Interview
Nenn' es wie du magst wir nennen es Betontod
von Matthias Mader (02.07.2012)Zumindest für mich sind Betontod so etwas wie die "Band der Stunde". Das bärenstarke letzte Album "Antirockstars" stieg in den deutschen Charts immerhin bis auf Platz 28. Mit "Entschuldigung für nichts" machen Betontod jetzt genau das, wofür der Albu...
WeiterlesenZumindest für mich sind Betontod so etwas wie die "Band der Stunde". Das bärenstarke letzte Album "Antirockstars" stieg in den deutschen Charts immerhin bis auf Platz 28. Mit "Entschuldigung für nichts" machen Betontod jetzt genau das, wofür der Albumtitel steht: Sie entschuldigen sich für nichts. Aber auch gar nichts. Müssen sie auch nicht. Während "Antirockstars" ein mehr oder minder linientreues Punkrock-Album war, streckt "Entschuldigung für nichts" seine Fühler auch in Richtung Metal, Ska und Rock aus. Und wer weiß, vielleicht geht die Reise in den Charts sogar noch weiter nach oben? Der Erfolg basiert indes auf 20 Jahren harter Arbeit, die sich jetzt auszuzahlen beginnt. Betontod sind alles andere als eine "Overnight Sensation". Das weiß auch ihr Gitarrist und Sprachrohr Frank Vohwinkel: "Ich denke, dass hinter allem, was wir bis jetzt gemacht haben, eine Menge Herzblut steckt. Dass sich das nun auszahlt, ist irgendwie cool und das Ergebnis verdammt harter Arbeit. Über 20 Jahre diese Freundschaft innerhalb der Band aufrecht zu erhalten, über 20 Jahre dieses Feuer brennen zu lassen, das ist, wenn man ehrlich ist, heutzutage nicht gerade normal. Von daher sind wir definitiv keine ,Overnight Sensation', und sehen uns eher auf einem Weg, auf dem wir noch lange nicht am Ziel sind. Weil wir uns als Personen auch ständig ändern und doch irgendwie gleich geblieben sind." Mit Better Than Hell haben Betontod jetzt auch ihr eigenes Label gegründet. Sicherlich ein Mittel, um mehr Kontrolle über ihre eigene Musik, deren Entstehung sowie Vermarktung zu bekommen. Frank sieht das sehr ähnlich: "Das ist ein ganz entscheidender Faktor geworden. Wir sind das, wovon viele Bands träumen. Wir sind komplett frei von Zwängen. Uns schreibt niemand vor, wie ein Cover auszusehen hat, wie wir uns zu präsentieren haben. Wir machen alles selbst. Eigentlich Punk in seiner ursprünglichen Form. Und wenn ich hin und wieder lese, dass wir manche Dinge nur des Kommerzes wegen machen, dann muss ich echt schmunzeln. Hinter uns steckt kein Konzern, keine riesige Plattenfirma. Alles, was wir uns erarbeiten, haben WIR uns auch verdient. Da haben wir echt kein schlechtes Gewissen!" Wie bereits weiter oben erwähnt, haben Betontod mit "Entschuldigung für nichts" ihre musikalischen Scheuklappen vollends abgelegt. Da stellt sich natürlich hier und da die Frage nach der Dehnbarkeit des Begriffs Punkrock. Oder sind Betontod ab jetzt eher mit den Begriffen Rock oder Deutschrock adäquat zu beschreiben? Zumindest für mich riecht diese Bezeichnung noch immer zu sehr nach Grönemeyer und BAP ... Frank Vohwinkel ist da ein wenig diplomatischer: "Ich würde Punkrock sagen. Mal mehr Rock, mal mehr Punk. Deutschrock ist für mich aber kein schlimmes Wort. Das sind halt Künstler, die auch einiges erreicht haben, ob man die Musik mag oder nicht, das sei dahingestellt. Aber in welcher Schublade man sich befindet, da hat man als Band eh nur bedingt Einfluss drauf. Das sollen andere entscheiden. Wir machen den Sound, den wir machen wollen. Nennen kann man das, wie man möchte. Wir nennen es Betontod." Wie bereits dargestellt, kommen Betontod im Prinzip von ganz unten und haben sich den Erfolg redlich erarbeitet. Wie mag es sich denn dann jetzt eigentlich anfühlen, mit Bands wie den Toten Hosen, Ärzten, Böhsen Onkelz und vielleicht sogar Frei.Wild in einen Topf geworfen zu werden? "Wir werfen uns ja nicht mit denen in einen Topf, aber wenn das passiert, dann ist das okay für uns", bremst mich Frank äußerst gekonnt aus. "Das sind fast alles Bands, die eine Geschichte haben, die seit Jahrzehnten auf den großen Bühnen unterwegs sind. Ich denke nur, dass sich einige der besagten Künstler dabei allerdings zu sehr von der Basis entfernt haben. Und dann versuchen sie mit irgendwelchen Aktionen wieder zu verdeutlichen, dass ihnen die Basis nicht komplett egal ist. Ich hoffe, dass wir das nie machen müssen. Wir stehen mit unseren Anhängern in dauerhaftem Kontakt und sind nach jedem Gig noch bei den Fans."
