Interview

Die Band ist mein Leben
von Oliver Kube (14.06.2011)Von Fans und Freunden mehr oder weniger spontan gefilmt, haben die westfälischen Melodic Power-Metaller dieser Tage ihre erste DVD (auch als reine Audio-Variante erhältlich) auf den Markt gebracht. Eine Premiere in mehreren Belangen. Aber noch längst...
WeiterlesenVon Fans und Freunden mehr oder weniger spontan gefilmt, haben die westfälischen Melodic Power-Metaller dieser Tage ihre erste DVD (auch als reine Audio-Variante erhältlich) auf den Markt gebracht. Eine Premiere in mehreren Belangen. Aber noch längst kein Schlusspunkt, wie Frontmann und Mastermind Bernhard Weiss emphatisch versichert.
EMP: So ein "Bootleg" ist ja per Definition eine Momentaufnahme. Wie viel Zeit habt ihr schließlich mit der Nachbearbeitung verbracht? Das müsste ja recht flott gegangen sein...
BW: Von wegen. Wir haben fast ein Jahr gebraucht, bis das gute Stück fertig geschnitten und gemixt war. Die Jungs hatten mit fünf allenfalls semi-professionellen Kameras gedreht, fast alle in unterschiedlichen Bildformaten. Das musste alles konvertiert und angepasst werden. Außerdem war eines der Mikros ausgefallen etc. Ein Wahnsinn eigentlich.
EMP: Wie groß war denn dann die Versuchung, den einen oder anderen kleinen Spielfehler oder schrägen Ton einfach mal schnell zu korrigieren?
BW: Ganz ehrlich? Die war verdammt groß. Es ärgert mich als Sänger natürlich zu hören, wie außer Atem ich etwa beim Eröffnungsstück klinge. Und es wäre so einfach, das im Studio schnell auszubessern, indem ich die paar Zeilen einfach ganz entspannt nochmal singe. Das machen ja auch unglaublich viele Bands. Aber sowas enttäuscht mich dann immer, weil man es eben doch merkt. Wir wollten authentische Bilder und Töne liefern und da geht nun mal auch etwas daneben. Da staut sich so viel Adrenalin an, dass der Sänger außer Atem ist, der Drummer mal einen Beat auslässt usw. Das hier ist live - echt und ungeschönt.
EMP: Ihr habt ja euer eigenes Label gegründet. Geschah das aus der Not heraus, um diese DVD überhaupt veröffentlichen zu können?
BW: Nein, überhaupt nicht. Unser reguläres Label AFM wollte die DVD gern herausbringen und diverse andere Firmen auch. Es war aber ein lang gehegter Traum von uns. Wir haben mittlerweile unser eigenes Studio und auch den Verlag unserer Musik übernommen. Je mehr Kontrolle man als Künstler über das eigene Schaffen hat, desto besser.
EMP: Werden auch andere Bands bei Phonotraxx unter Vertrag stehen?
BW: Das wäre toll. Noch ist das aber Zukunftsmusik. Diese DVD ist ein Testballon, ob wir das Ganze überhaupt so gewuppt bekommen, wie wir es uns vorstellen.
EMP: Na dann, viel Glück dabei. Was meinst du, wie lange wird es Axxis noch geben? Habt ihr euch ein Ziel gesetzt, dass ihr unbedingt noch erreichen wollt? Das 30-Jährige vielleicht?
BW (lacht): Ach, warum denn nicht gleich die 40? Nee, darüber machen wir uns keine Gedanken. Axxis wird es so lange geben, wie wir und das Publikum Spaß daran haben. Irgendwann wird Schluss sein. Das steht fest. Aber wann? Keine Ahnung? Wir stehen noch immer voll im Saft und unseren Fans scheint es unverändert Freude zu machen. Ich kann mir vorstellen, irgendwann mal regelmäßiger andere Bands zu produzieren. Bis auf Weiteres ist und bleibt Axxis aber mein Hauptfokus. Die Band ist mein Leben...
