Information
Melodischer Death Metal im großen Stil von At the Gates!
EMP Redaktion
von Markus Eck(07/03)Die Dahlie ist eine nach dem schwedischen Botaniker Dahl benannte Zierpflanze. Dessen Heimatland macht dieses US-Outfit einige Ehre - jedoch weniger durch botanische Versiertheit als durch pfeilschnellen Melodic Death Metal bester At the Gates-Manier. Die fünf Dahlienmörder kommen hier aus Detroit, Michigan; ihr Bandname entstammt einem ungelösten Kriminalfall. Spannend wie ein Krimi Noir ist auch der Klangausstoß dieser geilen Band, welchen das kompositorisch pechschwarz gesinnte Blumenmörderquintett mit einigem Biss zelebriert. Auch tief prägende Brutaleinflüsse von unsterblichen Legenden wie Dissection und Carcass auf "Unhallowed" stolz geltend machend, überreichen The Black Dahlia Murder mittels dieses enorm schmissigen Debutalbums einen ganzen Dahlienstrauß an Dunkel schillernden Songblüten prachtvoller Erscheinung. Und die hier freigesetzte musikalische Energie ersetzt glatt einen Atommeiler, selten spritzte solcherlei entfesselte Spielfreude zwischen den Todesstahlpartituren hervor. Sich über speedige Axtarbeit und kraftstrotzendes Schlagzeuginferno vermittelnde Extremintensität, destruktive Attitüde und geifernder Amokgesang verleihen diesen feurigen Debutanten einigen Reiz.
Interview
Satanischer Gospel
von Björn Thorsten Jaschinski (22.06.2011)Schon mit "Nocturnal" hatten The Black Dahlia Murder vor einigen Jahren ein Faible für schwarzmetallische Komponenten an den Tag gelegt. Ihr neues Album "Ritual" legt noch eins drauf. Sänger Trevor beschreibt sich selbst zwar nicht als religiös, aber...
WeiterlesenSchon mit "Nocturnal" hatten The Black Dahlia Murder vor einigen Jahren ein Faible für schwarzmetallische Komponenten an den Tag gelegt. Ihr neues Album "Ritual" legt noch eins drauf. Sänger Trevor beschreibt sich selbst zwar nicht als religiös, aber definitiv als antichristlich motiviert. "Meine Religion ist höchstens Musik, Metal. Der Albumtitel verweist auf schwarze Magie, spielt aber auch auf die Leidenschaft unserer wahnwitzigen Fanbase an. Für sie sind unsere Alben der Gospel und die Konzerte das Ritual. Die Symbole des Covers legen die Dualität eines satanischen Rituals dar. Auf der Unterseite sieht man zwei Charaktere auf der Erde, die nach Satan greifen. Ganz oben ist er selbst mit seinem Rat, der das Ritual empfängt. Satan ist für mich der beste Bezugspunkt, weil er das Gegenteil des Christentums verkörpert. Nichts fürchten Christen mehr, als ihn und die Hölle. Ich bewundere viele Aspekte der satanischen Lehre, weil sie für mich eine sehr positive und aktive Lebensgestaltung ergeben. Satan repräsentiert die Freiheit von den Ketten einer christlich unterjochten Welt. Ich verstehe aber, warum die Menschen überall in verschiedenen Religionen ihr Heil suchen. Sie sind nie mit dem zufrieden, was sie haben. Sie haben Angst davor, zu akzeptieren, dass keine höhere Macht für sie sorgt und dass ihr Leben bedeutungslos ist." Trevor ist seit Kindheitstagen von der dunklen Seite des Lebens fasziniert. "Ich habe Kulte, rituellen Missbrauch und Menschenopfer studiert und jede Menge weiteren grässlichen Stoff. Ich liebe es, in diese Horrorwelten einzutauchen um die verstörendsten Texte zu schreiben. Dabei mag ich mein Leben zwar mehr an satanischen Lehren auslegen, als nach irgendeiner anderen Religion, aber ich bin dabei wirklich nur ein Beobachter." Musik und Texte haben sich dabei gegenseitig befruchtet. "Die Texte sind nicht zu weit von einigen makabren Themen der Vergangenheit entfernt, aber zugespitzter. Ich wollte mich selbst schocken und die anderen Jungs machten es zu ihrer Mission, die Riffs bösartiger zu gestalten. Die Soli beziehen sich direkt auf die spezifischen Songinhalte, was beim Opener ,A shrine to madness' am besten funktioniert hat. Das Solo verkörpert diese unheimliche Halloween-Stimmung, die der Text beschreibt. Die gruseligen Piano- und Streichereinlagen haben dieselbe Funktion und erzeugen mehr Drama. Fantasytexte, die dennoch eine tiefere metaphorische Ebene haben und meist von innerer Stärke handeln, schätze ich am meisten. " Mit "Blood in the ink" ist auch ein Spaßtext dabei. "Der Song fordert den Hörer auf, sich und seine Familie zu töten, um einen Pakt mit uns und dem Teufel einzugehen. Im Booklet gibt es vor dem Solo eine Linie, auf der man mit seinem eigenen Blut unterschreiben kann." Neben dem Kiffen zum Relaxen auf Tour offenbart Trevor ein weiteres Ritual. "Bart hängt im Bus immer seine verschwitzen und vollgefurzten Bühnenklamotten auf." Lecker, lecker.
