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Hals- und Beinbruch - Live bei Rock am Ring 2008

Toten Hosen, Die

Zoom!
Format/Produkt: Blu-ray
Kategorie: BLU-RAYs
Genre: Hardcore / Punk
FSK / USK: 12+
EMP-Artikelnr.: 679637
Erhältlich ab/seit: 28.11.2008
Laufzeit: 144 Minuten
EUR 25,99
Preis inkl. gesetzlicher Mehrwertsteuer, ggf. zzgl.
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"Hals- und Beinbruch - Live bei Rock am Ring 2008" gibt es auch als:

Keine halben Sachen!

Autor: Henning Richter (19.12.2008)

Nach 27 Jahren ihrer Existenz wagen sich Die Toten Hosen auf musikalisches Neuland.Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sind Die Toten Hosen bereits am Start. In dieser Zeit haben die Volkspunks nicht nur 22 Millionen Platten verkauft, sondern sind auch Profis in Sachen Selbstdarstellung geworden. Jeder Schritt in die Medienöffentlichkeit ist wohl überlegt, in der Presse erscheinen keine unbedachten Äußerungen. Vielfach vermeiden es die Düsseldorfer, über die dunklen Perioden ihrer Karriere zu reden. Der langjährige Fan kennt diese düsteren Passagen dennoch. Sie werden in ausführlichen Interviews mit den Mitgliedern selbst auf ihrer website www.dietotenhosen.de überraschend schonungslos dargestellt. Auch in den Booklets der generalüberholten Alben-Gesamtausgabe befinden sich Bekenntnisse in Sachen Drogen und Damenwelt, wie sie offener und ehrlicher wohl kaum sein könnten. "Ich will mich nicht mit anderen vergleichen" sagt Campino, "man kann sich ja auch über den Metallica-Dokumentarfilm oder die Biografien von Ramones und Aerosmith wundern. Wenn du in einer neuen Band bist, kannst du den Menschen ungeprüft viel Scheiße erzählen. Uns gibt es seit 27 Jahren, da musst du irgendwann die Karten auf den Tisch legen. Bei einem Rückblick bist du ohnehin ehrlicher. Wir hatten krasse Zeiten, die Spuren davon sind bis heute zu sehen." Überraschend ist auch das neue Album "In aller Stille", denn es wird experimentiert wie nie zuvor. Besonders Gitarrist Kuddel, der musikalische Kopf der Band, konnte sich nach Herzenslust austoben. Die Single "Strom" etwa präsentiert krachenden Rock, "Innen alles neu" überzeugt mit einer Fülle an Gitarreneffekten und "Disco" basiert auf einem Rave-Beat. Das Motto des 19. Albums könnte "Aufbruchsstimmung" sein. "Ich hatte immer den Begriff ‚Energie‘ im Kopf.", berichtet der blondierte Sänger. "Auf keinen Fall wollte ich mit den alten Rezepten arbeiten, die wir früher angewendet hatten. Die führen auf Dauer zu Langeweile. Ich wollte ein Knaller-Album und wenn wir ruhige Stücke haben, dann müssen sie sitzen – keine halben Sachen!" Fürchtet der Frontmann der Hosen den Aufschrei der Fangemeinde, wenn sie etwa den "Disco"-Song hört? "Da sind wir völlig unbekümmert drangegangen. Der Rave-Beat ist natürlich grenzwertig und rechtfertigt sich auch nur über den Text." Prompt outet sich der Punkrocker als Disco-Gänger. "Ich bin gern in der Disco und amüsiere mich – besonders über die Szenen auf dem Klo zu später Stunde. Wenn ich ein paar Drinks im Kopf habe, tanze ich auch." Verblüffend auch die Ballade "Auflösen" mit der Schauspielerin Birgit Minichmayer, die Campino traf, als sie gemeinsam in der "Dreigroschenoper" unter der Regie von Klaus Maria Brandauer auftraten. "Schon lange wollte ich ein Duett mit einer Frau singen, hab aber weder die richtigen Worte noch die richtige Person gefunden. Als ich die Stimme von Birgit bei den Proben zur Dreigroschenoper hörte, wusste ich, das ist die Frau, die ich suche. Sie ist ein Unikum, durchgeknallt und dabei sehr faszinierend." Kürzlich spielte Campino auch die Hauptrolle im Wim-Wenders-Film "Palermo Shooting". Gibt es eigentlich Gemeinsamkeiten zwischen Film, Theater und Rock `n´ Roll? "In der Schauspielerei musst du, möglichst überzeugend, etwas völlig anderes darstellen als du bist. In der Musik verlangt man immer, dass wir authentisch sind und bei uns bleiben. Die Zeiten mit Wenders und Brandauer hab ich als Fortbildungsseminar gesehen, zum Nutzen der Band." Zu dem Thema Aufbruchsstimmung passt auch, dass auf die kommende Tour die Pianistin Esther Kim und der Cellist Raphael Zweifel mitspielen werden. Beide hatten bereits auf "Unplugged im Wiener Burgtheater" (2005) mitgewirkt. "Esther war, glaub ich, das erste weibliche Wesen, das seit 27 Jahren in die vermoderten Keller unseres Proberaums herunter gestiegen ist. Sie brachte auch noch koreanisches Mittagessen mit, da waren wir alle völlig platt. Plötzlich konnte Breiti "Guten Tag" und "Auf Wiedersehen" sagen. 27 Jahre lang hatte er sich nie von mir verabschiedet", freut sich Campino. "Das hat die Chemie in der Band enorm verbessert, alle waren höflicher, keiner war rotzig und genervt. Es macht Spaß, wenn sie dabei sind, deswegen haben wir die Zwei gebeten, bei der nächsten Tour mitzufahren."

