Ihre Eroberungsfeldzüge bringen immer reichere Beute ein und das Heer der Anhänger wächst konstant. Selbst ein schwächeres Werk wie "Fate of norns" konnte daran nichts ändern, und "With oden by our side" wetzten die Feldherren aus Tumba bei Stockholm die Scharte schnell wieder aus. Genau zwei Jahre nach eben jenen Aufnahmen, kehrten sie ins Fascination Street Studio von Jens Bogren zurück, um "Twilight of the thundergod" entstehen zu lassen. Das Studio im Umland von Örebro ist in einer ehemaligen Bar untergebracht – kein Wunder, dass Amon Amarth sich dort wohlfühlen. "Außerdem gibt es in vertretbarer Gehdistanz einen Supermarkt", frohlockt Johann Hegg. "Jens hat neue Ideen und Perspektiven in Songwriting und Sound eingebracht. Zum Feiern sind wir allerdings nie in die Stadt gegangen. Dafür war unser guter Freund Kentha von The Project Hate zu Besuch." Die Bemühungen, an jenem Abend die Grillkohle zu entzünden wurden in einem der kurzen Studio-Videoblogs festgehalten, die online gestellt wurden. Fazit: Die ‚Masters of war’ sind keineswegs die Meister des Barbecues. Viele verwertbare Einblicke in klangliche Aspekte des siebten Studioalbums bieten die erwähnten Kurzfilme nicht. Momentan ranken sich nur Mythen um die zehn Songs und der Fronthühne mag wenig mehr enthüllen, als jene Titel, die ohnehin schon auf der Homepage der Band genannt sind. Momentan steht nicht einmal das Coverartwork. "Ich habe einen typischen Schreibstil für meine Texte und einen prägnanten Gesang, den ich allerdings etwas variieren wollte. Er sollte noch besser zu den Riffs passen. Damit will ich nicht sagen, dass die beiden Komponenten vorher keine Einheit gebildet haben, aber vieles hat sich ständig wiederholt. Ich kam mit weitgehend fertigen Texten ins Studio und habe hier recht spontan mit unterschiedlichen Rhythmen und Phrasierungen experimentiert. Aber keine Angst: Es wird keinen Klargesang geben." In "Knocking at your back door", Deep Purples Ode an den Poposex, singt Ian Gillan "It’s not the kill, it’s the thrill of the chase" und meint damit, dass das Jagdfieber oft prickelnder ist, als das Erlegen der Beute. "Live for the kill" scheint dieser Philosophie energisch zu wiedersprechen. Jedenfalls handelt der Text nicht von Johans Qualitäten als Jäger, der sich seinen Sonntagsbraten selbst schießt. "Ich bin ein grauenhafter Schütze, das habe ich in der Armee schon bewiesen und auch später, als wir uns in Kanada auf einem Schießstand betätigten. ,Guardians of asgaard’ kann lyrisch natürlich auf die Band bezogen werden und ‚Tattered banners and bloody flags’ ist ein sehr ungewöhnlicher Titel für uns – Oli muss dabei immer an Bolt Thrower denken. Musikalisch ist es aber ein typischer Amon Amarth-Song. ,Twilight of the thundergod’ ist das vielseitigste Album bisher. Wir haben unseren Sound weiterentwickelt ohne uns zu sehr zu verändern. Wir wollen die Fans nicht verängstigen. ‚Fate of norns’ war zu statisch, nach der Hälfte dachte man ‚Oh, wie spannend: Noch ein Midtempo-Song."