Im Abgrund des Schicksals
von Lisa Hofer (18.09.2007)Ihre Melodien vergisst man so schnell nicht mehr, die eingängigen Songstrukturen fesseln den Hörer und machen seit jeher die hohe Qualität der Axxis-Alben aus. Auch auf ihrem elften Silberling "Doom of destiny" begeistert die Melodic Power Metal-Comb...
WeiterlesenIhre Melodien vergisst man so schnell nicht mehr, die eingängigen Songstrukturen fesseln den Hörer und machen seit jeher die hohe Qualität der Axxis-Alben aus. Auch auf ihrem elften Silberling "Doom of destiny" begeistert die Melodic Power Metal-Combo aus dem Ruhrpott mit Leidenschaft für die Musik und fantasievollen Texten - Sänger Bernhard Weiß berichtet. "Als wir den Song ,Doom of destiny' mit dem damaligen Titel ,Arabia' geschrieben haben, stießen wir auf Richard F. Burton, der zunächst als Forscher und später als Übersetzter, die Märchen aus Tausend und einer Nacht in den europäischen Raum brachte und somit den Menschen hierzulande ein Stück fremde Kultur vorstellte. Damals, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, nahm man das Morgenland als geheimnisvolle Traumwelt wahr, während man es uns heute als Wiege des Terrors verkauft. Wir wollten den Glauben und den Aberglauben an das Schicksal, sowie seinen positiven und negativen Einfluss auf das Leben in Worte fassen. Ist der heute laufende Kampf der Kulturen vom Menschen gemacht oder bewahrheiten sich lediglich alte Prophezeiungen?", denkt Bernhard laut über den Inhalt des neuen Albums nach. Die Erstauflage wird den deutschsprachigen Bonustrack "Engel aus Hass" beinhalten: "Mit Axxis haben wir bislang auf deutsche Texte verzichtet, da wir sonst international keine Chance gehabt hätten. Ich werde bald beim ,Prometheus Brain Project' des Landestheaters Schwaben auf der Bühne stehen, dessen Intendant hat den Songtext für uns geschrieben. Ich war am Anfang skeptisch, wie meine Stimme klingen würde, aber nach den Aufnahmen sind die Jungs total ausgerastet. Es wirkt sehr extravagant für unsere Verhältnisse." Musikalisch bleiben sich Axxis treu: "Wichtig ist vor allen Dingen das Songwriting. Heute gibt es viele Bands, die mit fettem Sound versuchen ihre schlechten Songs zu verstecken. Wir halten es in dieser Hinsicht wie auch schon vor fünfzehn Jahren: Berührt den Hörer ein Song, auch wenn er nur mit Gesang und Akustikgitarre vorgetragen wird, ist er gut." Dass Axxis eben solche Lieder schreiben wird bald ganz Europa erleben, denn die Herren gehen mit Helloween und Gamma Ray auf Tour. "Im letzten Jahr haben wir mit Helloween vier Gigs gespielt und die Chemie stimmt einfach. Es ist wunderbar, sich die Erlebnisse im Musikgeschäft um die Ohren zu hauen. Wir nehmen die Tournee zum Anlass um uns wieder zu treffen und ein paar Bierchen zu versenken", freut sich Bernhard auf die Hellish Rock-Tour.
Metallisches Musical
von Markus Wosgien (03.01.2006)Da rede noch einer vom alten Eisen. Zwar sind seit der Veröffentlichung des legendären Axxis Debuts "Kingdom of the night" mittlerweile siebzehn Jahre ins Land gezogen, doch das Quintett um Sänger Bernhard Weiss scheint gerade erst seine Blütezeit zu...
