Information
Pünktlich zu ihrem 20-jährigen Jubiläum versorgen Blind Guardian ihre Fans mit insgesamt acht remasterten Alben - darunter natürlich auch Tokyo Tales. Um ihren Hörern noch größeres Hörvergnügen zu bieten, wurde kräftig am Sound geschraubt. Doch damit nicht genug - Tokyo Tales enthält ein komplett überarbeitetes, neu gestaltetes und um einige Seiten erweitertes Booklet mit zahlreichen Blind Guardian Fotos. Als Bonus gibt es auf Tokyo Tales den Song Lord Of The Rings.
EMP Redaktion
von Markus Wosgien(23.06.2007)Der Grundstein wurde 1985 gelegt, als Hansi Kürsch zu Andre Olbrichs damaliger Schülerband stieß, die sich fortan in Lucifer's Heritage umbenannte. Der Sound war damals noch stark Iron Maiden beeinflusst, doch der Grundstein für Deutschlands führende Speed Metal-Band war gelegt. Thomen Stauch saß damals bereits hinter den Drums, verließ die Band jedoch und stieß erst wieder später, vor den Aufnahmen von "Battalions of fear" zur Band. Das zweite Lucifer's Heritage Demo "Battalions of fear" zeigte die musikalische Marschrute schon deutlicher und enthielt Klassiker wie "Majesty", "Run for the night", "Trial by the archon" und den Titelsong. Das Talent wurde entdeckt und verhalf der Band zu ihrem ersten Plattenvertrag. Während der Studioaufnahmen zu ihrem ersten Longplayer "Battalions of fear" benannten sich Lucifer's Heritage schließlich in Blind Guardian um, da ihnen der alte Name doch zu umpassend und extrem schien. Die Neuauflage des legendären Blind Guardian Debuts enthält nun das erste Demo "Symphonies of doom", während auf dem Meilenstein "Follow the blind" das zweite Demo "Batallions of fear" enthalten ist. Mit "Tales from the twilight world" zeichnete sich der Durchbruch der Krefelder schon langsam ab, vor allem "Lord of the rings" mauserte sich zur Hymne. Die Neuauflage enthält zudem Demo Versionen von "Lost in the twilight hall" und dem Steven King inspirierten "Tommyknockers". Ihr viertes Studioalbum "Somewhere far beyond" sorgte schließlich für den finalen Durchbruch. Die klassische und orchestrale Komponente wurde nun immer stärker, was nicht zuletzt an dem Faible für Acts wie Queen lag. Darauf enthalten auch das grandiose "The bard's song", das seither auf keinem Konzert von Blind Guardian fehlen darf. Als Bonus gibt es zwei brandneue Remixe von "Ashes to ashes" und "Time what is time". "Lord of the rings" gibt es als Bonus Live-Track auf "Tokyo tales", während das grandiose "Imaginations from the other side" mit drei Demo-Versionen von "A past and future secret", "The script for my requiem" und dem Titelsong aufwartet, sowie den beiden Videos zu "Bright eyes" uind "Born in a mourning hall". Exzellent und anders präsentierte sich die Band auf "The forgotten tales", worauf Cover-Versionen und alternative Mixe bestehender Hymnen standen. Zusätzlich auf der Neuauflage sind die drei Nummern "Hallelujah" (Fleetwood Mac), "Beyond the realms of death" (Judas Priest) und "Don't talk to strangers" (Dio), sowie Clips von "Mr. Sandman" und "The bard's Song". Den Abschluss der Serie bildet "Nightfall in middle earth" mit dem Bonustrack "Harvest of sorrow". 20 Jahre Blind Guardian - definitiv ein Grund zu feiern und die liebevoll gestalteten Neuauflagen lohnen sich durch die Bank! Nicht zuletzt durch die beiden erstmal veröffentlichten Lucifer's Heritage Demos.
Interview
Bescherung im Februar
von Matthias Mader (28.12.2012)Die Bescherung für alle Anhänger von Blind Guardian hat lange auf sich warten lassen: Weihnachten also diesmal im Februar. Aber das kennt man ja bereits von den Krefelder Edelmetallern: gut Ding braucht eben Weile. Da wird nichts übers Knie gebrochen...