Vermeintlich allzu lange haben die schwedischen Mattenschwinger um Sänger Johan Hegg ihre Fans warten lassen, doch jetzt endlich lassen Amon Amarth ihre erste offizielle DVD vom Stapel. Diesem medialen Defizit waren sie sich laut Aussage von Vollbartträger Johan auch vollauf bewusst und daher fahren die international erfolgreichen Viking Death Metal-Könner mit "Wrath of the norsemen" gleich das volle Nordbrett auf: Ganze 3 DVDs sind in der Vollbedienung enthalten, welche in absolut aufwändiger Gestaltung in die Shops kommt. "Für ,Wrath of the norsemen’ ließen wir letztes Jahr eine Amon Amarth-Show in Köln aufzeichnen. Der Auftritt, mit 23 gespielten Stücken unser längster Live-Gig bislang, war einfach grandios. Die gesamte Dauer auf der Bühne betrug beinahe zweieinhalb Stunden. Wir fuhren das komplette Programm auf: Massivstes Wikinger-Flair und massenweise detonierende Pyros. Es war eine verdammt gut Zeit auf den Brettern und im Auditorium. Die gigantisch gute Stimmung im Publikum war wirklich überwältigend, von daher können sich die Käufer des DVD-Packages auf einiges gefasst machen." Aber auch sonst sind die fünf Schweden-Berzerker mit den jüngst vergangenen Auftritten vollauf zufrieden: "Da waren so einige unvergessliche Shows dabei – beispielsweise das SummerBreeze- oder auch das PartySan-Open Air. Sehr gut lief auch unsere komplette US- und Kanada-Tour, die wir mit Children Of Bodom absolviert haben." Wie Johan mir anschließend verdeutlicht, kam die lange Wartezeit auf eine Amon Amarth-DVD nicht von ungefähr zustande. "Erstens haben wir eine solche Veröffentlichung bisher ja noch nie gemacht – und zweitens wollten wir sie natürlich so anspruchsvoll und vollwertig wie nur irgend möglich gestalten. So nahm es schon ein ziemlich großes Zeitkontingent in Anspruch, bis wir alles für ,Wrath of the norsemen’ zusammengetragen hatten. Nicht weniger lange benötigten wir dann nachfolgend mit der Auswahl, was denn nun genau vom Vorhandenen auf die DVDs gepresst werden sollte und was nicht. Daneben tourten wir ja wie gesagt sechs Wochen durch Amerika, und in dieser Zeit war uns ein effizientes Arbeiten am DVD-Release praktisch nicht möglich."
Amon Amarth
Teuflischer, als man denkt
von: Eugen Legat
vom: 14. Juli 2004
Die Drachenboote gehen wieder auf Kaperfahrt. Zwar ist ihre Zahl nicht
virtuell ins nahezu Unermessliche geklont, wie die Flotte der Belagerer im medial
hochgeputschten "Troja" Epos, aber dafür haben sich aus dem Norden Europas
nur die kampfstärksten Elite-Verbände formiert, als gelte es, dem verstorbenen
Viking Metal Genre-Begründer Quorthon, der mit Bathory zu den
bedeutendsten metallischen Grundsteinlegern gehörte, die letzte Ehre auf der
Überfahrt nach Valhalla zu erweisen. Die wiedererstarkten Unleashed kreuzen
erneut die tosenden Wellen und auch Amon Amarth haben die Segel gesetzt,
ihrem Fabelwerk "Versus the world" einen Nachschlag zu verpassen. Wie
man dem Review entnehmen kann bleiben sie ihrem darauf eingeschlagenen Kurs
treu, ja, sie forcieren ihn sogar - ohne ihrer eigenen Identität, die sie schon
seit der ersten MCD - 1996 von einem Label aus Singapur (!) zuerst aufgelegt
- wahren, den Schneid zu nehmen. Als Texter ist Fronthühne Johan Hegg
natürlich erste Wahl, wenigstens einige Einblicke in das lyrische Sujet von
"Fate of norns" zu geben.
"Auch wenn die Songs eigentlich unabhängig voneinander existieren können, gibt
es unterschwellig ein Konzept, welches sich mit dem Schicksal der Menschheit
auseinandersetzt. Die beiden letzten Stücke, 'Arson' und 'Once sealed
in blood' beziehen sich direkt aufeinander, sie sind angelehnt an eine alte
isländische Sage. Eine Familie und ihre Freunde werden angegriffen und fliehen
in ihr Haus. Die Angreifer setzen das Gebäude in Brand, um die Menschen aus
ihrem Versteck zu locken und niederzumachen, aber diese ziehen es vor, in den
Flammen zu sterben. Eine Person kann jedoch fliehen und kehrt später zurück,
um Rache zu nehmen. Mit dem Text von 'Death in fire' (der Über-Hymne
des letzten Albums - Anm. d. Verf.) gibt es trotz der ähnlichen Assoziationen
beider Titel keine Berührungspunkte inhaltlicher Natur, da dieses Lied sich
mit dem Ende der Welt in der nordischen Mythologie beschäftigte."
Wobei das Album mit der letzten Zeile "No remorse" den zusammenfassenden
Eindruck bestätigt, keine Gefangenen ernähren zu wollen.