Kreativer Output

Autor: Stefan P. Dressel (01.10.2005)

Zwei DVDs und eine CD - mit verschwenderischem, kreativem Output setzen Campino und Co. einen Schlusspunkt unter ein großartiges Jahr und machen sich und den Fans noch mal ein reichhaltiges Geschenk zum Jahresende.


"Unter marktstrategischen Gesichtspunkten macht das ja eigentlich keinen Sinn, zwei DVDs zur gleichen Zeit auf den Markt zu bringen, dazu noch das MTV unplugged Konzert aus dem Wiener Burgtheater auf CD",


sagt Campino.


"Aber wir tun das, weil wir große Lust dazu haben. Für uns selbst ist es irre spannend, unsere gesamte, innerhalb einer Woche gelebte Bandbreite zu dokumentieren. Einerseits MTV unplugged, und keine acht Tage später vor 50.000 Leuten in der Großarena in Düsseldorf - alles laut und unter ganz anderen, aber für uns doch gewohnteren Vorzeichen. Wir haben einfach ein Superjahr gehabt, und das möchten wir auch an die Fans weitergeben. So, wie Leute Fotos von ihrer schönsten Ferienreise zeigen, dokumentieren wir, wie viel Spaß wir in diesem Jahr hatten. Da gehört natürlich auch unser Heimspiel in Düsseldorf dazu. Wer weiß, wann wir so wieder zusammen auftreten, schließlich wollen wir nächstes Jahr erstmal pausieren."


Gut für die Band, noch besser für alle Anhänger: Derart verschwenderisch ist selten eine Band mit ihrem Output umgegangen. Zwei in ihrer Bandbreite komplett unterschiedliche DVDs hat schließlich noch nie eine Band zur selben Zeit herausgebracht. Einerseits die schon jetzt legendären Auftritte der Hosen im Wiener Burgtheater Anfang September für MTV, die die Band ungewohnt ruhig und ohne Strom auf der Bühne zeigt. Andererseits eine Woche später beim Finale ihrer "Friss oder stirb" Tour in Düsseldorf vor tobenden 50.000 Fans. Beides so unterschiedlich wie Mann und Frau.


Wie aber genau ist es zum Unplugged-Konzert in Wien gekommen?


Campino: "Seit Nirvanas legendärem Auftritt bei MTV waren wir von diesem Konzept begeistert. Seit Jahren reizt uns der Gedanke, als vierte deutsche Band nach Grönemeyer, den Fantastischen Vier und den Ärzten auch mal den Strom abzustellen und ein Akustik-Konzert hinzulegen, das nichts an Intensität verliert. Nun war die Zeit reif dafür. Auch der Rahmen dabei war ungewöhnlich und passte genau rein, schließlich haben wir immer gesagt: wenn unplugged, dann muss es entweder ein Gefängnis, ein Irrenhaus oder eben das Wiener Burgtheater sein."


Die Wahl fiel auf Wien, weil die Hosen das ehrwürdige Theater seit ihrem dortigen Auftritt mit Gerhard Polt und den Biermösl Blosn kennen.


"Der Auftritt war sicherlich ungewöhnlich, nicht nur für die Fans, auch für uns", sagt Campino. "Aber es war mit Sicherheit ein Höhepunkt in unserer Karriere."