WeiterlesenDie Bescherung für alle Anhänger von Blind Guardian hat lange auf sich warten lassen: Weihnachten also diesmal im Februar. Aber das kennt man ja bereits von den Krefelder Edelmetallern: gut Ding braucht eben Weile. Da wird nichts übers Knie gebrochen oder voreilig durch die Qualitätskontrolle gewunken. Dementsprechend ist die 15-CD-Box "A traveler's guide to space and time" aber auch das erwartete Referenzwerk geworden! "Als wir den Auftrag bekommen haben, ist das von uns doch wieder einmal unterschätzt worden", stöhnt Obersympath Hansi Kürsch. "Am Ende war es zum wiederholten Male ein Projekt von locker sechs bis sieben Monaten." Dafür bekommen die Fans indes eine satte Vollbedienung von 15 CDs, mit allen Bonus-Tracks, die es jemals gab: von "Battalions of fear" bis "An extraordinary tale" (Live-Raritäten und Demos). Das Ganze ist weltweit auf 8.000 Stück limitiert. Das Material liegt in digital re-masterter (und partiell auch komplett neu abgemischter) Form vor, worauf Herr Kürsch großen Wert legt: "Das dauert natürlich alles seine Zeit. Wir wollten wirklich nichts Halbgares auf den Markt werfen. Dafür ist uns die ganze Sache doch zu wichtig! Im Vordergrund stand für uns bei der Box, dass man dem kompletten Material keine Dynamikunterschiede anmerkt. Natürlich wird ein Demo anders klingen als etwa ,Imaginations from the other side' oder ,A night at the opera', aber man kann quasi die gesamte Box an einem Stück durchhören und sie klingt trotzdem irgendwie organisch und einheitlich. Natürlich muss man am Ende des Tages jedes Album so nehmen, wie es ist, doch auf eine gewisse Transparenz haben wir schon geachtet. Wir haben ja auch die jüngeren Studioalben noch einmal neu abgemischt, was zur Folge hat, dass man auf modernen High-End-Geräten doch noch einige neue Nuancen entdecken kann. Ich habe mich früher immer gewundert, dass die Leute behauptet haben, ,Batallions of fear' und ,Follow the blind' würden auf CD so gut klingen. Die sind ja damals ursprünglich nur auf Vinyl erschienen und waren gar nicht als CD vorgesehen. Die ersten digitalen Mixe für diese beiden Platten wurden erst vor circa fünf Jahren erstellt. Klar, die restlichen Alben sind danach gleich auf CD erschienen. Da war die Brisanz dann nicht mehr so hoch. Aber natürlich hört man auch bei diesen Alben in der jetzigen Form einen riesigen Unterschied." Laut Hansi Kürsch ist die Veröffentlichung von "A traveler's guide to space and time" so etwas wie der Abschluss einer Ära. Aber selbstverständlich haben sich Blind Guardian sofort ein neues Ziel gesteckt: "Unser Orchesterprojekt ist immer noch in der Schwebe. Wir gehen da weiterhin positiv heran und hoffen, dass es vor unserem 30. Jubiläum abgeschlossen sein wird. Wir denken perspektivisch in der Tat in alle Richtungen. Zurzeit ist es jedoch noch die Idee eines klassischen Blind Guardian-Albums, das gesanglich nur von mir dargeboten wird. Konzeptionell ist aber auch eine Story vorstellbar, die zugleich auf andere Gastsänger übertragbar ist. Von daher ist auch der Gedanke, das Ganze um die Welt zu schicken und tatsächlich wie eine Rockoper aufzuführen, sicherlich nicht ganz auszuschließen. Aber wir werden bestimmt nicht den dritten Schritt vor dem ersten machen ..."
Unverbesserliche Perfektionisten
von Matthias Mader (14.12.2011)Ich möchte nicht so weit gehen und Blind Guardian, was die Frequenz ihres Studio-Outputs angeht, als die deutsche Antwort auf Def Leppard bezeichnen, aber formulieren wir es diplomatisch: Es gibt auf diesem Planeten sicherlich schnellere Bands... Ers...
