Der 7. Juni 2004 wird als einer der schwärzesten Tage in die jüngere Metalgeschichte
eingehen. Es war der Tag, an dem Quorthon - Bandleader von Bathory
- völlig unerwartet einem Herzleiden in seiner Wohnung in Stockholm erlag. Als
die Na...
Der 7. Juni 2004 wird als einer der schwärzesten Tage in die jüngere Metalgeschichte
eingehen. Es war der Tag, an dem Quorthon - Bandleader von Bathory
- völlig unerwartet einem Herzleiden in seiner Wohnung in Stockholm erlag. Als
die Nachricht am nächsten Tag die Runde machte, herrschte in der Welt des Heavy
Metals eine Art Schockzustand. Es stand unwiderruflich fest: Die Metalszene
hatte eine ihrer besten, schillerndsten, kontroversesten und nicht zuletzt talentiertesten
und begnadetsten Figuren für immer verloren. Quorthon wurde nur 39 Jahre
alt und starb eines natürlichen Todes. Aufkommende Gerüchte über Drogen oder
Alkohol entbehren jeder Grundlage, der Schwede war schließlich bekennender Abstinenzler.
Vielmehr verdichtete sich die Tatsache, dass Quorthon schon seit Jahren
Probleme mit dem Herzen hatte und seiner Krankheit, über die nie etwas bekannt
geworden war, am 7. Juni auf natürliche Art und Weise erlegen ist.
Quorthon - der mit bürgerlichem Namen Thomas Forsberg hieß und
der Sohn vom Boss seiner Plattenfirma Black Mark (Börje Forsberg)
ist - begann seine musikalische Laufbahn mit Bathory am 16. März 1983.
Wenig später folgten erste Rehearsalaufnahmen und es dauerte nur zehn Monate,
bis die beiden Songs für die "Scandinavian Metal Attack" Compilation
im Kasten waren. Der Bandname stammt übrigens von der ungarischen Gräfin
Elizabeth Bathory, die im 16. Jahrhundert über 650 Jungfrauen umbringen
ließ, um durch Bäder in deren Blut ewige Jugend zu erlangen. Zweifelsfrei wurde
die Band in ihren Anfangstagen von den Großvätern des Black Metal - natürlich
ist die Rede von den Briten von Venom - beeinflußt. Doch während das
Trio Infernale aus England seinen Black Metal mit einem Augenzwinkern versah,
war es den Schweden todernst. Ihr rauher, sehr einfach gehaltener Black Metal
entsagte jeglicher Lebensfreude und konnte vielmehr mit einer spürbaren Eiseskälte
auftrumpfen, wie man sie damals noch nicht gekannt hatte (höchstens die zeitgleich
gestarteten Eidgenossen von Hellhammer konnten da mithalten).
Die 1984 und 1985 veröffentlichten Alben "Bathory" und "The return"
sind Spiegelbilder des schwarzen Hasses, welchen der junge Quorthon damals
verspürt haben muß. Das Cover des Debüts mit dem Ziegenkopf dürfte bis zum heutigen
Tage mehrere tausend male auf T-Shirts verkauft worden sein - ein Klassiker!
Doch bei allem Respekt vor der Band Bathory - Quorthons damalige
Mitmusiker waren allesamt nur Handlanger und entsprechend austauschbar - sämtliche
Musik und alle Texte stammen seit jeher von Quorthon selbst! Seine musikalischen
Fertigkeiten wurden von Jahr zu Jahr besser, 1986 veröffentlichte der Schwede
mit "Under the sign of the black mark" einen weiteren Meilenstein. Das
Album ist bis heute sicherlich zu den populärsten Alben des Schweden zu zählen.
Diese ersten drei Longplayer haben mit den Grundstein für eine Musikwelle geebnet,
die erst Anfang bis Mitte der Neunziger ihren Höhepunkt erleben sollte: Den
Black Metal.
