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Sandmann
von Oomph!
Artikel ausverkauft!
Dieser Artikel ist leider ausverkauft und nicht mehr erhältlich.Die Monster-AG
Autor: Yvonne Zymolka (19.06.2008)
Streitbar sind die Abräumer Oomph nicht nur wenn es um knackige Textparolen geht, auch untereinander geht’s zu wie in einer alten Ehe, weiß Crap: "Wir haben einfach immer drei unterschiedliche Meinungen zu allem und im Studio ist das extrem zeit- und energieraubend. Früher sind wir uns dann fast an die Gurgel gegangen. Jetzt holten wir deshalb Koproduzent Chris Wolf hinzu, der spielte den Schiedsrichter." Neun Monate und unzählige Diskussionen später ist Abpfiff. Das zehnte Werk erblickt das Licht der Welt, feinfühlig auf den Namen "Monster" getauft.
Die Ex-Wolfsburger, denn mittlerweile wohnt man in der Lüneburger Heide "zwischen Farin Urlaub und Heidschnucken", wie Dero erläutert, nehmen bekanntlich kein Blatt vor den Mund, auch wenn das Thema Glauben dieses Mal tabu war. "Lass mich `raus" schockt dafür gesungen aus der Geburtskanal-Perspektive: "Ich beziehe das auf die Kopfgeburt, Abnabelung und Entfernen von sich selbst, um die eigenen Fehler zu erkennen. Es ist sehr einfach andere zu kritisieren und zu sagen: Du bist das Monster. Aber dies ist nur eine mögliche Interpretation", lässt Dero offen.
Privat pflegt man oft und gerne das politische Gespräch, plauscht über gesellschaftliche Schlagzeilen und legt anschließend musikalisch den Finger in die Wunde. So will "Revolution" eine lethargische Nation zum Protest anfeuern, "es lohnt sich für alles auf die Straße zu gehen und Basisdemokratie zu betreiben", bekräftigt der Frontmann und Flux ergänzt: "In Frankreich oder Griechenland wehren sich die Leute viel schneller in offenen Protesten." Ob Kinderarmut, Aids-Aufklärung, die intime Auseinandersetzung mit sich selbst oder privater Konkurs junger Familien, nichts ist vor den drei Weltverbesserern sicher, "Die Regierung kann sich ja um nichts kümmern, bevor nicht der Haushalt konsolidiert ist", murrt Dero. Oomph dürfen das, denn sie sind nicht nur unterhaltsame Maulhelden, sondern ziehen für den richtigen Zweck auch gerne mal vorne mit am Benefiz-Karren gegen Rechts und für die Katastrophenhilfe. Ob Oomph eine coole Band ist, vermögen sie nicht zu beantworten. Überraschendes Lob gibt’s dafür von Dero an die Genre-Kollegen Rammstein, "seit sie sich selbst ein bisschen auf die Schippe nehmen, haben sie sehr an Wertschätzung bei mir gewonnen. Jede Band sollte über sich selbst lachen können." Flux: "Das müssen wir dann wohl noch schnell lernen." Und jetzt grölen alle lauthals zusammen, in schönster Dreieinigkeit.
Die Ex-Wolfsburger, denn mittlerweile wohnt man in der Lüneburger Heide "zwischen Farin Urlaub und Heidschnucken", wie Dero erläutert, nehmen bekanntlich kein Blatt vor den Mund, auch wenn das Thema Glauben dieses Mal tabu war. "Lass mich `raus" schockt dafür gesungen aus der Geburtskanal-Perspektive: "Ich beziehe das auf die Kopfgeburt, Abnabelung und Entfernen von sich selbst, um die eigenen Fehler zu erkennen. Es ist sehr einfach andere zu kritisieren und zu sagen: Du bist das Monster. Aber dies ist nur eine mögliche Interpretation", lässt Dero offen.