WeiterlesenIch möchte nicht so weit gehen und Blind Guardian, was die Frequenz ihres Studio-Outputs angeht, als die deutsche Antwort auf Def Leppard bezeichnen, aber formulieren wir es diplomatisch: Es gibt auf diesem Planeten sicherlich schnellere Bands... Erscheint nicht jedes gefühlte halbe Jahr eine neue CD oder DVD von Saxon? Sei es, wie es sei - im Hause Blind Guardian wurde Qualitätskontrolle bereits seit der Geburtsstunde groß geschrieben. Und das ist immerhin schon 9.125 Tage her. Schlappe 25 Jahre mussten die Fans auf die erste "Best Of"-Collection in der Geschichte von Blind Guardian warten. Dafür ist "Memories of a time to come" aber auch keine schnöde Vorweihnachtszweitverwertung geworden. Ganz im Gegenteil. Die 31 Stücke der 3-CD-Vollversion sind nicht nur mit Liebe zusammengestellt, sondern auch zeitintensiv nachbearbeitet worden. Wobei wir bereits mitten im Thema sind. Hansi Kürsch ist wie immer ein bodenständiger, ehrlicher und durchaus redseliger Gesprächspartner. Er verrät mir, wie Blind Guardian es hinbekommen haben, dass die drei Silberlinge einen derartigen "Flow" an den Tag legen. Denn obwohl man sich nicht an eine chronologische Herangehensweise gehalten hat, entstehen stilistisch und klanglich kaum Brüche: "Wenn wir schon eine Best Of machen, dann soll das auch amtlich werden. Das haben wir uns gedacht. Im Detail heißt das, dass wir möglichst viel neu einspielen oder zumindest remixen wollten. Das Ganze sollte technisch auf einem einheitlichen Level sein, was logischerweise ein bisschen Zeit in Anspruch genommen hat. Wir haben von vornherein gesagt, dass wir eine Menge Zeit investieren müssen, um eine Nummer wie ,Majesty' auf das Level eines Stückes von der ,Immaginations ...' oder ,At the edge of time' zu bringen. Dazu mussten wir zumindest einen Remix machen. Dadurch haben wir schon mal ein zusammenhängendes Soundgefüge hinbekommen - das war ganz wichtig. Zu unserem Glück kommt dazu, dass bei Blind Guardian im Songwriting immer ein roter Faden zu erkennen war - egal wie wir uns über die Jahre hinweg auch verändert haben. Die Songs lassen sich miteinander doch sehr gut mischen, auch wenn man nicht in der chronologischen Abfolge bleibt. Ansonsten haben wir versucht, wie auch bei den Studioalben, szenisch zu denken, also eine gewisse Dramatik aufzubauen. Unser Ziel war es, dass der Hörer gar nicht bemerkt, dass es sich um ein Konstrukt handelt, was ursprünglich gar nicht so geplant war. Das war sicherlich in gewisser Weise eine Arbeit, die nach dem Prinzip Trial & Error funktioniert hat. Zwischendurch bei der Produktion bekommt man ja immer eine Art Tunnelblick aber ganz am Ende war ich ebenfalls froh, wie gut wir das Projekt umgesetzt haben."
Schwierig war ganz bestimmt auch die Entscheidung darüber, zu entscheiden, welche Stücke denn nicht nur neu abgemischt, sondern gänzlich neu eingespielt werden sollten. Hansi nickt: "Ursprünglich wollten wir nur drei Songs komplett neu einspielen, kurz vor der Deadline sind es dann doch noch vier geworden. 'Bard song - Forest' haben wir ganz am Ende noch einmal neu aufgenommen. Wir haben die neu einzuspielenden Songs danach ausgewählt, wie zeitaufwändig sie gewesen sind. Dazu kam, dass wir eine bestimmte Vision hatten: Was passiert, wenn wir diesen oder jenen bestimmten Song heute noch einmal neu aufnehmen? Tut sich da irgendwas? Bewegt sich das auf dem gleichen Level, wird man besser, wird man schlechter? Das waren so unsere Kriterien. Bei 'And then there was silence' gestaltete sich das ein wenig anders. Das war auch vor zehn Jahren schon eine echte Mauer, die sich da vor uns auftürmte. Es war jetzt abermals eine Herausforderung zu schauen, ob wir zehn Jahre später noch besser in der Lage sind, das rüberzubringen, was wir eigentlich bewirken wollten. Wir waren in dem festen Glauben, dass wir das diesmal auch ein wenig schneller schaffen würden als wir das damals getan haben. Dem war natürlich nicht so. Es handelte sich abermals um eine absolut zeitaufwändige Sache. Die restlichen drei Songs gingen uns dann wesentlich einfacher von der Hand, aber die waren generell auch ein wenig einfacher einzuschätzen (und auch umzusetzen)."
