ansonsten im Übungscamp fleißig an neuen Kampftechniken gefeilt. Wieder unter Drill-Instructor Karl Willets Kommando-Tonfall in Position gebracht feuern sie ein ohrenbetäubendes Salut auf "Those once loyal" ab. Riff-Kanonier Gavin Ward bekennt sich zur Sucht als Musikjunkie.
"Wenn es um mein Sammlerherz geht, dann sind Singles mein Fetisch, alte Metal Singles bis hin zu Hardcore und Punk Sachen. Als wir mit Bolt Thrower 1986 anfingen war die extreme Musikszene zumindest in England nicht so fragmentiert. Für mich selbst habe ich herausgefunden, dass verzerrte Gitarren und Doublebass-Drums mich am meisten begeistern. Ein gutes, griffiges Riff aus drei Akkorden ist unschlagbar. Ich mag extremen Gesang, deswegen bin ich auch King Diamond Fan. Klar kenne ich diese Entwicklung von Teilen der Hardcore-Szene, sich musikalisch an Metal Bands zu orientieren. Mit Heaven Shall Burn haben wir schon gemeinsame Gigs gehabt, eine fantastische Live-Band. Was die Medien angeht sind wir immer noch weitgehend auf Metal-Blätter abonniert, wobei speziell in England das Magazinangebot ein schlechter Scherz ist. Überhaupt fühlen wir uns auf dem Kontinent wesentlich wohler, unsere letzten England Dates liegen vier, jene davor weitere sieben Jahre zurück. Zudem haben wir mit Plastic Head hier den schlechtest möglichen Vertrieb. Ob wir vom momentanen Metal Trend profitieren können? Jedenfalls kommen alle einst aufgelösten Formationen wieder aus ihren Löchern."
Nun, aus ihren Höhlen treten Bolt Thrower auch nur alle Jubeljahre hervor - "Honour valour pride" hat nun auch schon seit 2001 Staub angesetzt.
"Zwischen ,For victory' und ,Mercenary' lag eine ähnlich lange Zeitpanne. Uns hat es selbst überrascht, wir hatten eigentlich nur die Hälfte der Zeit veranschlagt. Hinzu kommt der Verlust von Dave Ingram als Sänger und die Rückkehr von Karl inmitten des Songwritings. Dieser Prozess hat letztlich zweieinhalb Jahre in Anspruch genommen, es wurde schon fast lächerlich. Wir hatten am Ende 35 Songs in unterschiedlichen Stadien, manche in sieben oder acht Versionen. Es dauerte Wochen, alles auszudiskutieren. Natürlich gab es dann im Studio immer noch spontane neue Arrangements. Wir haben mehrere Festplatten voller Material und Riff-Ideen, die wir noch nicht verwendet haben, aber darauf greifen wir kaum zurück. Vor den eigentlichen Aufnahmen gab es eine Woche, in der wir die ausgewählten Stücke mit Karls Gesang in einer Vorproduktion ganz rau fixiert haben."
Im Studiotagebuch der Bandhomepage war von scherzhaften Alternativtakes mit verschiedenen Gesangsversionen im Stile von Nightwish bis Linkin Park die Rede, welche den Songs eine völlig neue Aura verpasst hätten.
"Diese Einlagen wurden von unserem Produzenten Andy zum Besten gegeben, er hat einfach zu den Instrumentalversionen gesungen. Mitgeschnitten hat das hoffentlich niemand. Es wird also nicht auf irgendeinem Boxset als kurioses Bonusmaterial verwendet werden - momentan sehe ich so etwas nicht auf uns zukommen."
Wobei Metal Blade in derlei Belangen bei anderen Zugpferden durchaus aktiv sind. Wie bereits gewohnt hat sich an der Hierarchie im Gitarristengespann nichts geändert.
"Baz hat die ganzen Soli auf seine Kappe genommen, auch wenn er es eigentlich gar nicht mag. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Leadgitarre in manchen Stücken steckt. Nimm nur 'At first light'."
Das Artwork mutet wie eine Metallprägung an, ist aber nicht vom selben Künstler wie "Fate of norns" von Amon Amarth.
"Es ist tatsächlich ein Metallkunstwerk, allerdings Bestandteil eines steinernen Kriegsdenkmals in London, welches an den ersten Weltkrieg erinnern soll. Der Rohstoff stammt von eingeschmolzenen Kanonen. Das darauf zu sehende Geschütz symbolisiert eine Szene aus Frankreich. Karl hat einige historische Schauplätze und Museen besucht, um für seine Texte zu recherchieren. Für ihn hat es sich angefühlt wie ein Neubeginn, da er schon lange keine Lyrics mehr für uns verfasst hat. Die Bedingung an ihn, wieder einzusteigen war, dass er sich nicht so schnell wieder davon macht. Dave hat dagegen dem Musikmachen wohl den Rücken zugekehrt und widmet sich in Dänemark seiner Familie."
Eine von Karl auf Demo Niveau eingesungenen Variante des letzten Albums existiert zwar, von einer Veröffentlichung nach dem Vorbild von The Crown möchte die Band jedoch absehen. Das Bolt Thrower darin durchaus konsequent sein können, beweist ihr Veto bezüglich eines vor Monaten diskutierten Live-Albums. Da das Label sich nicht dazu durchringen konnte, die CD zu einem herabgesetzten Verkaufspreis anzubieten, hat man das Vorhaben unterbunden.
"Dieses Demo diente nur dazu, seine stimmliche Verfassung zu prüfen und Karl nebenbei noch mit den Songs vertraut zu machen, die er nun teilweise Live zu interpretieren hat. Das war eine positive Erfahrung. ,K-machine' kann man auf unserer Homepage herunterlagen."
Zu den Texten vermochte Gavin mehr als nur rudimentäres zu erläutern.
"Der Song 'Entrenched' handelt davon, entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch noch siegreich aus einer Schlacht herauszugehen. 'The kilchain' thematisiert nicht Meuchelmorden durch Ersticken - es ist ein Fachbegriff aus dem Zeitalter des digitalen Schlachtfeldes. Als Ziel wird eine E-Mailadresse angegeben, die konsequent zugemüllt wird. Außerdem gibt es Vernetzung zu Waffensystemen. Im Irak hat man solche Methoden angewendet. Aber es gibt auch viele Verweise auf eine herkömmlichere Form von Kriegsführung, allerdings nicht als Glorifizierung. Das Titelstück verleumdet niemanden als Deserteur, die Betroffenen sind nicht mehr loyal, weil sie Tod sind. 'Anti tank' mussten wir einfach machen, bevor uns eine andere Band wie Marduk den Titel wegschnappt."
Wobei es dann auch zur Digitalen Kriegsführung gehört, potentielle Songtitel daraufhin abzuklopfen, ob sie nicht schon von zig anderen Bands genutzt worden sind. For victory.