Paint it black
von Eugen Legat (01.06.2005)Da man unter "Miasma" entweder ungesunden, unangenehmen Nebel oder generell eine schlechte Atmosphäre versteht, fragt man sich, welche miesen Erfahrungen The Black Dahlia Murder in den letzten zwei Jahren auf ihren unzähligen Tourneen gesammelt haben...
WeiterlesenDa man unter "Miasma" entweder ungesunden, unangenehmen Nebel oder generell eine schlechte Atmosphäre versteht, fragt man sich, welche miesen Erfahrungen The Black Dahlia Murder in den letzten zwei Jahren auf ihren unzähligen Tourneen gesammelt haben müssen. Das die geballte Wut, die gesteigerten Extreme des Albums lyrisch wie musikalisch aus eben diesem Lebensabschnitt zehren, stellt Kreischkreissäge Trevor Starnd unmissverständlich klar. Dabei hat man mit einigen der größten Legenden des Metals die Bühnenbretter geteilt, mit den anstehenden OzzFest Veranstaltungen steht der nächste Karrierehöhepunkt unmittelbar bevor. Dort trifft man auch wieder auf Arch Enemy, deren zunächst einzig verbleibendes Gitarrenwunder Mike Amott auch der Klampfenfraktion von The Black Dahlia Murder Schauer der Bewunderung über das Rückgrat treibt.
"Was mich ankotzt ist, wie viel geschäftliches doch hinter jedem Schritt steht, den man als Band macht - und wie viele davor kapituliert haben und ihre Musik nur noch als Einnahmequelle nutzen. Wir sind eine Party-Band (die gerne die Stones oder Kiss covert - Anm. d. Verf.), momentan sehe ich auch bei niemandem die Tendenz, sich plötzlich auf ein normales Familienleben zurückziehen zu wollen. Es ist fantastisch, mit seinen eigenen Faves auf Tour gehen zu können, wie z.B. mit Napalm Death. In Europa haben wir feststellen müssen, das Metal hier ganz anders aufgenommen wird; wir haben niemals daran gezweifelt 100 % Metal zu sein. Bei euch ist alles noch sehr traditionell. Wir verstehen uns als musikalischen Schmelztiegel und werden nie das selbe Album zweimal aufnehmen. So gibt es jetzt kein 'Unhallowed II' und das dritte Album wird uns erst recht in einem eigenständigen Licht zeigen; ich überdenke bereits ein textliches Konzept, welches sich auf den Mordfall stützt, nach dem wir uns benannt haben. Momentan ist Metalcore das gehypte Genre, in ein paar Jahren wird man keine vergleichbare Band mehr mit diesem Terminus belegen."
Beliebt bei ihrer Kategorisierung ist die Nennung eines Mischverhältnisses aus schwedischem Melodic Death Metal und Carcass - eine starre Formel, mit der man vor Jahren beinahe routinemäßig auf Newcomer wie Soilwork eindrosch. Allerdings vertreten die Detroiter eine spezifisch amerikanische Variante, den pathologischen Bezug zu verfeinern - man denke an Exhumed und Impaled, die auf "Death after life" mit ähnlichen Streicherarrangements experimentierten, wie beim Titelsong "Miasma" geschehen.