Für ausgewiesene Blind-Guardian-Fans befinden sich die wirklichen Schmankerl von "Memories of a time to come" auf Silberling Numero drei. Dort gibt es die beiden Demos von Lucifer's Heritage, "Symphonies of doom" (von 1985) sowie "Batallions of fear" (1986), in digitaler Form zu hören. Dazu noch weitere sechs Raritäten und alternative Takes. Hansi Kürsch holt weit aus und gewährt dann einen ausführlichen Blick ins Schatzkästchen der Krefelder Fantasy-Metaller: "Die ursprüngliche Kassette des ersten Demos wurde irgendwann digitalisiert. Dabei ist uns ein Überspielfehler unterlaufen. Das hat dafür gesorgt, dass das Demo auf den Re-Masters von 2006 oder 2007 auf einer zu schnellen Geschwindigkeit zu hören war. Das ist uns blöder Weise erst im Nachhinein aufgefallen und wir mussten es natürlich beheben. Jetzt klingt's richtig und macht auch wieder Sinn. Auf den alten Versionen klingt die Stimme immer ein wenig 'over the top', ein wenig nach Micky Maus. Beim zweiten Demo fehlt auf der CD 'Gandalf's rebirth', weil der Song später ein fester Bestandteil des Albums 'Batallions of fear' geworden ist. Die Version vom Demo ist eigentlich auch fast identisch auf dem Album gelandet. Deswegen fehlt die Nummer auf dieser Compilation. Das Demo zu 'Batallions of fear' ist vor vier Jahren schon einmal re-mixed worden und ist in dieser Form auch auf den Re-Masters vertreten gewesen. Die restlichen sechs Stücke der Compilation sind dann tatsächlich Demoaufnahmen, die wir damals für die jeweilige Produktion aufgenommen haben. Da sind wir stellenweise vorher noch in ein semi-professionelles Studio gegangen und haben selbst produziert."
Das ergibt am Ende definitiv ein rundes Bild, aber explizit unveröffentlichte Kompositionen gibt es auf "Memories of a time to come" nun auch wieder nicht. Hält man da noch Material in der Hinterhand für eine spätere Werkschau? Hansi Kürsch lacht: "Es gibt in der Tat so eine Art Archiv-Thema der Virgin-Alben. Da kann es schon sein, dass es da früher oder später noch einmal etwas komplett Unveröffentlichtes zu hören geben wird. Aber so wahnsinnig viel Unveröffentlichtes, was dann auch fertig gestellt worden ist, das gibt es von uns gar nicht."
Die Vierjahresregel
von Jürgen Tschamler (28.06.2010)Erneut ließen Blind Guardian die Fans vier Jahre auf ein neues Album warten. Aber Deutschlands mächtigste Waffe in Sachen Fantasy Metal liefert dafür mit "At the edge of time" ein mächtiges Album ab, welches musikalischen Fort-/Rückschritt clever ver...
WeiterlesenErneut ließen Blind Guardian die Fans vier Jahre auf ein neues Album warten. Aber Deutschlands mächtigste Waffe in Sachen Fantasy Metal liefert dafür mit "At the edge of time" ein mächtiges Album ab, welches musikalischen Fort-/Rückschritt clever verbindet und das neunte Studioalbum zu etwas Besonderem in der bisherigen Discographie werden lässt. Bandleader Hansi Kürsch trat kurz zum Smalltalk an. "Ich denke, wir haben es geschafft, uns neu zu definieren und uns nicht zu kopieren, in dem wir auch wieder die alten Qualitäten so gut wie möglich versucht haben zu featuren", steigt Hansi ins Gespräch zum neuen Album ein. "Woher die Änderungen auf dem neuen Album kamen ist schwer zu sagen, denn es ist eher ein sehr spontanes Album geworden. Wir haben wie immer begonnen und es sind ja, wie schon auf den Alben zuvor, auch einige aufgeblasene Songs vorhanden. Schon beim Komponieren haben wir gemerkt, dass wir in eine bestimmte Richtung gehen, sind aber im weiteren Verlauf nicht darauf eingegangen, sondern haben es einfach laufen lassen."
