Markus Wosgien Obwohl sich Paradise Lost musikalisch ständig bewegen und niemals auf der Stelle treten, besitzt jedes ihrer Werke unverkennbare Trademarks und ein Feeling, wie es nur die Engländer zu kreieren im Stande sind. Mit ihrem letzten Album "Paradise Lost" ging man bereits einen Schritt zurück und überraschte mit einem sehr harten, traditionellen Album. Nun geht man noch weiter, wirkt noch schwermütiger und mystischer, ohne jedoch die melodische Seite zu vernachlässigen. Mit "The enemy" schickte man vorab bereits eine starke Single ins Rennen, die Paradise Lost von ihrer hymnischen und sakralen Seite zeigte. Die Grundstimmung ist düster und schwarz, umwerfend sind hierbei einmal mehr die klassischen Gitarren-Melodien von Greg Mackintosh, die in Kombination mit den sphärischen Synthie-Sounds Erinnerungen an die glorreichen "Gothic", "Draconian times" und "Icon" Tage hochkommen lassen. So ist "In requiem" wie eine kleine Zeitreise, als interpretierten Paradise Lost ihre damaligen Klassiker heute neu. Die elf Nummern halten durchweg ein hohes Niveau, dessen Feinschliff Produzenten-Legende Mike Frazer (Metallica, AC/DC, Aerosmith) vornahm. Im Grunde ist "In requiem" genau das Album, dass sich ein jeder Paradise Lost Fan wünscht, es besitzt rundum alles was wir an dieser unglaublichen Band so sehr lieben.
(Markus Wosgien / 02.04.2007)
Paradies zurückerobert
Autor: Björn Thorsten Jaschinski
(13.03.2008)

Seit "In requiem" zeigen sie ihre Zähne wieder wie zuletzt Mitte der ’90er. Auf der aktuellen Tour als Vorgruppe von HIM, konzentrieren sich die britischen Gothic Metal Pioniere – die sich ob der Entwicklung des Genres wie Frankensteine fühlen – dagegen auf die sanfteren Verlockungen ihrer letzten Alben. "Wir haben überall kleine Inseln von unseren Fans, aber mehr als 15% des Publikums kennen uns nicht", freut sich Gregor Mackintosh. "Würden wir härtere Songs als ‚Requiem’ bringen wäre die Irritation groß. Ohnehin sind wir einigen HIM Fans zu düster, aber die Mädels bleiben höflich und klatschen trotzdem" Zu besagtem Quasi-Titelsong von "In requiem" erzählt er "Es ist ein Privileg, als Künstler reisen zu dürfen. So war das schon vor unserem Debutalbum, als wir vor 20 Jahren einige Auftritte auf dem europäischen Festland hatten und die meisten von uns das erste Mal aus England rauskamen. Die Leadgitarren zu ‚Requiem’ habe ich in Marokko geschrieben, nachdem ich an einer Hotelbar eine einheimische Folk-Truppe gehört hatte. Wahrscheinlich gab es bei uns schon früher unbewusst orientalische Einflüsse." Was erklärt, dass Bands wie Septic Flesh und Orphaned Land ausgehend von ihren Paradise Lost-Wurzeln mit Hilfe von arabischen und teilweise klassischen Einflüssen neue Territorien erschließen. Seth, Sänger der erstgenannten, ist nun Coverkünstler seiner Idole, die Israelis Orphaned Land tourten bereits mehrfach mit Mackintosh’s Jungs. Diese geben sich als gestandene Mannsbilder und Familienmenschen mittlerweile sehr ruhig und funktionieren fix jeden Backstage-Raum zum "Internetcafe Paradise Lost" um. Als die aktuelle "The Anatomy Of Melancholy" DVD am 12. April 2007 mitgeschnitten wurde war dies jedoch nicht nötig. Das Best Of-Programm geizt nicht mit Griffen in die Mottenkisten – "Pity the sadness", das unsterbliche "Eternal" und der Titelsong von "Gothic" stellen auch alte Fans zufrieden. Nur auf Material vom Doom Death-Monolithen "Lost paradise" wurde verzichtet. "Unser früheres Label Peaceville hat immer noch die Masterbänder unserer beiden Demos. Mit unserer Erlaubnis werden diese remixt und mitsamt einigen raren Live-Aufnahmen noch in diesem Jahr für Sammler veröffentlicht", überrascht Greg die Anhänger der ersten Stunde. Immerhin befindet sich mit "Drown in darkness" ein bis dato gänzlich unveröffentlichter Song darunter. "Bei den Konzertmitschnitten soll sogar ‚Plains of desolation’ dabei sein – der war eigentlich als Titelsong unseres Debuts geplant."
Drakonische Gothic Metal-Ikonen
Autor: Markus Wosgien
(03.04.2007)
Die Begründer des Gothic Metal kehren einmal mehr zurück zu ihren Wurzeln und haben mit "In requiem" ein astreines Metal-Opus geschaffen, das jeder Fan von Klassikern wie "Gothic", "Icon" und "Draconian times" lieben wird. Es ist düster und mystisch, ebenso magisch und fesselnd.