WeiterlesenDa rede noch einer vom alten Eisen. Zwar sind seit der Veröffentlichung des legendären Axxis Debuts "Kingdom of the night" mittlerweile siebzehn Jahre ins Land gezogen, doch das Quintett um Sänger Bernhard Weiss scheint gerade erst seine Blütezeit zu erleben. Ihr neues Meisterwerk "Paradise in flames" glänzt vor Spielfreude, Energie und Ideenreichtum. Die virtuosen Kompositionen besitzen ein gewisses Musical Flair, das für reichlich Gänsehaut sorgt. Unterstützt wird der geborene Entertainer dabei von einer jungen Sängerin namens Lakonia, die dem ohnehin grandiosen Album das nötige i-Tüpfelchen verleiht.
"Veränderungen gibt es auf jedem Axxis Longplayer", beginnt der charismatische Sänger zu resümieren. "Wir haben schon auf der ,Time machine' Scheibe begonnen die Chöre und den Double-Bass weiter in Vordergrund zu stellen, was wir auf "Paradise in flames" beibehielten und versucht haben unser musikalisches Spektrum noch weiter auszudehnen. Wir sind orchestraler geworden, teilweise härter, aber es gibt auch wieder lupenreine Balladen. Durch die Mitarbeit von Lakonia hatten wir zudem die Möglichkeit Neuland zu beackern, wodurch sich vollkommen neue Songstrukturen entwickelt haben. Für uns war es beeindruckend zu sehen, was entstehen kann und wie sich die einzelnen Nummern entwickeln." Wer Axxis im vergangenen Jahr live bewundern durfte, der kam bereits in den Genuss von Sängerin Kerstin alias Lakonia. Auf "Time machine" sang sie bereits bei den Chören mit, nun liefert sie sich einige packende Gesangsduelle mit dem Frontmann. "Es macht mir unheimlich viel Spaß mit ihr zu arbeiten und vor allem auf der Bühne war das eine neue Erfahrung und natürlich ein frischer Wind. Auch die alten Songs bekommen dadurch einen neuen Glanz, was meiner Meinung nach richtig genial rüberkommt. Ich hatte dabei auch mit etwas Kritik gerechnet, die blieb jedoch bislang komplett aus."
Diese Euphorie lässt sich teilen, Lakonia ist als absoluter Gewinn zu betrachten und es bleibt zu hoffen dass die fruchtbare Kombination noch lange anhält. "Sie ist noch sehr jung, arbeitet aber sehr professionell und ich sag mal, dass wenn sie uns überlebt hat, sie mit allen Wassern gewaschen ist. Wir können ihr die Möglichkeit geben Erfahrung zu sammeln und werden abwarten wie weit der Pfeil dann fliegt." Nebenbei verdient sich die Psychologiestudentin ihre Brötchen als Sängerin bei Auftritten in Kirchen und auf Hochzeiten, wo sie letztendlich auch von der Band entdeckt wurde." Das Ergebnis auf "Paradise in flames" besitzt einen gewissen Musical Charakter, hervorgerufen durch die bombastische Chöre, die imposanten und majestätischen Komposition und das genannte Wechselspiel hinter dem Mikro. "Das ist ein sehr schöner Vergleich, den wir in unseren Anfangstagen öfters gehört haben", pflichtet Bernhard bei. "Als die Leute damals Nummern wie ,Tears of the trees' gehört haben, war oft von Filmmusik oder eben Musicals die Rede. Dadurch dass wir auf ,Paradise in flames' sehr viel mit Orchestrierung und Chören arbeiten, ist die Assoziation hin zu Musicals prädestiniert. Find ich toll, denn ich höre und schau mir so was gerne an. Das Queen-Musical ,We will rock you' finde ich klasse und es war schon immer mein Traum eine Art Rock-Theater zu machen." Axxis kommen dieser Bezeichnung relativ nahe, denn großes Kino bekommt man allemal geboten. Man muss dieses Album spüren und erleben. Wer sich dieses Spektakel entgehen lässt, der ist selber schuld.
von Matthias Mineur Ich gebe zu, dass ich nach dem Ausscheiden von Walter Pietsch nicht
wusste, ob es jemals wieder ein Axxis-Album geben würde. Ich komme ja
noch aus der Generation von Musikhörern, die sich ungeheuer schwer mit dem Ausscheiden
eines führend...