Wiederum war ein Orchester Teil der Aufnahmen. Ist das Arbeiten mit einem Orchester das sogenannte Sahnehäubchen für einen Musiker, um seine musikalische Kreativität auszureizen? "Ich denke schon. Du kannst heutzutage zwar alles mit Keyboards machen, aber letztendlich ist das Resultat auch dementsprechend. Wir haben das bei ,Sacred worlds' wahrgenommen, die erste Version wurde ja für das Computerspiel ,Sacred 2-Fallen Angel' aufgenommen und da haben wir gesehen, dass man da viel mehr mit einem echten Orchester rausholen kann. Man braucht allerdings die richtigen Leute dafür, die das nicht nur auf dem Keyboard bringen, sondern das real umzusetzen wissen." Wer kam auf die Idee, den Hit "You're the voice" von John Farnham zu covern und auf die vorab erscheinende Single "A voice in the dark" zu packen? "Das waren André und ich. Wir sind ja bekannt dafür, dass wir uns an solchen Sachen hin und wieder vergreifen. Man erinnere sich an ,Dream a little dream of me' von den Mamas And The Papas, das wir gecovert haben. Es stellt sich für uns immer die Frage, ob es ein Songs ist, der uns wirklich gefällt und das war bei ,You're the voice' so. Wir fanden den Refrain großartig mit dem Sing-a-long Charakter und haben uns dann an die Arbeit gemacht. Dabei haben wir festgestellt, dass der Track ziemlich schwer umzusetzen ist. Aber letztendlich sind wir mit dem Resultat zufrieden." Inklusive des neuen Albums, habt ihr für die letzten vier Alben jeweils einen 4-Jahresrythmus eingehalten. Zufall oder steckt da mehr hinter? "Letztendlich ist es Zufall, aber man kann sogar noch weiter zurückgehen. ,Imaginations from the other side' ist nicht weit davon entfernt gewesen. Es liegt wahrscheinlich daran, dass wir nach jedem Album fast eineinhalb Jahre am touren sind. Dann dauert es ziemlich lange, in der Regel bei uns um die zwölf Monate, bis wir mit neuen Ideen rumkommen, die auch tatsächlich eine Weiterentwicklung für uns darstellen. Bis dann die einzelnen Songs aufgebaut sind..... nun ja, da ziehen schnell mal vier Jahre ins Land." Kürzlich hörte ich einen kuriosen Vergleich, der mich allerdings sehr schmunzeln lies: Hansi Kürsch sei der Chris De Burgh des Heavy Metal! Schmerzt das? "Äh,...... (lacht), es gab schon schlimmere Vergleiche...(lacht wieder). Es liegt wohl an dem Bardenimage, das er hat oder an den dunklen Augenbrauen, die er und ich haben. Also ein optischer Vergleich. Stimmlich finde ich den ok, aber ansonsten finde ich den Vergleich schon sehr kurios."
Die Krefelder Metal-Mafia
von Lisa Hofer (05.04.2007)Mit ihrem facettenreichen Album "A tiwst in the myth" haben Blind Guardian im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass man sich nun nach weiteren musikalischen Kunstwerken der Band sehnt. Die zweite Single "Another stranger me" überrascht mit fünf origin...
WeiterlesenMit ihrem facettenreichen Album "A tiwst in the myth" haben Blind Guardian im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass man sich nun nach weiteren musikalischen Kunstwerken der Band sehnt. Die zweite Single "Another stranger me" überrascht mit fünf originellen Songs und einem Video-Clip. Ausnahmesänger Hansi Kürsch nimmt Stellung.
