Interview
Muffensausen? Von wegen...
von Oliver Kube (21.05.2013)Ende Januar 2011 erschien "Boombox", das sechste Studiowerk der Berliner Punkrocker Beatstreaks. Damals gab Gitarrist Bernd Kurtzke etwas vorsichtig zu Protokoll: "Mit dem bisher noch zu geringen Abstand von den Aufnahmen, können wir das noch nicht g...
WeiterlesenEnde Januar 2011 erschien "Boombox", das sechste Studiowerk der Berliner Punkrocker Beatstreaks. Damals gab Gitarrist Bernd Kurtzke etwas vorsichtig zu Protokoll: "Mit dem bisher noch zu geringen Abstand von den Aufnahmen, können wir das noch nicht ganz abschließend versprechen, aber wir hoffen, dass dies ein Album mit einer etwas höheren Halbwertzeit geworden ist. Sonst bist du als Hörer zu Anfang total begeistert, ziehst es dir drei Wochen lang jeden Tag rein und dann hängt es dir plötzlich zum Hals heraus." Eine Befürchtung, die sich - spätestens nach drei Wochen - als gegenstandslos herausstellte. "Boombox" war - und ist es noch heute - eine echte Granate, ein Top-Album der jüngeren deutschen Rockgeschichte. Was sich nicht nur darin zeigte, dass die Beatsteaks erstmals in ihrer mittlerweile auch schon 17 Jahre anhaltenden Geschichte auf Platz eins der deutschen Charts landeten. Dazu kamen nicht nur eine, sondern gleich drei in den Hitlisten geführte Single-Auskopplungen. Außerdem - und das ist der Band am wichtigsten (das wird sie nicht müde immer wieder zu betonen) - war die dazugehörige Tournee oder besser gesagt, waren die Tourneen, ein Riesenerfolg. In ausverkauften Häusern aller Orte lockte die Band über 500.000 (in Worten: eine halbe Million!!!) Musikfreunde in die Clubs, Arenen und Open-Air-Venues. Da ist es nicht nur legitim, sondern geradezu angebracht der Erfolgstour einen Konzertfilm zu widmen. Ein solches Echo auf die eigene Arbeit tut natürlich Wunderdinge fürs Selbstvertrauen. Sogar bei den alles andere als großmäuligen, sondern immer sympathisch geerdeten Fünf um Sänger und Rhythmusgitarrist Arnim Teutoburg-Weiß. So kündigen die Berliner das nun zur Veröffentlichung anstehende Video-Meisterwerk mit diesen Worten an: "Vergesst ,Ben Hur' oder ,Twilight'! Das hier ist das bisher größte Projekt unserer Bandgeschichte." Recht haben sie, aber "Muffensausen" ist nicht nur groß, es ist auch lang. Denn neben dem abendfüllenden Konzertfilm, aufgezeichnet bei fünf verschiedenen Shows und gewürzt mit vielen Backstage- und Behind-The-Scenes-Momenten, gibt es eine zweite DVD vollgestopft mit Extras. Im Laufe des Genusses der fünfeinhalb Stunden Beatsteaks-Materials lernt man die Band tatsächlich kennen. Der Konsument versteht weshalb sie so sind wie sie sind. Was sie bewegt, was sie antreibt und warum sie so dermaßen beliebt sind. Aber das ist nicht alles. "Da kommt noch einiges in diesem Jahr", verspricht Arnim und spielt damit auf das nächste Studiowerk an, an dem die Gruppe derzeit fieberhaft schuftet. Ein erster Vorbote des "Boombox"-Nachfolgers ist die neue Single "Saysaysay". Die ebenso atmosphärische wie relaxt groovende und ohrwurmverdächtige Nummer ist, quasi als Bonustrack, auf der den DVDs beigefügten Audio-CD mit 15 Livetracks enthalten. Je nachdem wie die Arbeiten voran gehen wird es vielleicht zum Jahresende sogar noch ein paar Live-Shows zu erleben geben. Muffensausen vor der Zukunft müssen die Beatsteaks jedenfalls nicht haben. Ihre Fans allerdings müssen "Muffensausen" definitiv im DVD- und im CD-Player bzw. auf dem Vinyl-Plattenteller haben.