So ist neben zahlreichem Bonus-Material und fanfreundlichen Zusatz-Gimmicks das komplette, über zwei Stunden Set mit mehr als 30 Songs der Hosen auf der Theaterbühne zu sehen. Mitgefilmt hat übrigens Paul Shyvers - der Regisseur also, der auch schon die "Rock am Ring"-DVD der Hosen gedreht hat.


In 23 Jahren Bandgeschichte haben Die Toten Hosen schon auf unzähligen Bühnen gestanden, längst mehr als 1.000 Konzerte gespielt und Millionen von Fans begeistert. Aber nach Band-Angaben ist die exklusive Aufzeichnung im 1741 gegründeten Burgtheater, welches bis heute eines der bedeutendsten deutschsprachigen Theater ist, eine sehr exklusive Auszeichnung, die mehr wert ist als jeder Musikpreis: Bietet es den Düsseldorfern doch die Möglichkeit zu beweisen, dass sie einen Vergleich mit den größten Rocklegenden der Welt nicht scheuen müssen - und dass Rock'n'Roll der härteren Gangart auch ohne überdimensioniertes PA-System und technischen Schnickschnack funktioniert. Nachzuhören ist das auch auf der CD des Unplugged-Gigs, die den Auftritt der Hosen in perfekter Weise akustisch unterstreicht.


Das grandiose Düsseldorfer Abschluss-Konzert der "Friss oder Stirb" Tour ist dagegen eine gute Erinnerung für alle Leute, die auf der Tour live dabei waren - und das waren in diesem Jahr immerhin mehr als 700.000 Zuschauer bei über 60 Konzerten in mehreren europäischen Ländern. Allein in Düsseldorf verfolgten mehr als 50.000 Zuschauer das traditionelle Heimspiel der Band, bei der Campino während des Gigs eine längere Pause der Band ankündigte. Gründe dafür gibt's genug, besonders für den jungen Vater Campino:


"Seit dem mein Sohn auf der Welt ist, hab ich mich kaum um ihn kümmern können. Ich hab schon so viel verpasst, aber jetzt geht es mit eineinhalb Jahren bei ihm gerade so richtig los. Ich will ihm jetzt etwas von meiner Zeit schenken, denn wenn man zuviel verpasst, kann man das später nicht reparieren."


Vom künstlerischen Aspekt ist sicherlich die Burgtheater-DVD wertvoller, weil man hier die Hosen-Songs in noch nie da gewesenem Stil präsentiert. Aber das hieße Äpfel mit Birnen zu vergleichen.


"Das Düsseldorfer Konzert ist ein anderer Maßstab. Da geht es um Energie - und zu zeigen, was wir aus dem FF und in unserer besten Form draufhaben. Bei der 'Heimspiel'-Live-DVD sieht man das Laute und unsere Routine, bei der 'Unplugged'-DVD einen Stilbruch, der aber in dem Moment unheimlich viel Überraschendes birgt."


Dadurch, dass beide DVDs inklusive der Unplugged-CD nahezu gleichzeitig erscheinen, setzt die Band auch ganz klar ein Zeichen gegen den unvermeidlichen "Ausverkauf"-Vorwurf.


Campino: "Warum macht so was sonst niemand? Weil es verkaufsstrategisch keinen Sinn macht. Hätten wir dabei die Dollar-Zeichen in den Augen, hätten wir das sicherlich intelligenter angestellt - erst die eine DVD jetzt, die zweite vielleicht im nächsten Jahr. So aber bieten wir die Möglichkeit, zwischen echten Alternativen zu entscheiden, gerade weil wir keinen Zeitraum von einem Jahr verglühen lassen, in dem wir die Dinger auf den Markt bringen. Und wer uns Ausverkauf oder Diebisches unterstellt, nur weil wir zeitgleich mehrere Scheiben raus bringen, sollte mal überprüfen, wie viel selbst gebrannte CDs er zuhause im Regal stehen hat."


Campinos Bilanz von diesem Jahr steht jedenfalls fest:


"Egal, wie sich die Fans entscheiden, oder ob sie uns für bekloppt erklären, zwei DVDs gleichzeitig herauszubringen - es war für uns ein tolles Jahr mit vielen emotionalen Höhepunkten, und genau das wollen wir mit den Veröffentlichungen festhalten. Nichts, was da zu sehen und zu hören ist, ist überflüssig, sondern zu hundert Prozent Die Toten Hosen."