WeiterlesenIch gebe zu, dass ich nach dem Ausscheiden von
Walter Pietsch nicht
wusste, ob es jemals wieder ein
Axxis-Album geben würde. Ich komme ja
noch aus der Generation von Musikhörern, die sich ungeheuer schwer mit dem Ausscheiden
eines führenden Bandmitglieds abfinden kann.
Judas Priest sind für mich
eben nur echt, wenn
Rob Halford singt. Und so war ich skeptisch, als
die Aufnahmen zu '
Back to the kingdom' begannen. Doch plötzlich war alles
wieder da und es klang ohne Zweifel nach
Axxis.
Seitdem sind 3 Jahre vergangen und nun haben wir unsere neue CD 'Time machine'
eingespielt - unser 8. Studioalbum. Ich muss immer einen roten Faden haben,
um Songs für eine Platte zu schreiben. Es stand von Beginn an fest, dass wir
mehr Doublebassdrum und mehr Chöre wollten. Die hatten wir zwar schon immer,
aber jetzt wollten wir sie mehr im Vordergrund haben. Gleichzeitig wollten wir
auf unserer neuen Platte einen Querschnitt unserer Musik bieten. Wir haben ja
noch nie ausschließlich einen Stil verfolgt - es gab schon immer verschiedene
Elemente und Spielarten in unserer Musik. 'Time machine' bot sich da
als Sinnbild und Motto für die Platte einfach gut an. Den Refrain für den Song
hatten wir schon seit einiger Zeit in der Schublade. Wir haben uns viel Mühe
gegeben die Chöre gleichberechtigt in die Musik einzubinden, damit sie nicht
nur Beiwerk sind. So ist 'Angel of death' entstanden - den haben wir
quasi um den Chor herumgeschrieben.
Wir arbeiten zur Zeit viel mit Lakonia zusammen, einer Frau mit klassischer
Gesangsausbildung. So jemanden kann man nicht in die zweite Reihe verbannen.
So eine Stimme gehört ganz weit nach vorne. In dem Lied geht es um Sterbehilfe.
Mich hat dazu ein Fernseh-Bericht inspiriert. Dort ging es um einen Mann, der
in Holland Sterbehilfe bekam, wo das unter gewissen Umständen legal ist. Der
Mann freute sich tatsächlich auf den Tod, weil er für ihn eine Erlösung von
den Schmerzen darstellte. Das hat mich anfangs schockiert. Dann habe ich versucht,
mich in ihn hinein zu versetzen. So ist 'Angel of death' entstanden.
Und ich bin heute für die Sterbehilfe - natürlich mit strengen Auflagen.
Meine Texte waren mir immer wichtig. Ich will unseren Fans auch etwas bieten.
Denn ich habe mich früher auch intensiv mit den Texten der Bands beschäftigt,
die ich toll fand. Deshalb will ich nicht nur irgendein Tralala singen. Unter
dem Eindruck des Irak-Kriegs sind für 'Time machine' gleich zwei Songs
entstanden. Ich liebe die USA und die Menschen dort, aber ich verabscheue die
Bush-Regierung und diesen Krieg. Es ist ungeheuerlich, wie viele Menschen draufgegangen
sind und immer noch draufgehen, damit für die US-Multis das irakische Öl wieder
sprudeln kann. 'Wings of freedom' und 'Battle of power' sind mein
künstlerisches Statement zum Irak-Krieg. In eine ähnliche Richtung geht auch
'Wind in the night (Shalom)': Hier geht es um den schlimmen Terrorkrieg,
der zwischen Israelis und Palästinenser tobt. Ich wollte da mal etwas Positives
rüberbringen - etwas, dass Hoffnung macht. Wenn mir das gelingt, habe ich schon
etwas erreicht.