Frontmann Nick Holmes ist glücklich und präsentiert sich selbstbewusst: "Wir haben ein ganzes Jahr an den Songs gearbeitet und hatten eine exakte Vorstellung davon wie es klingen sollte. Alles wurde genauso umgesetzt und lief wie am Schnürchen, weshalb wir mit dem Ergebnis sehr glücklich sind. Es war uns wichtig, dass es zum einen sehr düster wird, aber auch melodisch ausfällt, was die beiden wichtigsten Komponenten in unserem Sound sind. Die Gitarren sind dieses mal richtig schön heavy ausgefallen und dominieren gewaltig." Die Produktion gab man erneut in die Hände von Rhys Fulber, während man den Mix mit dessen kanadischem Landsmann Mike Frazer vornahm, was sich bezahlt gemacht hat. "Mike kam uns bereits in England im Studio besuchen. Er ist großartig, auf dem Boden geblieben und hat einen erstklassigen Job abgeliefert. Wir sind sehr stolz auf die Zusammenarbeit mit ihm, denn er hat ebenso wie Rhys verstanden worauf es uns ankommt." Den Songwriting-Prozess vergleicht Nick mit Joggen. "Es braucht seine Zeit bis man den Ball wieder am Laufen hat und in den Prozess reinkommt. Greg und ich schreiben die Songs zusammen, dabei korrespondieren wir in erster Linie über das Internet und tauschen Ideen aus. Das gibt jeden die Möglichkeit zu experimentieren und sich Zeit zu nehmen. Wir rennen im Grunde beide los und schauen was passiert." Als erste Single hat man das harte, sakrale "The enemy" gewählt, das äußerst repräsentativ für das gesamte Album ist. "Es ist eine wuchtige Nummer, die all unsere Trademarks besitzt. Ich tendiere allerdings dazu nicht zu sehr an Singles zu denken, für mich zählt das Album immer als Ganzes. In dem Song selbst geht es um die unterschiedlichen Stufen des Hasses bzw. die Art wie man diesen Begriff interpretieren kann." Generell hält man die Texte bewusst zweideutig und verschlüsselt. "Jeder Song hat seine Bedeutung und Aussage, die jeder doch für sich selbst auslegen kann. Ich versuche sie beim Schreiben immer sehr kryptisch und offen zu halten; allerdings müssen sie im Einklang zur Musik stehen."
"Over The Madness", die neue Dokumentation von Regisseur Diran Noubar über PARADISE LOST bietet
einen ausführlichen und packenden Blick hinter die Kulissen der legendären Rock/Metal Band und der
Entstehung des Genres "Gothic Metal". Die Weltpremiere des Films fand beim Filmfestival in Cannes im Mai
2007 statt, gefolgt von einer deutschen Premiere im Rahmen des Wave Gotik Treffen in Leipzig im selben
Monat.
2008 feiern PARADISE LOST ihr 20-jähriges Jubiläum und diese Dokumentation zeigt perfekt warum sie zu
Recht eine der einflussreichsten Bands des gesamten Genres sind. Neben ihren Landsmännern Anathema
und My Dying Bride gilt die nach Miltons epischem Gedicht aus dem Jahre 1667 benannte Band als
Begründer des Gothic Metal. PARADISE LOST haben sich in den vergangenen Jahren als
experimentierfreudige, äußerst kreative Künstler und beharrliche Vertreter atmosphärischen und
vielschichtigen düsteren Metals erwiesen. Dank ihrer zahllosen treuen Fans weltweit wurden die bisherigen
Veröffentlichungen von PARADISE LOST mit mehr als zwei Millionen verkauften Einheiten auch zu
kommerziellen Erfolgen. Auch heute ist ihr Einfluss unverkennbar und inspiriert zahlreiche Gothic und Heavy
Metal Bands. Ihr jüngstes Album "In Requiem" setzte diese Erfolgsgeschichte fort und erreichte
Chartplatzierungen in mehreren Ländern (z.B. Deutschland #12, UK Rock Charts #7, Finnland #19,
Frankreich # 43, Schweden # 33, Griechenland # 6).
Mit "Over The Madness" präsentiert Noubar nun eine detaillierte Analyse, die aus erster Hand von der
Entwicklung eines wegweisenden Genres und ergo einer wegweisenden Band berichtet. Neben ausführlichen
Interviews mit den einzelnen Mitgliedern der Band und weiteren einflussreichen Künstlern des Genres, folgt
Noubar der Band vom heimatlichen Halifax (UK) zu Shows in Griechenland und Mexiko, wo PARADISE
LOST den Status von "Rock-Göttern" haben. Alle aktuellen und früheren Bandmitglieder werden interviewt
und erlauben so umfassende Einsichten in die Geschichte der Band. Darüber hinaus verneigen sich im Film
Mitglieder befreundeter Bands wie Cristina Scabbia (LACUNA COIL), Alex Skolnick (TESTAMENT), Lee
Dorrian (CATHEDRAL), Mark "Barney" Greenway (NAPALM DEATH), Mille Petrozza (KREATOR), Martin
Eric Ain (CELTIC FROST) und Aaron Stainthorpe (MY DYING BRIDE) vor den Briten. Die "Over The
Madness" Doppel-DVD erscheint via Century Media Records am 23. November, 2007.