"Wie schon bei ,Fly' war es uns wichtig einen Song zu veröffentlichen, der ein wenig vom herkömmlichen Blind Guardian-Konzept abweicht. Eine Single ist auch eine Art Statement. Die Nummer hat einen sehr modernen und individuellen Touch und besitzt ein gewisses Crossover-Potential", so Herr Kürsch zur Wahl der Single. Auch der Video-Clip zu "Another stranger me" ist ein kleines Filmkunstwerk. Die Idee dazu stammt von der Band selbst: "Unsere Vorgaben waren, wie bei unseren Artworks sehr konkret. Umsetzen müssen es aber letztlich andere und deren Anteil erfordert eine Menge Fantasie. Wir vermitteln dem Videoteam die Message der Lyrics und erörtern anhand von Beispielen, wie wir uns die thematische Umsetzung vorstellen. In diesem Fall gingen unsere Visionen in Richtung ,Angel heart', ,Fightclub' und ,The ring', was die Leute vom Videoteam trefflich aufgegriffen haben." Hansi erinnert sich an die Klamotten: "Ähnlich wie bei der Fotosession zu ,Nightfall' mussten wir uns durch ziemlich dämliche Kostüme und damit verbunden zahlreiche vollkommen überflüssige Diskussionen mit total verrückten Typen quälen. Die Probleme sind immer dieselben: Metal-Typen müssen Ketten und Fellumhänge tragen. C&A Konfirmationsanzüge, die logischerweise nicht unseren Größen entsprechen gelten als edel und irgendwelche bunten Designer T-Shirts mit Löchern als schick. Da wird einem dann das fehlende Jackett, das eigentlich zum Outfit von Marcus gehören würde, als optischer Knaller verkauft oder Frederik als cooler Mafioso gestylt, der aber in Wirklichkeit aussieht als ob er in jeder Gay-Bar als Kellner Karriere machen könnte. Wir versuchen das Beste aus solchen Situationen zu machen und finden uns damit ab Scheiße auszusehen. Beim Video-Clip war das zum Glück besser, da passte das Outfit obwohl es nicht mehr viel mit der ursprünglichen Mafia-Idee zu tun hat." Mit "Dream a little dream" (u.a. The Mamas & The Papas) haben Blind Guardian einen Klassiker ins Fantasy-Kostüm gesteckt - und die Rechung geht auf! "The Mamas & The Papas haben ein paar richtig geile Nummern. Privat höre ich so was selten, trotzdem habe ich ,Dream a little dream' immer gemocht und freue mich, wenn es irgendwo läuft. Unabhängig davon habe ich mich oft beim Summen des Songs erwischt, was mir als Qualitätsmerkmal diente", so Hansi. Auch der neue Track "All the King's horses" verzaubert den Hörer: "Er wurde im Zuge des ,A twist in the myth'-Albums komponiert, um den Fans etwas einzigartiger bieten zu können haben wir ihn aber für die Single aufbewahrt." Ein kluger Schachzug, denn neben zwei hochwertigen Demo-Versionen ist die Nummer ein unumstößlicher Kaufgrund für "Another stranger me".
ZITAT
Die Probleme sind immer dieselben: Metal-Typen müssen Ketten und Fellumhänge tragen
Mythen aus der sagenhaften Songschmiede
von Lisa Hofer (05.07.2006)Dank unermesslicher Liebe zum Detail und bedingungsloser Leidenschaft erschaffen die Ringträger mit jedem Silberling einen individuellen Mythos. Es sind die unverkennbaren Ingredienzien von Blind Guardian, die in den Stücken zu einem berauschenden Ge...
WeiterlesenDank unermesslicher Liebe zum Detail und bedingungsloser Leidenschaft erschaffen die Ringträger mit jedem Silberling einen individuellen Mythos. Es sind die unverkennbaren Ingredienzien von Blind Guardian, die in den Stücken zu einem berauschenden Gemisch zusammengebraut werden und ihre Wirkung niemals verfehlen. Das Genie spricht aus jeder Note und versetzt die Fans in Euphorie, auch beim jüngsten Werk der Krefelder wird mit dieser Tradition nicht gebrochen. "A twist in the myth" schlägt eine Brücke zwischen den Werten der Vergangenheit und innovativen Ansätzen. Sänger Hansi Kürsch und Gitarrist Andre Olbrich gewährten einen Einblick in ihre sagenhafte Songschmiede.