Privat pflegt man oft und gerne das politische Gespräch, plauscht über gesellschaftliche Schlagzeilen und legt anschließend musikalisch den Finger in die Wunde. So will "Revolution" eine lethargische Nation zum Protest anfeuern, "es lohnt sich für alles auf die Straße zu gehen und Basisdemokratie zu betreiben", bekräftigt der Frontmann und Flux ergänzt: "In Frankreich oder Griechenland wehren sich die Leute viel schneller in offenen Protesten." Ob Kinderarmut, Aids-Aufklärung, die intime Auseinandersetzung mit sich selbst oder privater Konkurs junger Familien, nichts ist vor den drei Weltverbesserern sicher, "Die Regierung kann sich ja um nichts kümmern, bevor nicht der Haushalt konsolidiert ist", murrt Dero. Oomph dürfen das, denn sie sind nicht nur unterhaltsame Maulhelden, sondern ziehen für den richtigen Zweck auch gerne mal vorne mit am Benefiz-Karren gegen Rechts und für die Katastrophenhilfe. Ob Oomph eine coole Band ist, vermögen sie nicht zu beantworten. Überraschendes Lob gibt’s dafür von Dero an die Genre-Kollegen Rammstein, "seit sie sich selbst ein bisschen auf die Schippe nehmen, haben sie sehr an Wertschätzung bei mir gewonnen. Jede Band sollte über sich selbst lachen können." Flux: "Das müssen wir dann wohl noch schnell lernen." Und jetzt grölen alle lauthals zusammen, in schönster Dreieinigkeit.
Wir sind nach wie vor unabhängig!
Autor: Sonja Angerer (10.04.2006)
Mit "Glaube, Liebe, Tod" legen Oomph! einen Nachfolger für das erfolgreiche Album "Wahrheit oder Pflicht" (2004) vor. Sänger Dero ist trotzdem ganz entspannt.
"Erfolg ist relativ – Lars Ulrich von Metallica soll mal gefragt worden sein, ob er ,Load’ (1996) als Flop betrachtet, weil sich die CD im Gegensatz zum ‚Schwarzen Album’ (1991) nur etwa acht Millionen mal verkauft hat", kommentiert der Sänger die Frage nach den kommerziellen Erwartungen an das neue Album. Immerhin steuert "Wahrheit oder Pflicht" zum Zeitpunkt des Gesprächs gerade auf den Platin-Status zu. "Im Laufe unserer mittlerweile 16-jähigen Karriere ging es eigentlich immer aufwärts – langsam, aber stetig. Unsere Label hat uns auch klar gemacht, dass sie nicht unbedingt eine weitere Platin-Single von uns erwarten. Wir gingen also zügig nach der Tour, aber ganz entspannt daran, für das neue Album Stücke zu schreiben – zunächst zwei Runden, in denen jeder in seinem Home-Studio vor sich hin komponierte, dann noch eine Reihe von Sessions, in denen die Stücke zusammen Gestalt annahmen." Aufgenommen hat das Trio das Album schließlich wie schon gewohnt im bandeigenen Studio, eine Tatsache, auf die Dero sehr stolz ist: "Wir sind nach wie vor unabhängiger als irgendeine andere Band , die ich kenne – kaum jemand textet, komponiert, produziert und mischt alles selbst. Das Album ist wirklich unser Baby." Dass das Baby mit "Glaube, Liebe, Tod" einen recht schwermütigen Roten Faden für das knappe Dutzend Tracks abbekommen hat, erklärt er so: "Das war eigentlich gar nicht so geplant, obwohl man ja, je älter man wird, intensiver mit Themen wie Krankheit und Tod konfrontiert wird. Darüber hinaus stellen die Begriffe die drei Grundpfeiler der Menschheit dar, wir stehen damit in einer Jahrtausende alten philosophischen Tradition."
Weit weniger in die Vergangenheit griffen Dero, Flux und Crap mit der Bearbeitung des Morricone-Klassikers "Spiel mir das Lied vom Tod" (1969). Wobei sich das Projekt als schwieriger als zunächst gedacht erwies: "Morricone stellte die Bedingung, dass keine Samples verwendet, sondern alles neu eingespielt und Text und Bearbeitung freigegeben werden mussten. Das hat einige Zeit in Anspruch genommen, wurde letztlich aber von ihm genehmigt, worüber wir froh und stolz sind – Morricone war schon immer einer unserer bevorzugten Komponisten und der Film ist natürlich toll."