"Das ist das Prinzip von straight forward fuckin' Metal. Auch wenn man es uns
mit einem Spaßvogel wie unserem Basser Ted Lundström oder dem eher ruhigen
Johan (Söderberg, zweiter Gitarrist neben Urgestein und Hauptkomponist
Olavi Mikkonen - Anm. d. Verf.) nicht zutrauen will - wir sind manchmal
teuflischer, als man denkt. 'The beheading of a king' entstand ganz spontan
im Studio, also habe ich in nur zwei Stunden den Text dazu niedergeschrieben.
Er handelt von einer wahren Begebenheit unserer Geschichte und ist inspiriert
von den Erzählungen eines etwas älteren Mannes, der Führungen durch ein nach
originalen Bauplänen rekonstruiertes Wikingerdorf anbietet, welches als Touristenattraktion
in der Nähe des Berno Studios in Malmö liegt und Einblick in Architektur
und Lebensweise der Menschen hier an der schwedischen Ostseeküste in der Zeit
rund um das Mittelalter ermöglicht. 'Pursuit of Vikings' ist es, die
Segel zu setzen und in den Krieg zu ziehen, Ruhm zu erlangen und schließlich
den Tod zu finden. Wenn der Sommer Einzug hält, können Wikinger es nicht länger
in ihren Heimatdörfern ertragen, sie folgen dem Ruf der Wellen."
Oder können sie etwa auf Dauer ihre angetrauten Weiber nicht ertragen, denen
sie nach Monaten der Abwesenheit zur Wiedergutmachung alsbald Tand und Geschmeide
anschleppen? Johan mag nur den historischen Bezug bestätigen.
"(meckernd lachend) Exakt. Ich wollte es nicht so direkt formulieren.
Aber damals war eben nicht alles gut und schön ."
Heute eigentlich auch nicht. Mittlerweile sind Amon Amarth Teil einer
Maschinerie geworden, die das Arrangement mit dem Privatleben jenseits der Musik
und den Jobs der Beteiligten zunehmend komplizierter gestaltet. Trotz kontinuierlichem
Wachstum stellt sich die Frage, wie groß man in ihrem Genre werden kann und
wie dieser Status zu halten ist.
"Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Wir haben jede Gelegenheit
ergriffen und über die Jahre sehr hart gearbeitet, um voran zukommen, und das
zahlt sich gerade aus. Zwei Jobs zu halten ist nicht gerade leicht, einerseits
die Band durch Touren zu stützen und andererseits die Rechnungen zu Hause im
Griff zu behalten."
Mit einem stählernen, problemlos abgreifbaren Backkatalog und einer festen
Gefolgschaft gesegnet, dürften nach weit mehr als zehn Jahren Bandgeschichte
auch die Medien Live-Album und DVD zunehmend attraktiver werden.
"An letzterem arbeiten wir schon länger, so wird auch die kommende Tour gefilmt,
um nachher aus umfangreichem Material wählen zu können. Zudem gibt es noch viele
nicht veröffentlichte Archivaufnahmen."
Doch zunächst steht die erfreulich entzerrt entworfene Headliner-Tour mit
den Landsmännern Impious und den Labelkollegen Disillusion an,
deren experimentelle Performance und wahrhaft progressives Songwriting Johan
aus erklärlichen Gründen noch kein Begriff ist.
"Ich sollte unseren Ansprechpartner bei Metal Blade etwas würgen - bislang
habe ich keine Disillusion CD erhalten. Von dem, was du mir erzählt hast,
dürfte ihr Stil vor allem unserem ex-Drummer Martin (Lopez, nunmehr
seit Jahren bei Opeth in Lohn und Brot - Anm. d. Verf.) gefallen. Ich
bin jedenfalls sehr gespannt darauf; selbst Impious sind mir nur vom
Namen her bekannt, aber sie wurden mir schon von vielen Seiten als absolut mörderische
Live-Band empfohlen. Für uns kann es nur ein willkommener Antrieb sein, unser
Bestes zu geben."
Und als sei dies als Lebensaufgabe zumindest für die nächsten Monate nicht
genug bietet Johan sogar einen kleinen Ausblick auf zu erwartende Heldentaten
jenseits des Horizontes an.
"Ich arbeite bereits an einem Konzept für das nächste Album, wobei ich noch
nicht weiß, ob es alle Songs umfassen wird. Momentan stehen eine Menge Nachforschungen
an, um es historisch fundiert zu verwirklichen. Manchmal werfe ich komplette
Texte in den Mülleimer, weil sie sich nicht stark genug von alten Songs abheben."