Den "Devils" haben The 69 Eyes auf ihrem letzten Longplayer gehuldigt, nun sind die "Angels" an der Reihe. Es wird allerdings schnell klar, dass diese Engel schwarze Flügel tragen. Elf düstere Gothic-Rocker, die bis dato zu dem Besten gehören, dass die Vampire aus Helsinki veröffentlicht haben.
"Rock’n’Roll setzt die Nacht in Brand", lässt eine tiefe Stimme am anderen Ende der Telefonleitung zur Begrüßung verlauten. Jyrki 69, dessen Telefonnummer sogar auf 69 endet, fügt ohne Umschweife erklärend hinzu: "Pretty Boy Floyd haben dies einst geschrieben. Ich liebe Glam Rock und diese ganzen Acts aus Hollywood, wie LA Guns, Faster Pussycat oder Ratt. Diese Bands waren der Hauptgrund für uns, The 69 Eyes zu gründen und ich denke, dass man dies unserem neuen Album mehr denn je anhören kann." Passend dazu der neue Track "Rocker", in dem es Jyrki 69 auf den Punkt bringt. "Wir sind eine Rock’n’Roll Band und ich bin ein Rocker. Mit diesem Album werden wir die Gothic-Mädels dazu bekommen bauchfrei zu tragen, falls sie das nicht schon tun." Nicht nur die Liebe zu den Frauen, sondern auch das neu entdeckte Faible für die USA war ein großer Einfluss zur Entstehung von "Angels". "Hollywood hat mich fasziniert. Die Szene, die Leute, die Umgebung und die Clubs. Viele der neuen Songs sind von unseren dortigen Erlebnissen geprägt. Los Angeles gilt als die Stadt der Engel, somit gab es einen weiteren Grund, das Album ,Angels’ zu taufen." "Angels" ist möglicherweise das dunkelste Rock-Opus aller Zeiten geworden. "In Chicago hat uns eine ältere Gothic Braut interviewt und definierte uns als die apokalyptischste Rock’n’Roll-Band des 21. Jahrhunderts. Ich bat sie, diese Bezeichnung weiter für uns verwenden zu dürfen, denn es bringt alles auf den Punkt." Dennoch ist nicht alles neu, vieles ist zwar frisch und modern, dennoch ist "Angels" auch eine Art "Best of" und besinnt sich auch auf die Roots der Finnen. Bestes Beispiel dafür sind die beiden Nummern "Never say die" und "Ghost", bei dem es prominente Unterstützung von Apocalyptica gab. "Sie sind Freunde von uns und wir wollten sie nicht des Namens wegen haben, sondern weil der Track nach Cellos verlangt. Ein urtypischer Gothic-Song inspiriert vom gleichnamigen Film. "Never say die" wird die zweite Single werden, es ist der perfekte Song, der alle unsere Stärken vereint und ausdrückt wofür wir stehen." The 69 Eyes sind längst mehr als nur eine Gothic-Band. "Angels" ist ihr Meisterwerk und ein Garant für den weltweiten Durchbruch.
Ihre Singles erreichen Goldstatus, sie können kaum unbemerkt Socken einkaufen gehen und sind mit ihrem melancholischen Gothic Pop/Rock Teenieschwärme. Glaubt ihr nicht? Ihr kennt
The 69 Eyes noch nicht einmal? Dann bucht mal einen Finnland-Urlaub und lasst euch von der Massenhysterie infizieren. Das Quintett ist in seinem Heimatland tatsächlich eine ganz große Nummer, die aktuelle Single
"Dance d' amour" steht kurz vor Platin. In Kürze erscheint das neue, mittlerweile dritte Album
"Paris kills" und es ist klar, dass auch dieser Longplayer in Finnland wie geschnittenes Brot über die Ladentheken wandern wird. Lediglich in Deutschland will es noch nicht so recht klappen.
"Ich denke, dass unser melancholischer Sound den Nerv unserer Landsleute trifft", bringt es Frontmann und Mädchenschwarm Jyrki auf den Punkt. "Aber auch in Deutschland läuft es nicht so schlecht für uns, wir haben immerhin schon eine Tour absolviert und zweimal auf dem bedeutenden Mera Luna Festival gespielt. Wie sagte einst Leonard Cohen? "First we take Manhattan, then Berlin". Okay, ganz so hart ist es vielleicht nicht, aber in Deutschland steht uns sicherlich noch eine Menge Arbeit bevor."
Wobei die erwähnte Single, der Song wurde vorab aus "Paris kills" ausgekoppelt, garantiert auch in Deutschland einschlagen würde. Auch hierzulande gibt es genügend Leute, welche sich eine Kombination aus Gothic Rock und melancholischem Achtziger Pop antun. "Schön, dass du das erwähnst. Ich persönlich kategorisiere unsere Musik nicht so gerne als Gothic, da wir auch ganz andere Sounds verarbeiten. Insbesondere die Achtzigereinflüsse nehmen immer größere Ausmaße an, da wir uns in letzter Zeit bevorzugt Sachen wie Duran Duran, Frankie Goes To Hollywood oder Dead Or Alive reinziehen. Ich selbst nenne unsere Musik gerne Poprock des 21. Jahrhunderts."
Für Jyrki wird es immer schwieriger, sich überhaupt neue Platten zuzulegen.
"Der Wirbel um uns in Finnland nimmt schon erstaunliche Blüten an. Vor unserem Proberaum stehen oftmals Mädchen, die stundenlang auf uns gewartet haben. In der Stadt werde ich ständig von Leuten beobachtet oder verfolgt, die einfach wissen wollen, was ich mache und wo ich mich rumtreibe. Ich sehe das aber eher locker, es ist ein Teil meines Jobs und entsprechenden Ruhms."
Mit HIM gibt es eine andere finnische Band im gleichen Fahrwasser, ì
die hierzulande bereits absoluten Superstarstatus hat. Nichtsdestotrotz klingt der Sound der 69 Eyes völlig anders.
"Das ist korrekt. Die Jungs sind übrigens sehr gute Kumpels von uns und Ville Valo ist auch auf unserem neuen Album mit Gastvocals vertreten. Es gibt nur wenige Leute, die uns miteinander vergleichen. Zwar vermengen beide Bands Pop mit düsteren Melodien, sie haben aber eine ganz andere Herangehensweise als wir."
Durch die Popularität in ihrem Heimatland, sind The 69 Eyes auch dazu gezwungen, permanent Singles (durchschnittlich drei pro Jahr) und entsprechende Video-Clips zu produzieren.
"Ich stehe gerne vor der Kamera, mir macht es nichts aus, stundenlang die gleichen Szenen zu drehen. Beim Plot verlasse ich mich immer auf den zuständigen Regisseur, da diese Leute viel mehr Ahnung von der Materie haben als ich. Bis jetzt haben sie auch immer sehr gute Arbeit geleistet. Ich würde auch gerne mal in einem Film mitwirken, allerdings sollte das Drehbuch schon interessant sein. In Portugal wurde ich sogar schon darauf angesprochen, in einem Vampirfilm mitzuwirken. Leider musste ich aus terminlichen Gründen absagen, derzeit spielen eben The 69 Eyes die erste Geige in meinem Leben."