Interview

Moral ist eine Hure
von Adam Weishaupt (21.12.2010)Der Virus der Reitermania hat schon so manchen Liebhaber der harten und außergewöhnlichen Klänge infiziert. Das Quintett aus Weimar erfindet sich mit jedem Album neu und überzeugt durch ihr eigenwilliges, teils provokantes Auftreten und den kunterbun...
WeiterlesenDer Virus der Reitermania hat schon so manchen Liebhaber der harten und außergewöhnlichen Klänge infiziert. Das Quintett aus Weimar erfindet sich mit jedem Album neu und überzeugt durch ihr eigenwilliges, teils provokantes Auftreten und den kunterbunten Mix unterschiedlicher Stilistiken. "Moral & Wahnsinn" ist ihr neuster Streich. Man muss bei den Reitern immer mit dem Unvorhersehbaren rechnen, denn Stillstand ist für sie ein Fremdwort. "Es gibt viele Einflüsse", beginnt Bassist Volk-Man auszuholen und fährt voller Überzeugung fort: "Um auf den Punkt zu kommen, das Album atmet Metal und Rock aus jeder Pore, geht sofort ins Ohr und ist opulent ausgestattet. Es ist hartes Kopfkino für Nacken, Beine und Gehirn. Wir haben es so imposant wie möglich in Szene gesetzt, einen riesigen Aufwand betrieben, mit Streichern und Bläsern als Gastmusiker gearbeitet und in einem großen Studio aufgenommen, um einen zeitlosen, authentischen und kraftvollen Sound zu kreieren. Um dieses Monster einzufangen, kamen nur schwere Geschütze in Frage." Stolze zwei Jahre harter Arbeit stecken in dem nunmehr achten Longplayer: "Die Größe ist uns nach und nach immer bewusster geworden, je mehr Puzzleteile an die richtige Stelle geschoben wurden. Wir hatten einfach einen guten Lauf, angefangen vom hervorragenden Bandklima, bis hin zu erlebnisreichen und inspirierenden Tourneen und Reisen. Wer nichts erlebt, hat schließlich auch nichts zu erzählen." Trotz ihrer Experimentierfreude muss man den Reitern zugute halten, dass sie nie ihre Wurzeln ad acta gelegt haben und somit auch "Moral & Wahnsinn" ordentlich kracht und sich keinesfalls kommerziell anbiedert. "Authentizität ist uns am wichtigsten", erklärt der Bassist. "Wir können nur das überzeugend darbieten, was uns aus Herz und Seele entwächst. Das macht die Reiter aus, das macht sie stark und einzigartig. Naturgemäß wiederholen wir uns ungern, dazu gehen uns musikalisch zu gern buchstäblich die Pferde durch." Die angesprochenen Themen auf "Moral & Wahnsinn" sind ernsthaft und spannend. "Der Albumtitel entstand nicht von ungefähr", lässt Volk-Man wissen. "Der Mensch ist ein verwirrtes Lebewesen, das sich bemüht, moralische Richtlinien und Rechtssysteme zu begründen, aber gleichzeitig alles dafür tut, seine Artgenossen, die ihm irgendwie nicht genehm sind, zu beseitigen. Besonders widerlich wird diese Verlogenheit, wenn sogenannte moralische Instanzen wie Staat oder Kirche anfangen, die Moralapostel zu spielen und im Namen Gottes, der Natur oder des Vaterlandes jede ihrer Taten moralisch rechtfertigen." Die Reiter sind mittlerweile, ebenso wie Rammstein und Co., ein internationales Phänomen, das auf sämtlichen Kontinenten funktioniert, da man sie regelmäßig live beackert. Volk-Man sieht das eher nüchtern: "Die ganze Textdebatte ist grober Unfug, denn überall wird getanzt und gefeiert, man pogt, bangt und springt von der Bühne. Musik ist das universellste Medium der Welt, eines das Völker verbindet und nicht trennt."
Aufrüttelnde Lichtgestalten
von Lisa Hofer (26.06.2008)Die Reiter strahlen mit ihrem neuen Werk "Licht" auf musikalischer und inhaltlicher Ebene heller als jemals zuvor in ihrer Karriere. Sänger Fuchs nimmt uns mit auf einen Ritt durch seine Seelenwelt.