"Die Arbeiten zur neuen Platte haben sehr viel Spaß gemacht, wir waren alle super relaxt und die Rahmenbedingungen haben gestimmt. Die gesamte Produktion lief reibungslos ab, das spart viel Kraft. Nun können wir uns gänzlich unverbraucht unserer Tour widmen", berichtet Hansi voller Energie. "Wenn wir das Resultat nun anhören stellt sich ein absolutes Glücksgefühl ein, auch nach mehrfachem Hören kann man sich nicht gegen die Gänsehaut erwehren, das Album ist einfach eine runde Sache und erfüllt einen mit Stolz", fügt Andre strahlend hinzu. Das positives Resümee der Entstehung von "A twist in the myth" überrascht beinahe schon, schließlich verzögerte sich die Veröffentlichung um rund einen Monat da Hansi erkrankte: "Ich litt unter vereiterten Nebenhöhlen und hatte obendrein noch eine Mittelohrentzündung. Anfangs habe ich das gar nicht wahrgenommen, ich habe mich einzig darüber gewundert, dass ich plötzlich nicht mehr im Stande war das geplante Tagespensum zu erfüllen - schließlich habe ich die Notbremse gezogen um mich richtig zu erholen. Theoretisch hätte ich auch weiterarbeiten können, der Unterschied wäre nur gering gewesen, doch wenn man sich über zwei Jahre Zeit nimmt um Songs zu schreiben und dann im Studio nicht alles geben kann widerspricht sich das. Zudem ist die Gefahr groß, dass man sich im angeschlagenen Zustand überlastet und die Stimme langfristig darunter leidet, das gilt es zu vermeiden." Andre merkt an: "Du hast dich schon anders angehört, es klang eben stark erkältet. Deine Nase war verstopft, was aber auch Vorteile hat, denn so nimmt man beim Singen seine Resonanzkörper deutlich wahr und kann die hohen Töne besser halten. Trotzdem schien es uns unangebracht bei der wichtigsten Komponente, dem Gesang, einen Kompromiss einzugehen. Wenn man an der Perfektion arbeitet möchte man keine kranken Vocals auf der Platte haben"! Glücklicherweise gelang es Produzent Charlie Bauerfeind seinen dichten Terminplan an die Band anzupassen, sodass die Aufnahmen nach Hansis Genesung unverzüglich fortgesetzt werden konnten.
Von all den Schwierigkeiten ist auf dem Endprodukt nichts zu erahnen, die Stimmgewalt und Inbrunst, mit der der Ausnahmesänger seine Sache meistert strotzen vor Professionalität und großen Gefühlen. "Meine Stimme polarisiert sehr stark, entweder liebt oder man hasst man sie. Letzteres kommt allerdings nicht so häufig vor, und wenn doch handelt es sich um jene Menschen die das gesamte Paket Blind Guardian ablehnen. Der Gesang macht einen großen Teil des Gesamtkonzepts aus. Ich habe gelernt mit Kritik umzugehen und finde es völlig in Ordnung, wenn sich die Geister an uns scheiden. Jemand der mir sagt, dass unsere Musik ganz ok ist verletzt mich eher, als jemand der uns scheiße findet, natürlich muss er Argumente dafür vorbringen. Mittelmaß zu sein wäre wirklich schlimm. Wir haben immer schon auf unsere Eigenständigkeit geachtet und unsere Idole niemals kopiert", so Hansi. Stilistische Feinheiten sind die Folge dieser Prinzipien, typische Elemente die jeden ihrer Songs bereichern, sodass die Herkunft der Nummer niemals verleugnet werden könnte.
Textlich wagen die Fantasy Freunde den Weg über die Grenzen von Mittelerde. "Die Musik hat sich dazu angeboten neue Themen einzubeziehen. Für einige Songs waren verschiedene Werke der fantastischen Literatur Inspirationsquelle, so etwa ,The dark tower' von Stephen King oder ,Wilde Reise durch die Nacht' von Walter Moers. Ansonsten haben wir unsere Gedanken frei gegeben und uns von den unterschiedlichsten Eindrücken berieseln lassen, so auch bei ,Fly', das sich am Streifen ,Finding Neverland' orientiert. ,The edge' befasst sich mit dem Apostel Paulus und der Art, wie er die Christuslegende geschaffen hat, in ,Turn the page' geht es um den Kult der Wicca Hexen, es ist also eine bunte Mischung. Wir sind nach wie vor für Tolkien Themen offen und es kann gut sein, dass wir diese künftig wieder weiter in den Mittelpunkt rücken, doch auf ,A twist in the myth' hätten solche Geschichten mit dem musikalischen Konzept nicht harmoniert", geht Herr Kürsch auf den Ausflug fernab des Auenlandes ein. Wie er mit J.R.R. Tolkiens Fantasiewelt in Berührung kam weiß er noch genau: "Ich war vierzehn Jahre alt und habe nur Horror Romane gelesen, als mir ein Klassenkammerad den Hobbit als Lektüre empfahl. Das Buch hat mich durch und durch begeistert, allerdings konnte ich mir die ,Herr der Ringe' Bände damals noch nicht leisten. Als ich achtzehn war hat mir meine Schwester die Trilogie zu Weihnachten geschenkt und dann war es endgültig um mich geschehen." Andre kam über ein Videogame zum Hobbit: "Eines meiner ersten Computerspiele handelte von dieser Geschichte und ich war völlig verblüfft, dass Hansi sich so gut auskannte, alles wusste und daraus einen großen Nutzen im Spiel zog. Er legte mir ans Herz den Roman selber zu lesen und tatsächlich hat mich der Hobbit fasziniert." Auch an der spektakulären Verfilmung des Jahrhundertwerkes finden die beiden Musiker Gefallen: "Natürlich ist die Story nicht 1:1 umgesetzt, dafür dass der Regisseur nur wenig Zeit hatte sind ziemlich viele Details enthalten. Hätte Peter Jackson alles unterbringen wollen, was Tolkien niedergeschrieben hat hätte er wohl an die 180 Stunden Laufzeit dafür gebraucht. Er hat seine Arbeit sehr gut gemacht, ,Herr der Ringe' steht bei mir auf einem Level mit ,Starwars'", so Andre und Hansi stimmt ihm zu und schwelgt in Erinnerungen: "Damals kam mit ,Starwars' der ganze Merchandise ins Rollen, das war das allererste Mal, dass man Figuren aus einem Film, kleine Roboter, kaufen konnte."