Tribute To Proberaum!
von Thomas Clausen (07.01.2011)Mitreißend ungebügelt, charmant spröde, leidenschaftlich-lärmig und sehr, sehr laut - nach längerer Kreativpause knallen die Beatsteaks pünktlich zum Jahresanfang ihren wohl ausgereiftesten und zugleich auch krachigsten Longplayer auf den Tisch. Kein...
WeiterlesenMitreißend ungebügelt, charmant spröde, leidenschaftlich-lärmig und sehr, sehr laut - nach längerer Kreativpause knallen die Beatsteaks pünktlich zum Jahresanfang ihren wohl ausgereiftesten und zugleich auch krachigsten Longplayer auf den Tisch. Kein Wunder: Haben die Berliner Punkrocker ihr sechstes Full Lenght-Album doch nach dem frisch renovierten Proberaum benannt, in dem das neue Werk während der letzten Monate in mühevoller Detailarbeit entstand. Willkommen in der "Boombox"! Nach diversen Studioaufenthalten, entschlossen sich Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß, die Gitarristen Peter Baumann und Bernd Kurtzke, Drummer Thomas Götz und Basser Torsten Scholz schließlich kurzerhand dazu, ihr neues Album im bestens bewährten Boombox-Rehearsal Room aufzunehmen. Zuhause ist's doch am schönsten, wie Bernd grinsend bestätigt. "Wir haben erst einen Vorabsong in einem anderen Recording-Studio aufgenommen und schon beim Einspielen gemerkt, dass alles so wie immer ist: Man ist im Studio, die rote Lampe geht an, man wird nervös und versucht, irgendwie zum Punkt zu kommen. Es war einfach nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Also haben wir überlegt, es noch einmal da zu machen, wo wir uns am wohlsten fühlen und wo wir zuhause sind: In unserem Proberaum. Diese Idee war toll und hat bestens funktionert" (wie man Tracks wie "Bullets from another dimension", "Under a clear blue sky" oder der ersten Single "Milk & honey" deutlich anmerken kann). "Ich denke, man kann definitiv diese Energie spüren, die entsteht, wenn wir Fünf in einem Raum zusammen Musik machen. Dieses Album ist die bisher unverfälschteste, purste Platte, die wir jemals aufgenommen haben. So sind wir, so klingen die Beatsteaks. Genau so!" Ein rasanter Zickzack-Parcours mit diversen Ecken und Kanten, Schweiß, Bier und hörbar viel Herzblut. Beatsteaks unverfälscht und rein, irgendwo zwischen den Alternative Rock-Garstufen roh und englisch, mit leichten California-Kreuzberg-Anflügen. "Außerdem sind so viele Verspieler in den Songs, die wir schlussendlich beibehalten haben, weil es sich einfach gut und cool angehört hat." Nichts desto trotz musste man sich nach Beendigung der letzten Tour wieder langsam aneinander gewöhnen, wie Bernd erzählt. "Man muss sich jedes Mal wieder aneinander gewöhnen. Jeder muss sich beim Songschreiben in den Ideen der anderen wieder finden - wenn man sich ein Jahr oder länger nicht gesehen hat, ist es eine sehr spezielle Sache, sich wieder aufeinander einzulassen. Es war wichtig für uns, während dieser Zeit etwas Abstand zu bekommen und sich darüber klar zu werden, wer man ist und ob man sich immer noch befähigt fühlt, ein Teil dieser Band zu sein." Kollektive Selbstzweifel, die die Beatsteaks einstweilig für sich mit einem dicken "Ja" beantworten und mit "Boombox" das nächste Kapitel ihrer untypisch-deutschen Vorzeigekarriere beginnen. Lang lebe der Knall, lang lebe der Proberaum!