Nicht auf die schnelle Kohle aus!
von Matthias Mader (22.06.2011)Mit dem programmatisch betitelten "Antirockstars", bringen Betontod ihren sechsten Longplayer seit ihrer Gründung vor über 20 Jahren auf den Markt. Von Routine jedoch keine Spur, wie Gitarrist Frank Vohwinkel bemerkt, Betontod sind noch weit davon en...
WeiterlesenMit dem programmatisch betitelten "Antirockstars", bringen Betontod ihren sechsten Longplayer seit ihrer Gründung vor über 20 Jahren auf den Markt. Von Routine jedoch keine Spur, wie Gitarrist Frank Vohwinkel bemerkt, Betontod sind noch weit davon entfernt, in Rockerrente zu gehen. Kein Vergleich zu Slime, Razzia oder Toxoplasma: "Wir sind im Schnitt erst 33 Jahre alt. Wenn ich die Mitglieder dieser Bands sehe, ist das doch noch jung, oder? Und trotzdem sind wir 20 Jahre unterwegs und haben viel gesehen. Das schaffen nicht viele Bands." Dem kann ich nur beipflichten. Im Infoblatt ist von der Band als "eine der charismatischsten deutschen Rockgruppen der Gegenwart" die Rede. Hmm, ist also Deutschpunk noch immer ein schmutziges Wort oder engt dieser Begriff Betontod vielleicht stilistisch doch ein wenig zu sehr ein? Frank wählt seine Worte sorgsam: "Nein, es ist natürlich kein schmutziges Wort. Unsere Wurzeln haben wir definitiv im Deutschpunk. Nur hat sich unsere Musik immer weiter entwickelt und mittlerweile kann man es halt eher als Rock mit Metal-Einflüssen bezeichnen. Wir haben keinen Bock, uns in dieses Muster zu zwängen, nur weil es so sein muss." Das wiederum kann ich voll nachvollziehen. Nehmen wir doch eine Nummer wie "Wenn der Sturm beginnt" vom neuen Album. Vom Riffing her klingt das sogar ein wenig nach Iron Maiden. Tatsächlich liege ich nicht gänzlich falsch: "Richtig, das ist genau das, was uns da beeinflusst hat. Eine Band, die uns auch seit unserer Jugend begleitet. Neben dem Deutschpunk haben wir natürlich auch Maiden, Slayer und Metallica gehört. Ich hatte sogar eine Kutte mit einem Maiden-Aufnäher. Wenn ich die heute noch hätte ... Na ja, würde eh nicht mehr passen." Insgesamt ist die Metal-Schiene auf "Antirockstars" aber nicht zu heftig, klassische Deutschpunk-Nummern sind in der Überzahl, wie die an die Toten Hosen erinnernde Hymne "König Alkohol" (die bei aller Mitsingtauglichkeit textlich eher nachdenklich stimmt) beweist. Frank Vohwinkel bestätigt: "Ja, die Textzeile ,Du bist mein größter Feind' trifft es doch ganz gut. Und trotzdem können wir nicht von ihm lassen. So ist das halt." Wie bereits weiter oben erwähnt, ist der Albumtitel "Antirockstars" für Betontod Programm und laut Gitarrist Frank aus der Selbstreflexion heraus entstanden: "Wir haben uns gefragt, was uns ausmacht. Welches Profil wir haben. Und uns ist echt aufgefallen, dass wir schon alle eigene Charaktere sind, aber eines uns alle verbindet: Wir müssen uns nicht verkleiden oder verbiegen, um unsere Musik zu präsentieren. Wir ziehen auf der Bühne genau die Klamotten an, die wir auch nach der Show tragen. Und so wie ich das sehe, braucht das unsere Musik auch nicht. Die kann man auch ohne Rockstars gut finden." Auch "Keine Popsongs" definiert eindeutig, wofür Betontod stehen bzw. nicht stehen: "Genau das trifft unseren derzeitigen Weg. Wir wissen, dass wir in den Medien nicht wahrgenommen werden. Und trotzdem ist es wichtig, immer weiter zu gehen. Sonst hätten wir die 20 Jahre auch gar nicht durchgehalten. Wenn ich Shows wie ,Popstars' oder ,DSDS' sehe, finde ich es echt schade, dass da mittlerweile ein so breites Publikum drauf abfährt. Stars, die eine Halbwertzeit von ein paar Wochen haben. Es geht nur noch um Kohle. Schnelle Kohle."