Keine skandinavische Black Metal Band, die nicht zugibt, von den alten Bathory
Alben maßgeblich beeinflußt worden zu sein. Dafür sprechen auch die bereits
vor Jahren erschienenen Tribute Compilations, auf welchen einige der populärsten
Black- und Death Metal-Bands Skandinaviens zu finden sind. Mit "Blood fire
death" wandte sich Quorthon erstmals anderen Themengebieten zu und
erfand dabei ein weiteres Genre. Viking Metal hatte es bis dahin noch nicht
gegeben. Wirklich ausgereift und konzeptionell durchdacht präsentierten Bathory
den Terminus aber erst mit dem Nachfolgewerk "Hammerheart" - unwiderruflich
das bis zum heutigen Tag am meisten verehrte Album Quorthons! Die Texte
erzählten von den alten Geschichten der Nordmänner und gemeinsam mit der leicht
klirrenden, scheppernden Produktion, der Musik und dem großartigen Frontcover,
wurde das Album zum Inbegriff des Viking Metals, welches Heerscharen von Metalfans
weltweit immer noch vergöttern. Mit dem 1991 veröffentlichten Nachfolger "Twilight
of the gods" wurde "Hammerheart" ein ebenbürtiger Bruder zur Seite
gestellt. In den folgenden drei Jahren erschienen zwei Best Of-Alben und ein
Soloalbum von Quorthon - schlicht "The Album" betitelt - auf welchem
er seiner Vorliebe für Grunge und 70er Jahre Rock frönte. Die 1994 und 1995
veröffentlichten Scheiben "Requiem" und "Octagon" kehrten wieder
die härtere Seite Bathorys hervor, hatten nichts mit der Wikingerthematik
gemein und wirkten eher wie Schnellschüße. Quorthon erhöhte das Flehen
der Fans nach mehr Epik und entfachte 1996 "Blood on ice". Teilweise
schon 1988 aufgenommen, stellte der Meister das Album acht Jahre später fertig
und anno 2004 genießt der Longplayer ebenfalls Legendenstatus.
Es folgten fünf Jahre Pause, in welchen sich Quorthon sehr rar machte.
2001 wurde schließlich "Destroyer of worlds" veröffentlicht. Das Album
wurde recht zwiespältig aufgenommen, da es neben orchestralen, epischen Songs
auch diverse Punk- und Hardcorenummern enthielt, die sowohl musikalisch als
auch textlich nicht so recht zum Profil Bathorys passen wollten (ein
Song handelte sogar von Eishockey - einer weiteren Passion Quorthons).
Mit den 2002 und 2003 veröffentlichten "Nordland I" und "Nordland
II" schloß Quorthon abermals Frieden mit den Fans, denn diese beiden
Alben enthielten genau den Bathory Sound, welcher weltweit am meisten
verehrt wird - monumentale Musik, die einen in scheinbar andere Zeiten entführt
und von Wikingern und ihren Schlachten erzählt. Fans wissen natürlich, daß Bathory
in ihrer über 20-jährigen Karriere niemals live aufgetreten sind. Quorthon
erklärte das stets damit, daß der Sound der epischen Alben live unmöglich zu
reproduzieren sei und er keinen Sinn darin sehe, mit 30 Leuten auf einer Bühne
zu stehen. Quorthon wurden hohe Geldbeträge für Einzelshows auf Festivals
geboten, er hat stets abgelehnt. Womöglich war er sich bewußt, daß er durch
eine Liveshow nur verlieren konnte und der Mythos Bathory bröckeln würde.
Sehr wahrscheinlich ist jedoch, daß der öffentlichkeitsscheue Schwede einfach
keine Lust hatte, auf einer Bühne zu stehen und seine Kreativität lieber im
Studio auszuleben gedachte. Die Mär vom unnahbaren Nordmann stimmt aber nicht
- in Interviews stellte sich mir Quorthon als höflicher, auskunftsfreudiger
Mensch dar, der mit intelligenten Antworten und einer gesunden Einstellung zum
Leben einen durch und durch positiven Eindruck hinterließ. Seine Freizeit verbrachte
der Schwede im Sommer zum Großteil auf seiner Harley Davidson, Motorradfahren
gehörte zu den großen Leidenschaften des blonden Hünen. Mit Quorthon
ist ein Mitbegründer des Heavy Metals von uns gegangen, durch seine Musik wird
er aber in unseren Herzen für immer weiterleben. Unser Beileid gilt seiner Familie
und seinen Freunden.