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Die Briten liefern mit ihrem zwölften Studioalbum einen echten Meilenstein ihres beeindruckenden Œuvres ab. Jeder der zehn Tracks ist absolut auf den Punkt gebracht, bietet dabei jede Menge Abwechslung, aber keinen einzigen Schwachpunkt.
EMP Redaktion
von Oliver Kube(18.08.2009)Wahrlich erstaunlich wozu die englischen Veteranen auch im 21. Jahr ihrer Existenz und mit dem nun immerhin schon zwölften Studioalbum noch fähig sind - zu einem wahren Meisterwerk nämlich. In Sachen majestätischer Atmosphäre gab es ja noch nie etwas auszusetzen am Œuvre der Gothic Metal Erfinder. Einige ihrer Stücke wirkten in den letzten Jahren allerdings doch mal etwas zu beliebig. Nicht so hier, denn wirklich jeder der zehn Tracks ist absolut auf den Punkt gebracht. "The rise of denial" etwa, ist trotz eines unwiderstehlichen Grooves der wohl aggressivste Song der Band seit seligen "Icon"-Zeiten (1993). "Last regret" hingegen ist die effektivste Hymne, die man bisher überhaupt zustande gebracht hat und das komplexe Arrangement von "As horizons end" ist mit all seinen unberechenbaren, dabei komplett nachvollziehbaren Aufs und Abs einfach nur genial. Dazu singt Frontmann Nick Holmes so engagiert und (zumindest streckenweise!) tief wie schon lange nicht mehr. Eine brillante Symbiose aus Emotion und Technik, ein Meilenstein im Schaffen des Fünfers und ebenso für das gesamte Genre.
Interview

Paradies zurückerobert
von Björn Thorsten Jaschinski (13.03.2008)Seit "In requiem" zeigen sie ihre Zähne wieder wie zuletzt Mitte der '90er. Auf der aktuellen Tour als Vorgruppe von HIM, konzentrieren sich die britischen Gothic Metal Pioniere - die sich ob der Entwicklung des Genres wie Frankensteine fühlen - dage...
WeiterlesenSeit "In requiem" zeigen sie ihre Zähne wieder wie zuletzt Mitte der '90er. Auf der aktuellen Tour als Vorgruppe von HIM, konzentrieren sich die britischen Gothic Metal Pioniere - die sich ob der Entwicklung des Genres wie Frankensteine fühlen - dagegen auf die sanfteren Verlockungen ihrer letzten Alben. "Wir haben überall kleine Inseln von unseren Fans, aber mehr als 15% des Publikums kennen uns nicht", freut sich Gregor Mackintosh. "Würden wir härtere Songs als ,Requiem' bringen wäre die Irritation groß. Ohnehin sind wir einigen HIM Fans zu düster, aber die Mädels bleiben höflich und klatschen trotzdem" Zu besagtem Quasi-Titelsong von "In requiem" erzählt er "Es ist ein Privileg, als Künstler reisen zu dürfen. So war das schon vor unserem Debutalbum, als wir vor 20 Jahren einige Auftritte auf dem europäischen Festland hatten und die meisten von uns das erste Mal aus England rauskamen. Die Leadgitarren zu ,Requiem' habe ich in Marokko geschrieben, nachdem ich an einer Hotelbar eine einheimische Folk-Truppe gehört hatte. Wahrscheinlich gab es bei uns schon früher unbewusst orientalische Einflüsse." Was erklärt, dass Bands wie Septic Flesh und Orphaned Land ausgehend von ihren Paradise Lost-Wurzeln mit Hilfe von arabischen und teilweise klassischen Einflüssen neue Territorien erschließen. Seth, Sänger der erstgenannten, ist nun Coverkünstler seiner Idole, die Israelis Orphaned Land tourten bereits mehrfach mit Mackintosh's Jungs. Diese geben sich als gestandene Mannsbilder und Familienmenschen mittlerweile sehr ruhig und funktionieren fix jeden Backstage-Raum zum "Internetcafe Paradise Lost" um. Als die aktuelle "The Anatomy Of Melancholy" DVD am 12. April 2007 mitgeschnitten wurde war dies jedoch nicht nötig. Das Best Of-Programm geizt nicht mit Griffen in die Mottenkisten - "Pity the sadness", das unsterbliche "Eternal" und der Titelsong von "Gothic" stellen auch alte Fans zufrieden. Nur auf Material vom Doom Death-Monolithen "Lost paradise" wurde verzichtet. "Unser früheres Label Peaceville hat immer noch die Masterbänder unserer beiden Demos. Mit unserer Erlaubnis werden diese remixt und mitsamt einigen raren Live-Aufnahmen noch in diesem Jahr für Sammler veröffentlicht", überrascht Greg die Anhänger der ersten Stunde. Immerhin befindet sich mit "Drown in darkness" ein bis dato gänzlich unveröffentlichter Song darunter. "Bei den Konzertmitschnitten soll sogar ,Plains of desolation' dabei sein - der war eigentlich als Titelsong unseres Debuts geplant."