Mit "Eine Frau spricht im Schlaf" gibt es auf dem Album sogar eine echte Premiere: die erste Oomph!-Ballade. "Ich hab schon lange versucht, ein Lied in Gedichtform zu schreiben, diesmal hat es endlich gepasst, Text und Musik gingen eine Symbiose ein."
"Mein Schatz" hat dagegen hat trotz der "Herr der Ringe"-Anklänge ein sehr aktuelles Thema, erzählt Dero: "Es geht um Macht und Manipulation, konkret zu betrachten bei Herrn Schröder – man konnte sehen, wie er in der relativ kurzen Zeit seiner Regierung rapide gealtert ist, und wie schwer es ihm fiel, schließlich von der Macht zu lassen. Ich bin mir sicher, hätte er noch ein halbes Jahr regiert, wäre er vollends zu Gollum geworden."
"Erfolg ist relativ – Lars Ulrich von Metallica soll mal gefragt worden sein, ob er ,Load’ (1996) als Flop betrachtet, weil sich die CD im Gegensatz zum ‚Schwarzen Album’ (1991) nur etwa acht Millionen mal verkauft hat", kommentiert der Sänger die Frage nach den kommerziellen Erwartungen an das neue Album. Immerhin steuert "Wahrheit oder Pflicht" zum Zeitpunkt des Gesprächs gerade auf den Platin-Status zu. "Im Laufe unserer mittlerweile 16-jähigen Karriere ging es eigentlich immer aufwärts – langsam, aber stetig. Unsere Label hat uns auch klar gemacht, dass sie nicht unbedingt eine weitere Platin-Single von uns erwarten. Wir gingen also zügig nach der Tour, aber ganz entspannt daran, für das neue Album Stücke zu schreiben – zunächst zwei Runden, in denen jeder in seinem Home-Studio vor sich hin komponierte, dann noch eine Reihe von Sessions, in denen die Stücke zusammen Gestalt annahmen." Aufgenommen hat das Trio das Album schließlich wie schon gewohnt im bandeigenen Studio, eine Tatsache, auf die Dero sehr stolz ist: "Wir sind nach wie vor unabhängiger als irgendeine andere Band , die ich kenne – kaum jemand textet, komponiert, produziert und mischt alles selbst. Das Album ist wirklich unser Baby." Dass das Baby mit "Glaube, Liebe, Tod" einen recht schwermütigen Roten Faden für das knappe Dutzend Tracks abbekommen hat, erklärt er so: "Das war eigentlich gar nicht so geplant, obwohl man ja, je älter man wird, intensiver mit Themen wie Krankheit und Tod konfrontiert wird. Darüber hinaus stellen die Begriffe die drei Grundpfeiler der Menschheit dar, wir stehen damit in einer Jahrtausende alten philosophischen Tradition."
Weit weniger in die Vergangenheit griffen Dero, Flux und Crap mit der Bearbeitung des Morricone-Klassikers "Spiel mir das Lied vom Tod" (1969). Wobei sich das Projekt als schwieriger als zunächst gedacht erwies: "Morricone stellte die Bedingung, dass keine Samples verwendet, sondern alles neu eingespielt und Text und Bearbeitung freigegeben werden mussten. Das hat einige Zeit in Anspruch genommen, wurde letztlich aber von ihm genehmigt, worüber wir froh und stolz sind – Morricone war schon immer einer unserer bevorzugten Komponisten und der Film ist natürlich toll."
Mit "Eine Frau spricht im Schlaf" gibt es auf dem Album sogar eine echte Premiere: die erste Oomph!-Ballade. "Ich hab schon lange versucht, ein Lied in Gedichtform zu schreiben, diesmal hat es endlich gepasst, Text und Musik gingen eine Symbiose ein."
"Mein Schatz" hat dagegen hat trotz der "Herr der Ringe"-Anklänge ein sehr aktuelles Thema, erzählt Dero: "Es geht um Macht und Manipulation, konkret zu betrachten bei Herrn Schröder – man konnte sehen, wie er in der relativ kurzen Zeit seiner Regierung rapide gealtert ist, und wie schwer es ihm fiel, schließlich von der Macht zu lassen. Ich bin mir sicher, hätte er noch ein halbes Jahr regiert, wäre er vollends zu Gollum geworden."
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