"Das Symbol des Lichts steht für Hoffnung und ist ...
WeiterlesenDie Reiter strahlen mit ihrem neuen Werk "Licht" auf musikalischer und inhaltlicher Ebene heller als jemals zuvor in ihrer Karriere. Sänger Fuchs nimmt uns mit auf einen Ritt durch seine Seelenwelt.
"Das Symbol des Lichts steht für Hoffnung und ist ein Statement für uns und für all jene, die sich nicht mit jeder Gegebenheit des Lebens abfinden. Licht steht für Kampf und Fortschritt, für Liebe, Mut und Zusammenhalt. Licht steht für Skepsis und das Hinterfragen. Licht steht für die letzten anderthalb Jahre Die Apokalyptischen Reiter", solange hat die Band an der Scheibe gearbeitet, wie Fuchs verrät. Die Songs auf "Licht" sind einfühlsam, kraftvoll und bewegend, wie auch der grandiose Kracher "Adrenalin": "Es sollte eigentlich ein Song über die wahnwitzigen Momente kurz vor Showbeginn werden. Wenn das Blut in den Adern kocht, man sich in die Augen schaut und sagt: 'Wir spielen jetzt die Show unseres Lebens!' Richtig gezündet hat es aber erst beim Klettern, als ich in der Wand hing und nicht mehr weiterkam. Da war es: Adrenalin! Hinterher wusste ich, dass man mit genug Angst im Rücken auch eine Raufasertapete hoch klettern kann". Texte wie "Wir hoffen" behandeln Themen, die viele im Alltag verdrängen. Die Reiter nehmen ihre Chance, als Künstler eine breite Masse zu erreichen sehr ernst, ohne zu belehren: "Jeder soll sich aus unserem Werk nehmen was er möchte. Entertainment ist wichtig, damit einem die Menschen zuhören, sonst könnten unsere Fans auch ein Seminar an der Volkshochschule belegen." Die Apokalyptischen Reiter gehen mit gutem Beispiel voran, was sich auch in ihren tiefsinnigen Gedanken widerspiegelt: "Solange es noch Ressourcen gibt und man kurzfristig Profit erzielen kann, wird ausgebeutet anstatt auf Nachhaltigkeit gebaut. Hinzu kommt, dass die Verteilung ungerecht ist. Man kann dem kolumbianischen Holzfäller kaum vorwerfen, den Regenwald zu zerstören, genauso wenig wie dem Indio seine Aggression darüber. Es geht um beider Existenz. Tatsächlich müsste ein radikales Umdenken einsetzen um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Noch führt man Kriege des Öls wegen. Wird es irgendwann Wasser oder gar Luft sein? Es stellt sich grundsätzlich die Frage, ob wir in so einer Welt leben möchten und es den nächsten Generationen zumuten wollen? Irgendwann ist Zahltag!" Ab 22. Oktober gibt es die Reiter live zu bewundern, auf dass sie etwas Farbe in diese graue Welt bringen mögen, bevor es zu spät ist.
Friedensbotschafter
von Andy Blair (03.04.2006)Sie sind die Erfinder der "Wall of love", bewerfen ihre Fans mit Sonnenblumen und bauen Hüpfburgen auf ihrer Bühne auf. Die Rede ist von den Apokalyptischen Reitern, der wohl innovativsten Metal Band Deutschlands! Ihr letztes Album "Samurai" hat scho...
WeiterlesenSie sind die Erfinder der "Wall of love", bewerfen ihre Fans mit Sonnenblumen und bauen Hüpfburgen auf ihrer Bühne auf. Die Rede ist von den Apokalyptischen Reitern, der wohl innovativsten Metal Band Deutschlands! Ihr letztes Album "Samurai" hat schon einige Zeit auf dem Buckel, nun feuern sie mit der brandneuen Single "Friede sei mit dir" ein neues Geschoss ab. Parallel dazu gibt es eine Single-DVD mit amtlichen 90 Minuten Spielzeit.