Drakonische Gothic Metal-Ikonen
von Markus Wosgien (03.04.2007)Die Begründer des Gothic Metal kehren einmal mehr zurück zu ihren Wurzeln und haben mit "In requiem" ein astreines Metal-Opus geschaffen, das jeder Fan von Klassikern wie "Gothic", "Icon" und "Draconian times" lieben wird. Es ist düster und mystisch,...
WeiterlesenDie Begründer des Gothic Metal kehren einmal mehr zurück zu ihren Wurzeln und haben mit "In requiem" ein astreines Metal-Opus geschaffen, das jeder Fan von Klassikern wie "Gothic", "Icon" und "Draconian times" lieben wird. Es ist düster und mystisch, ebenso magisch und fesselnd.
Frontmann Nick Holmes ist glücklich und präsentiert sich selbstbewusst: "Wir haben ein ganzes Jahr an den Songs gearbeitet und hatten eine exakte Vorstellung davon wie es klingen sollte. Alles wurde genauso umgesetzt und lief wie am Schnürchen, weshalb wir mit dem Ergebnis sehr glücklich sind. Es war uns wichtig, dass es zum einen sehr düster wird, aber auch melodisch ausfällt, was die beiden wichtigsten Komponenten in unserem Sound sind. Die Gitarren sind dieses mal richtig schön heavy ausgefallen und dominieren gewaltig." Die Produktion gab man erneut in die Hände von Rhys Fulber, während man den Mix mit dessen kanadischem Landsmann Mike Frazer vornahm, was sich bezahlt gemacht hat. "Mike kam uns bereits in England im Studio besuchen. Er ist großartig, auf dem Boden geblieben und hat einen erstklassigen Job abgeliefert. Wir sind sehr stolz auf die Zusammenarbeit mit ihm, denn er hat ebenso wie Rhys verstanden worauf es uns ankommt." Den Songwriting-Prozess vergleicht Nick mit Joggen. "Es braucht seine Zeit bis man den Ball wieder am Laufen hat und in den Prozess reinkommt. Greg und ich schreiben die Songs zusammen, dabei korrespondieren wir in erster Linie über das Internet und tauschen Ideen aus. Das gibt jeden die Möglichkeit zu experimentieren und sich Zeit zu nehmen. Wir rennen im Grunde beide los und schauen was passiert." Als erste Single hat man das harte, sakrale "The enemy" gewählt, das äußerst repräsentativ für das gesamte Album ist. "Es ist eine wuchtige Nummer, die all unsere Trademarks besitzt. Ich tendiere allerdings dazu nicht zu sehr an Singles zu denken, für mich zählt das Album immer als Ganzes. In dem Song selbst geht es um die unterschiedlichen Stufen des Hasses bzw. die Art wie man diesen Begriff interpretieren kann." Generell hält man die Texte bewusst zweideutig und verschlüsselt. "Jeder Song hat seine Bedeutung und Aussage, die jeder doch für sich selbst auslegen kann. Ich versuche sie beim Schreiben immer sehr kryptisch und offen zu halten; allerdings müssen sie im Einklang zur Musik stehen."