"An den genannten Acts mögen wir den Sinn für Horror, wobei dieser von unserer Seite nunmehr auf einige kranke Sex, Drugs und Rock'n'Roll Geschichten hinausläuft. Mit dem Cello wollten wir einen dramatischen, aber endgültigen Schluss des Albums markieren; nach dem letzten Part sollte jedem klar sein, das darauf nichts mehr folgen kann. Unser Leadgitarrist John Kempainen hat dieses Instrument im Kindesalter erlernt. Es wird ihn freuen, das endlich jemand seine grandiosen Soli würdigt, an denen er hart gefeilt hat."
Kurvenreiche Versuchung
von Björn Thorsten Jaschinski Der Plan für das sechste The Black Dahlia Murder-Album einen bösen Titel zu finden ist mit "Everblack" aufgegangen. "Es ist unsere Referenz an einen gottlosen Tod, nachdem es kein Leben mehr gibt, auf das man sich freuen kann", erklärt Shouter Trevor...
WeiterlesenDer Plan für das sechste The Black Dahlia Murder-Album einen bösen Titel zu finden ist mit "Everblack" aufgegangen. "Es ist unsere Referenz an einen gottlosen Tod, nachdem es kein Leben mehr gibt, auf das man sich freuen kann", erklärt Shouter Trevor Strnad. "Nach den Besetzungswechseln ist es auch unser ,Wir sind immer noch da'-Statement. Das Cover fasst diese dunkele Atmosphäre sehr schön zusammen, ich wollte damit gar nicht bewusst zurück zu ,Nocturnal' gehen, sondern etwas erschaffen lassen, dass nah am klassischen Death Metal ist. Nick Keller hat diesen Job fantastisch erfüllt." Früher gab es diese sarkastischen Shirtaudfdrucke "Join the army, travel the world, meet interesting people - and kill them". Genau das tut die Band im übertragenen Sinne auf Tour. "Jawohl, die Welt bereisen und jede Menge Irre treffen...und mit gnadenlosen Rifattacken niedermähen. Dabei war niemand von uns je beim Militär. Unseren neuen Basser Max könnten sie dort allerdings gut gebrauchen. Der Typ ist ein wahres Biest." Für Feministinnen ist Gott eine Frau. Entweder zielt "In hell is where she waits for me" also darauf ab oder es geht um eine SM-Dame mit höllischen Kurven, die Daheim das Sagen hat? "Ha, der Song handelt von der schwarzen Dahlie selbst, dem ermordeten Mädel namens Elizabeth Short. Von ihr sagte man allerdings, dass sie eine kurvenreiche Versuchung war. Der Text ist aus der Sicht ihres Mörders verfasst, der während ihres Begräbnisses beobachtet, wie sie ins ewige Schwarz versinkt..." Fürwahr poetisch. Zumindest wesentlich mehr als "Phantom limb masturbation" erwarten lässt: Selbstbefriedigung mit amputierten Gliedmaßen klingt schon sehr pervers. "Es gibt doch diese kranken Typen, die sich das Amputieren bestimmter Extremitäten wünschen. Sie betrachten diese Körperteile als überflüssige Anhängsel und wünschen sich die übelsten Unfälle, um diesen Ballast loszuwerden. In dem Song geht ein derart Gestörter bis aufs Äußerste." Bei "Every rope a noose" hat man hingegen die Selbstmordphantasien von Sentenced im Sinn. "Ich liebe die Finnen, zumindest ihre alten Aufnahmen, aber die waren vor ihren ganzen Suizidtexten. Unser Song handelt von Hass auf die ganze Welt, den Verlust der Unschuld und das Verlangen zu leben. Die Welt erdrückt einen, bis man zusammenbricht. Musikalisch ist es für uns ein Ausnahmesong mit diesem Black 'n' Roll-Drive. Für das Intro von ,Their beloved absentee'" haben wir einen Gospelchor genutzt und mutieren lassen. Gott lacht sich über die Menschheit kaputt, die sich selbst aus egoistischen Motiven zugrunde richtet. Wie fühlt es sich an, dass Gott auf eure hilflosen Ärsche herabblickt und dadurch seine Kicks bekommt?" "Map of scars" ist nicht Trevors Tattoofetisch. "Der Titel ist tatsächlich eine Metapher für den menschlichen Körper. Ein Körper, der von Schnittnarben so zerfurcht ist, dass er wie eine Landkarte aussieht. Flüsse und Straßen...zwei wunderschöne Mädchen und ihr abstoßendes Geheimnis...."