"Friede sei mit dir" entpuppt sich als lupenreiner Reiter-Hit, der all ihre Qualitäten und Eigenarten in sich birgt. Dabei gibt es keinerlei kommerzielle Anbiederung, die Nummer geht nach vorne, besitzt reichlich Dampf und mutiert zum Ohrwurm. "Der Song ist griffig, direkt und sehr melodisch", pflichtet Gitarrist Volkman bei. "Wir machen uns nicht abhängig von schnelllebigen Trends und scheren uns auch nicht, was man von uns erwartet." Ein weiteres Highlight der 4-Track Single ist die wirklich genial umgesetzte Johnny Cash/Stan Jones-Cover-Version des Evergreens "Ghostriders in the sky". "Der Song samt Text passt einfach zu den Reitern wie die Faust aufs Auge. Es lag auf der Hand, dass der von uns gecovert werden musste. Wenn nicht die Reiter, wer sonst?" Musikalisch kann man die fünf Freaks keiner bestimmten Sparte zuordnen. Jüngst wurden sie als deutsche Antwort auf System Of A Down beschrieben, doch auch dieser Vergleich hinkt. "Wir spielen seit elf Jahren zusammen und sind sehr stolz darauf, genau so und nicht anders zu klingen. Normalerweise haben Leute ja Angst vor Dingen, die sie nicht einordnen können. Wir stehen für einen völlig neuen, unverkrampften Umgang mit Musik. Für uns ist diese ganze Schubkastendenkweise völlig antiquiert und überholt. Wir sind frei und unsere Fans sind es auch."
Parallel zur Single erscheint eine DVD, die randvoll gepackt ist mit spektakulärem Material. Darunter auch der Clip zu "Friede sei mit dir", sowie drei älteren Clips und auch hier schimmert stets der ureigene Reiterhumor durch, kombiniert mit Klasse und Stil. Unklar ist, ob es sich beiden Reitern nun um Genies oder durchgeknallte Freaks handelt. Volkman klärt auf. "Als Freaks oder Wahnsinnige werden wir oft bezeichnet. Viele verstehen nicht was wir machen und halten uns für bekloppt. Obwohl ich behaupten möchte, dass wir viel ernsthafter und seriöser musizieren und texten, als viele unserer Kollegen. Dass wir Live-Entertainer sind und mächtig Spaß auf der Bühne haben, ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der DVD wird ja auch ein großer Studioreport über die Arbeiten zum kommenden Album ,,Riders on the storm" zu finden sein. Wir gewähren da viele sehr private Einblicke in die Band und hinter die Kulissen, der sicher überraschende Erkenntnisse liefern wird." Wie es Live bei den Reitern abgeht, gibt es ebenfalls auf der DVD zu bestaunen. Dort enthalten ist nämlich die komplette Show des Summer Breeze-Auftritts vom Vorjahr. Legendär, denn dort stellte man kurzfristig eine Hüpfburg auf die Bühne. "Genie und Wahnsinn liegen oft nur Millimeter auseinander. Wir lieben es, unsere Fans zu überraschen. Gerade auf einem so riesigen Festival, wo Bands im Sekundentakt durch den Fleischwolf gedreht werden, ist es umso schwieriger, einen bleibenden Platz im Kopf der Zuhörer zu okkupieren. Die Hüpfburg war eine einmalige Sache, die spektakulärste Aktion an dem ganzen Wochenende, die nun auch jene, die nicht dabei sein konnten, ins heimische Wohnzimmer holen können."
Im August erscheint schließlich das neue Album ,Riders on the storm', das mit dem Vorboten "Friede sei mit dir" großartiges erwarten lässt. "Es wird das spektakulärste deutschsprachige Album des Jahres, dass sowohl musikalisch als auch textlich in Dimensionen vordringen wird, die es in der Form noch nie zu hören gab. Ein gewaltiger Sturm aus Emotionen, gewittrig-krachenden Gitarrenwänden, schmetternden Posaunen: schlichtweg ein Album, das es so in dieser Form noch nicht gegeben hat und mit Sicherheit die intensivste Scheibe in der Geschichte der Band. Wer Wind säht..."