Das sechste Album der 1999 gegründeten Evergren Terrace verbindet viel melodischen Hardcore mit dem Spielwitz des Metal, ohne dabei alle Klischees wiederzukäuen und wie eine Retortenband zu klingen. Viel Energie und echte Hooks mit Seele.
Wenn Metal und Hardcore zusammenfinden, muss nicht immer abgeschmackter Kitsch dabei herauskommen. Evergreen Terrace orientieren sich nicht an der ersten bis hinterletzten Metalcore-Generation nach heutigem Verständnis, sondern sind mit den Originalen aufgewachsen. Von daher klingen sie wie eine Hardcore Band, die aus verdammt guten Musikern besteht und eine fette Produktion liebt, nicht nach austauschbaren Youngstern, die nach dem Baukastenprinzip Musik zusammenwürfeln. Die Melodien haben Hand und Fuß, der Klargesang ist kein jämmerliches Gewinsel und der Energieumsatz dennoch hoch. Der Albumtitel kann zweierlei bedeuten: Entweder sind die Amerikaner zu ihren Wurzeln zurückgekehrt oder aber sie fühlen sich bei Metal Blade so wohl, dass sie sich als Teil der Familie verstehen. Beide Interpretationen dürften zutreffen. Anspieltipps: der Melodie-Überhammer "Sending signals" mit sau geilem Backing-Gesang, das Titelstück mit seinem genüsslich gedehnten Göttersolo und "Failure to operate".
(Björn Thorsten Jaschinski / 28.09.2009)
Schafe im Werwolfspelz?
Autor: Matthias Mader
(04.07.2007)
Eine weitere (positive) Überraschung aus dem anscheinend schier endlosen Pool von talentierten Metalcore-Bands des Kultlabels Metal Blade sind Evergreen Terrace aus Jacksonville, Florida. Nach vier Longplayern für Eulogy Recordings sind die Jungs um meinen Gesprächspartner und Gitarristen Joshua James mittlerweile bei Brian Slagel untergekommen. "Gott sei Dank sind wir jetzt bei Metal Blade", versichert Josh und freut sich sichtlich über den nächsten Schritt auf der Karriereleiter von Evergreen Terrace. Doch nicht alleine aus finanziellen Erwägungen heraus hat die Band (die bis auf das Tourbooking, ganz im D.I.Y.-Spirit, alles andere noch selbst organisiert) den Wechsel vollzogen, denn ihr eigentliches Anliegen geht tiefer: "Ich denke, eine Menge aktueller Bands, die es heutzutage dort draußen gibt, haben nur ein einziges Ziel vor Augen, nämlich die meisten Platten von allen zu verkaufen und das meiste Geld zu scheffeln. Wir scheren uns eigentlich einen feuchten Kehricht darum, wer größer oder besser ist als wir. Wir wollen im Grunde genommen nur Spaß haben - und den haben wir wirklich." Genau die richtige Herangehensweise, wie ich finde, zu der auch der Albumtitel "Wolfbiker" perfekt passt, wie Josh erläutert: "Es handelt sich nicht um ein Konzeptalbum, wie bereits einige vermutet haben. Der ,Wolfbiker’ ist unsere Erfindung, die Kreatur auf dem Cover steht für den Ansatz, nicht blind aktuellen Trends zu folgen, sondern gegen den Strom zu schwimmen. Du wirst dich automatisch in einen ,Wolfbiker’ verwandeln, wenn du zufrieden bist, mit dem Leben, das du führst." Ein Leben, in dem es aber einfach noch viel zu viele Spielverderber gibt, wie etwa "The first Baptist Church of Jacksonville", der Evergreen Terrace einen eigenen Song auf dem aktuellen Album gewidmet haben: "Diese Typen nerven einfach nur, weil sie hier alles kontrollieren. Es sind schlicht und ergreifend schreckliche Menschen, die die Dinge in der Stadt zum Schlechten verändert haben, unserer Meinung nach. Sie haben aber leider das Geld, um die Stadt zu regieren. Das ist Bullshit. Diese Kirchenvertreter waren in viele Angelegenheiten verstrickt, gegen die wir uns richten, denen wir nicht zustimmen, z.B. Schließungen von Veranstaltungsorten. Sie unterstützen auch Anti-Abtreibungsinitiativen sowie Aktivitäten gegen Homosexuelle." Trotz aller ernsthaften Anliegen zeichnet Evergreen Terrace aber besonders ihr Humor aus, wie die Nummer "Chaney can’t quite riff like Helmet’s Page Hamilton" beweist. Josh lacht: "Diese Aussage stammt von einem Kritiker, der unsere letzte Platte verrissen hat und uns mehr oder minder vorwarf, ein Helmet-Plagiat zu sein." Wovon Evergreen Terrace freilich nicht weiter entfernt sein könnten!
ZITAT
"Wir wollen im Grunde genommen nur Spaß haben - und den haben wir wirklich."
742 Evergreen Terrace. Kommt einem doch irgendwie bekannt vor? Richtig, dort wohnen die Simpsons. Doch die dienen nicht nur als Abendunterhaltung für jung und alt, auch Bands lassen sich durch sie inspirieren. So benannte sich eine Band aus Jacksonville, Florida, nach der Adresse der gelben Familie: Evergreen Terrace.
Die Hardcore/Metalcore-Band besteht aus Andrew Carey (Gesang), Craig Chaney (Gitarre, Gesang), Joshua James (Gitarre), Jason Southwell (Bass) und Kyle Mims am Schlagzeug. Nach ihrer Gründung 1999 erschien ihr Debütalbum "Losing All Hope Is Freedom" bei Indianola Records", wo sie 2002 mit xOne Fifthx eine Split EP veröffentlichten, zu der sie vier Songs beisteuerten. Noch im selben Jahr kamen Evergreen Terrace dann bei Eulogy Recordings unter Vertrag. "Buried Alive by Time" erschien und es folgten mehrere große Touren, bis 2004 mit "Writer’s Block" das nächste Album kam. Darauf enthalten waren Coversongs diverser Bands wie U2, Tears for Fears oder The Offspring und gilt als Tribut an ihre größten Einflüsse.
Ihre erste DVD folgte 2005 mit "Hotter, Wetter, Stickier, Funner", auf der überwiegend Livematerial zu sehen und zu hören ist. Neues Songmaterial gab es mit dem im selben Jahr erschienenen Album "Sincerity Is An Easy Disguise In This Business".
Zu Beginn des Jahres 2007 kam die Band bei Metal Blade Records unter Vertrag, wo im Juli 2007 "Wolfbiker" erschien.