Ganz klar, die beiden könnten sich noch lange über die gute alte Zeit, das Kino und ihre Erinnerungen daran unterhalten. Vielleicht liegt es auch an besagtem Interesse, dass Blind Guardian stets darum bemüht sind eigene Ideen in ihre Musikvideos einzubringen. So wird es auch beim jüngsten Clip der Fall sein: "Unsere nächste Single ist ,Another stranger me', dazu werden wir auch ein Video drehen. Im Text zu dem Song geht es um Schizophrenie und das sollte sich auch ganz deutlich im Bildmaterial widerspiegeln. Dabei kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen, man muss nicht versuchen einen Hobbit darzustellen oder uns in tschechische Bauernkleider stecken", so Hansi. Tschechische Bauernkleider? Der Sänger und Komponist ist um eine Erklärung nicht verlegen: "Es passiert leider immer wieder: Wenn ein Fantasy Clip für eine Metal Band gedreht wird tendieren die Produzenten dazu die Musiker in irgendwelche Karnevalskostüme zu stecken. In tschechischen Filmproduktionen sehen die edlen Herren oder Ritter immer genauso aus ..." Im Clip zu "Another stranger me" werden die Herren Kürsch und Olbrich samt Bandanhang auf jeden Fall zu sehen sein, welche Charaktere die kreative Combo für sich erfindet wird sich zeigen.
Bei der Begeisterung die die beiden für jede Art von künstlerischer Aktivität an den Tag legen kann man von Glück reden, dass sie letztlich bei der Musik gelandet sind. Die Faszination am Musikerdasein liegt für Hansi im Erschaffen von etwas Neuem und eben dieser Weg war für beide vorgezeichnet. André erzählt: "Ich habe mit zwölf Jahren angefangen Gitarre zu spielen, denn ich war ein riesengroßer Kiss Fan und wollte Ace nacheifern. Mit vierzehn habe ich mich dann nach einer Band umgesehen, damals habe ich davon geträumt einmal mein Geld damit zu verdienen und berühmt zu werden." Wahre Talente kann man eben nicht bremsen, und so schlug auch Hansi den richtigen Pfad ein, wenn anfangs auch widerwillig: "Ich hatte eigentlich fest vor Fußballer zu werden, wie jeder Junge eben, in dem Punkt erfülle ich alle männlichen Klischees," scherzt Herr Kürsch und merkt an: "Nebenbei habe ich noch ein wenig Gitarre gespielt, aber das war eigentlich nur Spaß. Aus dem Fußball wurde nichts, ich habe mich relativ früh verletzt und konnte nicht mehr richtig trainieren. Im Nachhinein bin ich aber sehr froh darüber, denn vermutlich hätte es nicht für eine große Karriere gereicht und ich hätte zu viel Zeit damit verplempert diesem Wunschtraum erfolglos nachzuhängen. Vom Gitarristen bin ich über den Bassisten zum Sänger avanciert, das hat aber seine Zeit gebraucht."
In der Tat kann man von Glück sprechen, dass das Leben die beiden in diese Bahnen gelenkt hat, denn wäre Hansi heute Teil der Fußball Nationalmannschaft wären der Musikwelt Meisterwerke wie "A twist in the myth" wohl auf ewig verwehrt geblieben.