Das neue Album der bayrischen Alternative-Metaller Emil Bulls ist ein echter Kracher. Frontmann Christoph von Freydorf berichtet von dessen Entstehung.
"The black path" ist eure härteste CD bisher. Wie kommt’s?
"Wir hatten einfach tierischen Bock, wieder richtig loszuballern. Unsere letzte Platte war ein Akustikalbum, mit dem wir auch sehr lange und erfolgreich getourt sind. Wir haben also über ein halbes Jahr nur auf Barhockern verbracht und eher entspannt auf den Klampfen herum gezupft. Das war super und auch eine nette Abwechslung. Irgendwann wurden wir aber immer nervöser, weil wir schon lange keinen echten Lärm mehr gemacht hatten. Das musste dringend mal wieder sein …"
Und dafür geht man dann ins lauschige Allgäu?
"Es musste nicht unbedingt das Allgäu sein. Das Wichtigste war, einen Ort zu finden, an dem wir unsere Ruhe hatten und ungestört experimentieren konnten. Das ist in München einfach nicht drin, weil wir uns dort von Freunden, der Familie oder einfach nur dem täglichen Leben ablenken lassen."
Und deshalb ging’s ab auf die Alm?
"Wir haben uns zwar eine einsame Hütte gemietet, die befand sich allerdings nicht auf dem Berg, sondern in einem Tal. Das war wohl auch der Grund dafür, dass dort eine ganz seltsame Stimmung herrschte. Durch die geographische Lage hat es fast durchgehend gewittert; oft war es sogar schon mittags zappenduster. Das hatte etwas Bizarres, Bedrohliches, war aber auch sehr faszinierend und inspirierend. Wir haben dort innerhalb der ersten zwei Wochen zwölf Songs fertig geschrieben, die es fast alle auf die CD geschafft haben."
Die habt ihr dann jedoch in einem professionellen Studio eingespielt …
"Ja klar, da wollten wir natürlich auf Nummer sicher gehen. Wir haben das legendäre Horus Sound-Studio in Hannover von Frank Bornemann gemietet. Ein Laden mit unglaublicher Geschichte. Fast sämtliche deutschen Rock- oder Heavy-Bands, die etwas auf sich halten, aber auch Leute wie HIM oder Celtic Frost haben da bereits aufgenommen."
Trotz eures neuen Produzenten Benny Richter (Caliban, Krypteria) hat sich an der Grundstimmung der Lieder aber nicht mehr viel geändert …
"Nein, dazu sind wir mittlerweile viel zu eigensinnig, äh selbstbewusst (lacht). Wir hatten Benny dabei, weil er ein As ist, was die theoretische Seite angeht, also Harmonielehre, Tonsätze, Melodieführung usw. Er hat uns gut geholfen; aber letztlich ist alles auf ’The black path’ zu 100% Emil Bulls."
Vier Jahre ist es erst her, dass Rock-Deutschland euphorisch die Nase in den Wind hielt - und verzückt registrierte: "Smells like Rock'n'roll". Betreten bekreuzigte es sich, voll des Dankes für den neuen Stern am nationalen Rock-Firmament mit dem klangvollen Namen Emil Bulls. Doch kaum war der Hype um das Bulls-Debut "Angel delivery service" vorbei und die erste Monster-Tour absolviert, verwandelte sich die Band zu einer Art König Midas im Schlechten: Was immer sie anfasste, misslang. Das zweite Album "Porcelain" floppte und plötzlich stand die Band ohne Deal, Selbstvertrauen und Schlagzeuger Fini da. Und auch wenn Sänger Christoph, Bassist Jamie und der neue Drummer Fabian im Gespräch vor Zurückgelehntheit fast hinten überfallen, bestätigen sie:
"Richtig am Boden waren wir nie, aber klar, das sind alles Sachen, die nicht spurlos an einem vorüber gehen Aber wir haben dann doch alle recht schnell gemerkt, dass die Band uns einfach am Herzen liegt und dass wenn wir zusammen spielen, das auch die beste Therapie gegen Frust ist."
Tatsächlich war die Band von den Mechanismen der Plattenindustrie überrollt worden. Ihre kurze Zeit bei Motor Music jedenfalls haben die drei in unguter Erinnerung.
"Wir waren da mehr das fünfte Rad am Wagen, hatten wir so das Gefühl. Als unser Album hätte promoted werden sollte, hatte der A&R, der für uns zuständig war, gerade The Rasmus gesigned, die sind dann gleich auf eins und da waren dem die Emil Bulls natürlich völlig wurscht. Mei, ist ja auch ein wenig nachvollziehbar."
Doch die Band rappelte sich wieder auf, stürzte sich in die Arbeit und verkraftete auf halbem Weg sogar noch den Ausstieg von DJ Zamzoe, der die Emil Bulls in Zukunft zumindest auf Tour nicht mehr begleiten wird. Das souveräne Ergebnis erscheint bei Michael Mittermeiers Label Pirate Records unter dem Namen "The southern comfort" - und es macht zunächst zumindest Sänger Christoph glücklich:
"Für mich ist das auf jeden Fall das erwachsenste Album bis jetzt, allein vom Songwriting her. Wir haben einfach viel mehr auf gute Songstrukturen geachtet, mehr Melodien und Gitarrenriffs ausgearbeitet, viel auch mal weg geschmissen, was wir früher im Song drin gelassen hätten. Wir haben die Musik nicht so überladen wie auf den anderen Platten und ich finde, das steht der Band eigentlich ganz gut."
Dabei sind gerade seine Gesangsmelodien der Kitschgrenze oft gefährlich nah, was ihn jedoch nicht anficht.
"Ich bin immer auf der Suche nach den für mich nicht kitschigsten, aber nach schönen, poppigen Melodien, ich bin ein Kind des Pop, ich steh einfach auf Popmusik und auch auf ruhige Musik, und ich bin einfach froh, dass ich bei den Emil Bulls so zu Werke gehen kann, obwohl wir harte Gitarren-Musik machen. Ich habe auch auf Konzerten keinen Bock darauf, Leute eineinhalb Stunden lang anzuschreien."
Abschließend: "The southern comfort" - der Albumtitel klingt auf den ersten Blick schlicht lokalpatriotisch, worum geht's dabei genau?
"Er ist auf jeden Fall lokalpatriotisch, aber nur kulturell, nicht politisch. Ich finde, der Albumtitel passt sehr gut zu unserem neu gewonnenen Selbstbewusstsein, aber auch zum ganzen Konzept von dem Album: Wir zeigen's jetzt allen. Wie es Pantera damals mit 'The great southern trendkill' gemacht haben."
Die Emil Bulls - erwachsen geworden und konsequent geblieben.